SENDETERMIN Fr., 19.03.21 | 05:30 Uhr | Das Erste

Virologe Martin Stürmer zum Impfgipfel

Steigende Infektionszahlen

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Virologe Martin Stürmer zum Impfgipfel | Video verfügbar bis 19.03.2022 | Bild: WDR

Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer hat die Bedeutung des AstraZeneca-Impfstoffs vor dem heutigen Impfgipfel abermals unterstrichen: "Der AstraZeneca-Impfstoff ist ein ganz wichtiger Baustein in unserer Impfstrategie, weil wir mit diesem Impfstoff in die Breite gehen können, mit Hausärzten, mit Betriebsärzten und da erhoffe ich mir, dass das Berücksichtigung findet. Aber unter anderem auch, dass wir uns ein bisschen überlegen wie verteilen wir die Impfstoffe in bestimmten Gruppen besser. Also müssen junge Frauen unbedingt mit AstraZeneca geimpft werden oder können wir da beispielsweise Biontech verwenden."

Wie groß der Imagschaden durch den vorübergehenden Impfstopp ist, ließe sich noch nicht abschätzen. "Ich denke, dass der Imageschaden größer geworden wäre, wenn wir weitergeimpft hätten und es wären tatsächlich immer weitere Fälle hinzugekommen. Insofern war es meiner Meinung nach richtig und gut, kurz zu stoppen, das ganze in Ruhe zu bewerten und jedem auch klar zu machen, Sicherheit geht immer noch vor Schnelligkeit.

Angesichts der aktuell steigenden Infektionszahlen sähen wir nun die Konsequenz dessen, was wir uns erlaubt hätten, so Stürmer: "Wir haben der neuen Variante letztendlich Tür und Tor geöffnet, sich massiv zu verbreiten." Der Anteil der britischen Variante läge inzwischen laut RKI bei 72%. "Also wir haben eine extreme Dynamik, eine sehr starke Zunahme und wir befinden uns wirklich in einem sehr, sehr starken Anstieg." Er plädiert dafür in Kürze wieder die Notbremse zu ziehen: "Wir müssen jetzt wirklich konsequent handeln, so wie es beschlossen worden ist."

Im Hinblick auf Ostern bleibt Stürmer skeptisch und mahnt zur Vorsicht: "Auch, wenn jetzt viele ältere Menschen geimpft worden sind, und dementsprechend sicherlich nicht mehr ganz so viele Menschen auf Intensivstationen kommen müssten und sterben werden, haben wir trotzdem immer noch nicht alle Risikogruppen durch und es ist zu befürchten, dass wir wieder sehr viele Intensivpatienten sehen werden, mehr Menschen sterben sehen werden und das sollten wir wirklich vermeiden."

Stand: 19.03.2021 10:42 Uhr