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Virologin Protzer bewertet neue Corona-Beschlüsse

"Vorsichtiges Vorgehen ist berechtigt"

PlayUlrike Protzer, Virologin der TU München
Virologin Protzer bewertet neue Corona-Beschlüsse | Video verfügbar bis 04.03.2022 | Bild: WDR

Die Virologin Ulrike Protzer von der TU München hält die neuen Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern für insgesamt vernünftig. "Man geht sicherlich vorsichtig weiter vor, aber das ist auch berechtigt." Während die Infektionszahlen bei den Älteren aufgrund der Impfung kontinuierlich fielen, stiegen sie zuletzt bei den Jüngeren. "Ich glaube, das hat doch dafür gesorgt, dass nicht einfach ganz locker damit umgegangen wird. Aber so einen Stufenplan, den haben ja viele Menschen, und ich muss sagen, ich selber auch, erwartet und ich finde es gut, wenn man sagt, ab 50 passiert XY, ab 100 geht es aber wieder zurück. Dann gibt es irgendwo klare Grenzen und es verstehen auch alle, warum was passiert." 


Im Bezug auf kostenlose Corona-Schnelltests mahnt Protzer zur Vorsicht, gerade für die Testung in der Breite. "Ein Schnelltest ist eine gute zusätzliche Information, aber ich darf eben deswegen die Sicherheitsmaßnahmen nicht bleiben lassen." In vielen Bereichen, wie dem Einzelhandel oder in Museen könne man das aber, sodass Schnelltests dort sehr sehr hilfreich sein könnten. Problematisch werde es, wenn Schnelltests zur verminderten Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen führten. Im Bezug auf die Impfung bei Hausärzten findet die Virologin die Einbeziehung ab Ende März nicht zu spät. Die MRNA-Impfstoffe, die aktuell noch hauptsächlich verimpft würden, könnten nur schwer in kleinen Mengen aufgezogen werden. Sie sieht das Risiko, dass so Impfstoff weggeschmissen werden müsse. "Das wird mit den AstraZeneca- oder auch den Johnson&Johnson-Impfstoffen einfacher, die kann man besser in der Praxis aufziehen." 


Sie hofft zudem, dass die vektorbasierten Impfstoffe künftig auch bei den Älteren eingesetzt werden. "Die Älteren brauchen vorwiegend Schutz für sich selber, weil sie wirklich ein Risiko haben, damit auch ins Krankenhaus zu kommen. Und davor schützen diese Impfstoffe wirklich sehr gut. Die Jüngeren brauchen nicht ganz so viel Schutz für sich selber, weil sie nicht so ein hohes Risiko haben, ins Krankenhaus zu kommen. Aber die haben ein höheres Ansteckungsrisiko. Und eigentlich von der Logik her wäre es ja gut, wenn wir da dann die Impfstoffe, also die MRNA-Impfstoffe, die am besten vor einer Infektion schützen, bei den Jüngeren einsetzen könnte. Ich glaube, die Datenbasis hat sich jetzt geändert und die Ständige Impfkommission berät das gerade neu. Ich bin mal gespannt, was da jetzt die neue Empfehlung sein wird."

Stand: 04.03.2021 11:28 Uhr