SENDETERMIN Mi., 30.09.20 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Grippeschutz

mit Dr. Mohsen Radjai, Facharzt für Allgemeinmedizin

Service: Grippeschutz | Video verfügbar bis 30.09.2021 | Bild: WDR

In jeder kalten Jahreszeit fängt man sich schnell mal einen grippalen Infekt ein. Der ist selten wirklich schlimm, aber man fühlt sich ein paar Tage abgeschlagen und antriebsschwach. Da Husten und Fieber auch Symptome von Corona sein können, sind jetzt viele verunsichert.

Corona oder grippaler Infekt?

Nicht einmal ein erfahrener Arzt kann mit hoher Sicherheit einschätzen, ob es sich um eine Corona-Infektion oder nur um einen einfachen Infekt handeln könnte. Letztlich bleibt im Zweifel nur ein Test per Abstrich, um eine Corona-Infektion auszuschließen. Wer sich krank fühlt, sollte sich – zunächst telefonisch – an einen Haus- oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt wenden. Nicht jede Fieberattacke bedeutet eine Corona-Infektion. Herbst und Winter werden uns mit vermehrtem Auftreten von Erkältungen und der echten Grippe in Zeiten der Pandemie im Bezug auf eine eindeutige Diagnose mehr als sonst fordern.

Erkältung und Grippe

Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Halsschmerzen, eventuell mäßiges Fieber, Kopf-, Glieder- und leichte Muskelschmerzen sowie Mattigkeit – diese Symptome sprechen für eine lästige, in der Regel aber ungefährliche Erkältung. Wir fühlen uns schon etwas krank, meistens gehen wir aber trotzdem arbeiten und schonen uns nicht. Das ist ein Fehler, denn um eine an sich harmlose Erkältung auszukurieren, benötigt unser Körper Ruhe und Schonung.

Auslöser von Erkältungen sind überwiegend Viren. Wenn der Körper die nicht ausreichend bekämpfen kann, gelangen sie mit dem Blutstrom an die inneren Organe. Dort können sie beispielsweise den Herzmuskel befallen und eine Entzündung verursachen, die die Herzleistung dramatisch verschlechtert.

Die Symptome einer echten Grippe sind von Beginn an schlimmer: Die Betroffenen fühlen sich richtig krank. Beschwerden setzen oft so plötzlich und heftig ein, dass Patienten sogar die Uhrzeit nennen können. Hinzu kommen plötzliche Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost und trockener, schmerzhafter Husten. Der/die Patient/in fühlt sich sehr abgeschlagen, müde und schwach. Oft treten auch Halsschmerzen und Schluckbeschwerden auf.

Auslöser einer Grippe sind ebenfalls Viren, die sogenannten Influenza-Viren. Die Grippeviren werden in der Regel über Tröpfcheninfektion von einem Menschen auf den anderen übertragen, z. B. durch Niesen oder Husten. Auch eine Übertragung durch Kontakt der Hände ist möglich, daher ist auch hier häufiges Händewaschen unbedingt erforderlich.

Wann muss ich zum Arzt?

  • wenn ich mich elender fühle als sonst üblich und mich meiner Aufgaben nicht mehr gewachsen fühle
  • wenn ich mich nach zwei, drei Tagen statt besser eher schlechter fühle
  • wenn das Fieber länger als 3 Tage dauert
  • wenn Medikamente, die sonst wirken, nicht helfen

Impfen oder nicht?

Eine Grippeschutzimpfung schützt nicht vor Erkältungen und auch nicht vor dem Coronavirus. Da es aber im Herbst und Winter einen weiteren deutlichen Anstieg der Corona-Infektionen geben kann, würde eine massive Grippewelle das Gesundheitssystem überlasteten.
Vor allem ältere Menschen, Personen mit chronischen Krankheiten oder Immunschwäche, medizinisches sowie pflegerisches Personal sollten sich gegen Grippe impfen lassen. Oktober und November sind optimal für eine Impfung, aber auch während einer Grippewelle ist es noch möglich, sich zu schützen.

Wie kann ich mich vor Ansteckung schützen?

Es gibt viele einfache und wirksame Möglichkeiten, um das Ansteckungsrisiko für Atemwegserkrankungen zu senken. Dazu gehört zum Beispiel die sogenannte AHA-Regel: Abstandhalten, häufiges Händewaschen, mit normaler Seife (für ca. 30 Sekunden und auch zwischen den Fingern) und sich nicht ins Gesicht zu fassen. Masken schützen zusätzlich vor jeglicher Ansteckung.

Wer regelmäßig Sport treibt und sich fit hält, erkältet sich im Herbst und Winter seltener. Das belegt eine US-amerikanische Studie. Auch die Symptome sind nicht so stark ausgeprägt, wenn es einen gut trainierten Menschen dann doch einmal erwischt. Allerdings muss man sich für diesen Effekt an fünf oder mehr Tagen in der Woche ausreichend bewegen – und zwar mindestens zwanzig Minuten so, dass man leicht ins Schwitzen gerät. Die Wissenschaftler führen diesen Effekt auf eine Aktivierung des Immunsystems zurück.

Weitere Informationen

Unabhängige Patientenberatung
Tel 0800 0 11 77 22 (gebührenfrei aus allen Netzen), Mo-Fr 8-22 Uhr, Sa 8-18 Uhr

Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums
Tel 030 34 64 65 100, Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-12 Uhr

NDR: Themenschwerpunkt Grippe und Grippeimpfung
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Grippe-und-Grippeimpfung,grippe151.html

Bundesgesundheitsministerium: Tagesaktuelle Informationen zum Corona-Virus
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html?fbclid=IwAR3QQdrHuQ6TB7IR_Jo9Cgp9G6f_VrCuCpsXIXiKIN2IbRJvD-RisVwQFT4

Bundesregierung: Leitlinien zur Beschränkung sozialer Kontakte
https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/besprechung-der-bundeskanzlerin-mit-den-regierungschefinnen-und-regierungschefs-der-laender-1733248

Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung: Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Corona-Virus
https://www.infektionsschutz.de/coronavirus-sars-cov-2.html

Robert Koch-Institut RKI: Übersichtsseite zu COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2)
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html

• Bundesgesundheitsministerium: Informationsblatt zum Schutz vor Ansteckung: Aktuelle Informationen zum Coronavirus
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/C/Coronavirus/Coronavirus_Handzettel_barrierefrei_DE_barr.pdf

Stand: 23.09.2021 14:33 Uhr