SENDETERMIN Do., 19.03.20 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Corona: Hilfen für die Wirtschaft

mit Hermann-Josef Tenhagen, Finanztip

Im Flughafen Hamburg informiert ein Aufsteller über das Coronavirus
Im Flughafen Hamburg informiert ein Aufsteller über das Coronavirus  | Bild: dpa / Markus Scholz

Verdachtsfall in der Firma

Wenn ein Kollege unter Corona-Verdacht steht und von der Arbeit freigestellt ist, sollten Sie ebenfalls zu Hause bleiben, bis sein Test-Ergebnis bekannt ist. Erstellen Sie in diesem Fall eine Liste der Personen, mit denen Sie seit dem Verdachtsfall Kontakt hatten.

Infektion bei einem Kollegen

Bestätigt sich der Verdacht, dann meldet sich das Gesundheitsamt bei Ihnen oder Sie nehmen selbst mit dem zuständigen Gesundheitsamt Kontakt auf. Das Amt wird Ihren Gesundheitszustand für maximal 14 Tage in häuslicher Quarantäne beobachten. Es wird sich täglich bei Ihnen melden, um rasch zu handeln, falls Symptome auftreten. Gleichzeitig müssen Sie Ihre Kontakte stark einschränken, damit sich das Virus nicht weiterverbreiten kann.

Was tun, wenn man sich krank fühlt?

Sollten Sie Husten, Atemnot oder leichtes Fieber haben, müssen Sie sich umgehend bei Ihrem Arbeitgeber krankmelden. Nur dadurch wird das Risiko eingedämmt, weitere Menschen anzustecken.
Neu ist: Für eine Krankschreibung reicht ein Telefonat mit Ihrem Hausarzt. Haben Sie eine leichte Erkrankung der oberen Atemwege, darf Ihr Arzt Sie bis zu sieben Tage krankschreiben. Die Regelung gilt zunächst für vier Wochen und soll Arztpraxen und Patienten entlasten. Wenn Sie Ihren Arzt telefonisch nicht erreichen, hilft ein Anruf bei der Hotline Ihrer Krankenkasse.

Betreuung bei Schulschließung

Falls wegen Corona-Verdachts eine Schule oder eine Kita geschlossen wird oder es zu einer grundsätzlichen Schulschließung kommt, müssen sich die Eltern selbst um die Betreuung ihrer Kinder kümmern. Arbeitnehmer dürfen dann zu Hause bleiben und bekommen ihr Gehalt weitergezahlt (§ 616 BGB).

Allerdings: Die Lohnfortzahlung ist je nach Arbeits- oder Tarifvertrag nicht immer garantiert, manchmal sogar ausgeschlossen. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber auch über das Abfedern der Situation durch Überstundenabbau und Homeoffice.

Vermeiden Sie eine Betreuung durch die Großeltern, da sie als ältere Menschen durch Corona gefährdet sind.

Erkrankung der Kinder

Steht ein Kind unter Quarantäne oder ist es krank, haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf Kinderkrankengeld, wenn sie sich um ihr Kind kümmern. Wie viel Geld die Kasse pro Arbeitstag zahlt, richtet sich nach dem Einkommen. Es ist aber deutlich weniger als das reguläre Gehalt. Für jedes Kind unter zwölf Jahren bekommen Sie für höchstens zehn Arbeitstage Krankengeld, Alleinerziehende zwanzig Tage. Sie brauchen dazu eine ärztliche Bescheinigung.

Gehalt und Quarantäne

Größere finanzielle Einbußen müssen Arbeitnehmer unter Quarantäne nicht befürchten. Ihre Firma muss zunächst das Gehalt weiterzahlen, da Sie einem Beschäftigungsverbot unterliegen. Ihr Vorgesetzter kann, je nach Gesundheitszustand, verlangen, dass Sie zu Hause arbeiten. Klappt das nicht, werden Sie rechtlich so behandelt, als wären Sie krank. Es gibt eine Lohnfortzahlung. Die Bundesländer haben angekündigt, den Arbeitgebern diese Zahlungen zu erstatten.

