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Service: Epilepsie und Krampfanfälle

mit Prof. Dr. Andreas Schulze-Bonhage, Epilepsiezentrum, Uniklinik Freiburg

PlayEpilepsie, Symbolbild
Service: Epilepsie und Krampfanfälle | Video verfügbar bis 01.08.2023 | Bild: WDR

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der Nervenzellen des Gehirns für kurze Zeit Funktionsstörungen verursachen. Das löst die sogenannten epileptischen Anfälle aus. Dabei kann es zu Empfindungsstörungen und unwillkürlichen Bewegungen kommen. Epilepsie zählt zu den häufigsten neurologischen Krankheiten. 600.000 bis 700.000 Menschen sollen in Deutschland davon betroffen sein. Die meisten von ihnen können gut mit Ihrer Erkrankung leben.

Krankheitsverlauf

Epileptische Anfälle können jeden treffen und in jedem Alter auftreten. Besonders häufig beginnen sie im frühen Kindesalter oder im höheren Alter. Dabei äußern sich die Symptome unterschiedlich: Manchmal zucken nur einzelne Muskeln oder es kommt zu Störungen der Wahrnehmung oder kognitiver Leistungen wie dem Gedächtnis. Es kann aber auch der gesamte Körper verkrampfen und die Betroffenen das Bewusstsein verlieren. Nicht immer zeigt sich das Krankheitsbild mit motorischen Zeichen. Manchmal kommt es auch nur zu einer "geistigen Abwesenheit", so dass die Betroffenen oder Ihre Angehörigen oft gar nichts von dem epileptischen Anfall mitbekommen.

Behandlungsmöglichkeiten

Den meisten Epilepsie-Patienten hilft eine medikamentöse Behandlung, ein Leben ohne Anfälle zu führen. Eingesetzt werden sogenannte Antiepileptika, die die übermäßige Synchronisierung von Nervenzellen im Gehirn hemmen. Damit wird bei ungefähr zweidrittel aller Patienten das Risiko für einen Krampfanfall deutlich gesenkt. Helfen Medikamente nicht, gibt es auch noch andere Therapieformen. Zum Beispiel chirurgische Eingriffe, bei der bestimmte Bereiche im Gehirn behandelt werden, die Auslöser der Anfälle sind.

Auch Verfahren zur Neurostimulation können helfen. Dafür wird ein Schrittmacher unter die Brustmuskulatur eingesetzt, der kontinuierlich elektrische Impulse an das Gehirn generiert. Neben Verfahren zur Stimulation des Vagusnervs und eines tief im Gehirn liegenden Gebietes, des Thalamus, gibt es auch neuerdings ein Neurostimulationsverfahren, dass mittels einer unter die Kopfhaut gelegte Elektrode die Ursprungszone epileptischer Anfälle beeinflusst. Hierdurch werden Anfälle, die in einem bestimmten Areal, dem epileptischen Fokus, entstehen, seltener oder in ihrer Ausprägung leichter.

Unterscheidung zu anderen Krankheitsbildern

Epileptische Anfälle können auch im Verlauf anderer akuter Erkrankungen auftreten. In diesen Fällen wird von sogenannten Gelegenheitsanfällen gesprochen. Ein Beispiel dafür sind Fieberkrämpfe, die besonders bei kleinen Kindern in Zusammenhang mit hohem Fieber vorkommen.

Auch schwere Durchblutungsstörungen, Vergiftungen, Entzündungen wie beispielsweise Hirnhautentzündung, eine Gehirnerschütterung oder Stoffwechselstörungen können solche Gelegenheitskrämpfe auslösen.

Daneben gibt es anfallsartige Symptome auch bei seelischen Erkrankungen, die in ihrer Ausprägung epileptischen Anfällen ähneln können. Mediziner sprechen dann von einem psychogenen Krampfanfall. Oft ist eine Unterscheidung nur durch Anfallsanalysen in Epilepsiezentren möglich.

Erste Hilfe bei epileptischen Anfällen

Viele Menschen wissen nicht, was sie tun sollen, wenn sie einen epileptischen Anfall bei einer anderen Person mitbekommen. Der erste Gedanke ist häufig, einen Notarzt zu rufen. Das ist jedoch nicht immer nötig. Nahestehende sollten auf die Uhr schauen und kontrollieren, wie lange der Anfall dauert. Viele sind nach ein bis zwei Minuten vorbei. Den Notarzt (Nummer 112) sollten Sie rufen, wenn:

  • der Anfall länger als fünf Minuten dauert
  • sich die Person stark verletzt hat
  • der/die Betroffene nicht mehr zu sich kommt oder nach dem Anfall nicht normal atmet
  • wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie dem Betroffenen ausreichend helfen können

Außerdem sollten Sie folgende Punkte bei einem Anfall beachten:

  • ruhig bleiben
  • die betroffene Person nicht festhalten
  • gefährliche Gegenstände wegräumen, damit sich der/die Betroffene nicht verletzt
  • wenn die Person zu Boden gestützt ist, den Kopf so lagern, dass die Atemwege frei sind
  • eventuell enge Kleidung am Hals lockern
  • es kann sein, dass sich der Betroffene auf die Zunge beißt, trotzdem sollte man keinen Gegenstand zum Schutz in den Mund stecken
  • für die Person da sein, wenn sie wieder bei Bewusstsein ist, den/die Betroffene/n beruhigen und weitere Hilfe anbieten

Weitere Informationen

• Deutsche Epilepsievereinigung: Was ist Epilepsie?
https://www.epilepsie-vereinigung.de/krankheitsbild/

• Planet wissen: Epilepsie
https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/krankheiten/epilepsie/index.html

• ARD-Mediathek: "Josephine und das Gewitter im Kopf"
https://www.ardmediathek.de/video/schau-in-meine-welt-oder-kinder/josephine-und-das-gewitter-im-kopf/hr-fernsehen/Y3JpZDovL2hyLW9ubGluZS8xNTk5OTg?isChildContent=

• ARD-Mediathek: Stille Epilepsie erkennen und behandeln
https://www.ardmediathek.de/video/die-ratgeber/stille-epilepsie-erkennen-und-behandeln/hr-fernsehen/Y3JpZDovL2hyLW9ubGluZS8xNDgyNTM

• Informationen der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie
http://www.dgfe.org/home/

Stand: 01.08.2022 08:11 Uhr