Wenn der Chef nicht zahlt

Der Arbeitgeber kann sich das Geld für Lohnfortzahlungen beim Bundesland zurückholen. Andere Verluste, z. B. wenn der Betrieb stillsteht, muss die Firma selbst tragen. Sollte der Arbeitgeber wider Erwarten nicht zahlen, können Sie eine Entschädigung von der zuständigen Behörde fordern. Sie entspricht in den ersten sechs Wochen etwa der Höhe des Nettolohns, danach der Höhe des Krankengeldes.

Entschädigung für Selbständige

Auch Selbständigen sichert der Paragraph 56 des Infektionsschutzgesetzes eine Fortzahlung ihres Einkommens zu, wenn sie aufgrund von Quarantäne nicht arbeiten können. Wenden Sie sich dazu innerhalb von höchstens drei Monaten nach Ende der Maßnahme an die zuständige Behörde Ihres Landes.

Wichtig für Unternehmen

Um der Wirtschaft bei der Abfederung der Corona-Folgen zu helfen, haben sich CDU, CSU und SPD im Koalitionsausschuss auf Erleichterungen bei der Kurzarbeit geeinigt. Demnach soll die Bundesregierung bis Ende 2021 verschiedene Anpassungen bei den Leistungen und Voraussetzungen fürs Kurzarbeitergeld vornehmen können. Dazu zählt, dass Betriebe schon dann bezugsberechtigt sein können, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sind. Außerdem soll Kurzarbeitergeld auch für Leiharbeitnehmer möglich werden

Darüber hinaus ist die vollständige Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge durch die Bundesagentur für Arbeit vorgesehen. Auch vor dieser Gesetzesänderung können, nach aktueller Rechtslage, Betriebe wegen der Corona-Krise Kurzarbeit beantragen. Für Anträge, Detailfragen und Auszahlung ist die Bundesagentur für Arbeit zuständig. Darüber hinaus hat die Bundesregierung Vorschläge für Liquiditätshilfen für betroffene Unternehmen angekündigt. Auch Banken der Länder bieten kurzfristige Liquiditätshilfen wie Betriebsmittelkredite für Unternehmen an.

Wichtig für Selbständige

Bei Selbstständigen springt der Staat ein: Sinkt das Einkommen durch Quarantäne, bekommen Selbstständige eine Entschädigung. Nach dem Infektionsschutzgesetz haben sie in dem Fall auch Anspruch auf Krankengeld. Die Höhe der Entschädigung wird nach den durchschnittlichen Einnahmen des letzten Jahres berechnet. Nach sechs Wochen sinkt sie auf die Höhe des gesetzlichen Krankengeldes. Voraussetzung für die Entschädigung: Das Gesundheitsamt hat die Isolation angeordnet.

Privatversicherte haben oft ein so genanntes Krankentagegeld mitversichert. In der Regel ist aber die Karenzfrist vier Wochen und länger. Wenn Sie als Selbstständiger aufgrund des Corona-Virus oder einer Quarantäne Krankengeld vom Staat kriegen, geht Ihr Anspruch auf Krankentagegeld automatisch auf den Staat über. Sind Sie freiwillig bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert, bekommen Sie Krankengeld nach frühestens 15 Tagen.

Was Anleger jetzt wissen müssen

Aktien

Alle wichtigen Aktienmärkte in Europa und weltweit sind eingebrochen. Wer angesichts dieser Entwicklung jetzt verkauft, macht wahrscheinlich einen Fehler: Er verkauft bei stark sinkenden Kursen und steigt später erst dann wieder ein, wenn sich die Kurse bereits kräftig erholt haben. Wenn Sie also vor einigen Wochen oder Jahren überzeugt waren, dass eine breit gestreute Aktienanlage langfristig im Wert steigt, dann sollten Sie daran festhalten.

Die alte Börsenregel "Krisen aussitzen" hilft nicht, wenn man gerade jetzt sein Geld fest verplant hat. Es ist durchaus möglich, dass der Aktienmarkt noch mehrere Monate oder länger im Krisenmodus bleibt. Gehören Sie zu dieser Gruppe, müssen Sie Ihre Pläne anpassen: Entweder verkaufen Sie jetzt Teile Ihrer Gewinne der Vorjahre ab. Hier greift die Regel: Aktienvermögen nie auf einmal, sondern geplant in Raten verkaufen. Oder: Sie schieben die geplante Investition erst einmal auf. Möglich ist aber auch: Sie lassen Ihr Depot unangetastet und sprechen erst einmal mit der Bank darüber, ob der Bankkredit nicht vielleicht doch Zehn- oder Zwanzigtausend Euro höher ausfallen kann. Bei historisch niedrigen Bauzinsen ist das keine große Belastung.

Anleihen

Während Aktienkurse abgesackt sind, ging es für einige andere Anlageklasse teilweise aufwärts. Als besonders sicher geltende Staatsanleihen stiegen zum Teil stark im Wert, beispielsweise Schuldscheine aus Deutschland, USA oder Frankreich. In der Finanzlogik heißt das, dass Ihre Rendite, also praktisch die Verzinsung, wenn Sie solche Anleihen jetzt kaufen wollen, weiter gesunken ist: im Fall zehnjähriger deutscher Anleihen auf minus 0,9 Prozent, ein historischer Tiefstwert. Fazit: Haben Sie Rentenfonds mit Staatsanleihen in Ihrem Depot, dürfte der Wertgewinn der Anleihen Ihre Schwankungen im Gesamtportfolio aufgefangen oder zumindest den Kursrutsch verlangsamt haben. Genau dazu dienen Anleihen hauptsächlich.

Sparguthaben

Wenn Sie bei der Geldanlage auf Nummer Sicher gegangen sind, dann haben Sie als einen sicheren Baustein Ihrer Geldanlage auf Tages-, Festgeld oder Sparkonten gesetzt. Diese dürften allerdings in der nächsten Zeit noch ein bisschen weniger Zinsen abwerfen als zuletzt. Die Europäische Zentralbank könnte kurzfristig den Negativzins für Banken erhöhen, was für Sparer beispielsweise bedeuten könnte: Aus 0,2 Prozent Jahreszinsen aufs Tagesgeld könnten 0,1 Prozent werden. Oder 0,01 Prozent.

Gold: Der riskante Krisen-Klassiker

Das Edelmetall ist ein eher spekulatives Investment. Der Wert ist stark abhängig von der Nachfrage. Kriselt es in der Wirtschaft wie im Moment, geht der Preis nach oben, um in anderen Zeiten wieder nachzugeben. Fazit: Gold kann wie Tages- oder Festgeld die Schwankungen Ihres Portfolios in Krisenzeiten stabilisieren. Experten raten zu einer Beimischung von bis zu 10 Prozent physischen Goldes im Depotwert. Wer jetzt kein Gold hat, sollte es aber eher vermeiden, teuer zuzukaufen.

Altersvorsorge: Keine Gefahr!

Eine Lebensversicherung, eine betriebliche Altersvorsorge oder ein klassischer Riester-Vertrag bieten normalerweise eine Zins- oder zumindest eine Beitragsgarantie. Das heißt: Sie sollten mindestens so viel herausbekommen, wie Sie einbezahlt haben. Entsprechend wenig Aktien stecken traditionell in diesen Produkten. Und auch die staatliche Förderung macht Corona nicht kaputt. Ebenso wenig trifft eine vorübergehende Krise die gesetzliche Rente. Hier spielt die langfristige Entwicklung des Arbeitsmarkts und des Lohnniveaus die zentrale Rolle. Fazit: Die traditionelle Altersvorsorge leidet eher unter den anhaltenden Niedrigzinsen als unter vorübergehenden Wertverlusten am Aktienmarkt. Betroffen können aber diejenigen sein, die ohne Garantien vorsorgen – etwa über eine fondsgebundene Rentenversicherung oder einen fondsgebundenen Rürup-Vertrag.

Stand: 19.03.2020 09:26 Uhr