SENDETERMIN Mi., 03.08.22 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Zinsen und Inflation

mit Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur Finanztip

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Service: Zinsen und Inflation | Video verfügbar bis 03.08.2023 | Bild: WDR

Mit der Erhöhung der Zinsen durch die EZB werden die Zeiten für Sparerinnen und Sparer spannend, aber nicht unbedingt besser. Bereits Mitte Juni hatte EZB-Chefin Christine Lagarde angekündigt, die Zinsen wieder einzuführen. Das geschah dann Mitte Juli. Für den Herbst rechnen Experten mit einer weiteren Erhöhung. Die US-Notenbank ist mit einer deutlichen Erhöhung von 0,75 Prozent vorangegangen.

Lohnt sich das Sparen noch?

Damit ist die Zeit der Negativzinsen und der so genannten "Verwahrentgelte" endgültig vorbei. Eine Frage bleibt aber: Was wird jetzt aus privatem Vermögen, denn der deutliche Anstieg der Inflation wird durch die Erhöhung der Zinsen zur Zeit nicht aufgefangen. Lohnt sich das Sparen also noch? Zur Zeit eher nicht.

Eine einfache Rechnung: Wenn Sie 30.000 Euro auf dem Konto haben und bekommen dafür keine Zinsen und haben eine Inflation von 2 Prozent, sind die 30.000 Euro nach drei Jahren rechnerisch nur noch 28.240 Euro wert. Gäbe es für die 30.000 Euro tatsächlich wieder 1,5 Prozent Zinsen, dann würden daraus in 3 Jahren 31370 Euro. Bei jeweils sechs Prozent Inflation wäre der Wert Ihrer Sparsumme in drei Jahren aber nur noch 26.300 Euro.

Was kann man jetzt tun, um Spargroschen oder Altersvorsorge zu erhalten? – Tipps

Tipp 1: Vergleichen Sie immer die verschiedenen Anbieter. An der Inflation können Sie als Sparerin oder Sparer nichts ändern, den besten Zins am Markt können Sie aber schon heraussuchen.

Tipp 2: Lassen Sie sich nicht hetzen. Wenn Sie Geld auf einem Festgeldkonto anlegen wollen, dann warten Sie einfach noch ein paar Wochen oder Monate ab. Experten rechnen damit, dass sich die Zinsen in den kommenden Monaten eher nach oben bewegen werden. Der Tipp unseres Experten Hermann-Josef Tenhagen: "Mein Zeithorizont für das Sparen mit einem Festgeld wäre der Herbst. Und auch dann sollten Sie ihre Ersparnisse maximal für drei Jahre anlegen, denn die Zinsen könnten sich ja noch deutlich weiter nach oben bewegen.

Tipp 3: Für eine langfristige Geldanlage taugen die mickrigen Zinsen der Banken und Sparkassen nicht. Vielleicht haben Sie ja ein persönliches Projekt, in das Sie ihr Geld stecken können. Das könnte zum Beispiel eine neue Heizung fürs eigene Haus sein, eine Solaranlage auf dem Dach oder der seit langen Jahren geplante Wintergarten. Die bessere Heizung spart Energiekosten, und eine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach soll demnächst wieder richtig Rendite geben. Natürlich immer vorausgesetzt man findet in Zeiten wie diesen einen Handwerker.

Tipp 4: Langfristige Geldanlage an der Börse. Es ist auf lange Sicht immer noch lukrativ, auch in Krisenzeiten in Aktienfonds zu investieren. Unser Experte Hermann-Josef Tenhagen empfiehlt daher auch weiterhin so genannte Aktienindexfonds, marktbreite weltweite ETF. Nach 15 Jahren, so eine Untersuchung von "finanztip", gab es in den vergangenen Jahrzehnten nie Verluste und im Schnitt sieben bis neun Prozent Rendite.

Tipp 5: Wenn Sie eine Lebens- oder Rentenversicherung besitzen, die Sie sich auf einen Schlag auszahlen lassen könnten, gelten die Punkte zwei bis vier auch für Sie. Vorläufig werden Sie bei keiner Bank mehr Zinsen bekommen als ihre alte Lebens- und Rentenversicherung für ihr Erspartes zahlt. Kein Grund also, diese Verträge aufzulösen, auch wenn eine Verzinsung von 2,25 bis 4 Prozent auf Ihren Sparanteil bei der aktuellen Inflationsrate zu wenig ist. Wenn Sie aber eine gute Investition in Ihr Haus oder am Aktienmarkt machen wollen, kann der Verkauf der Lebensversicherung eine Option sein, allerdings eine langfristige.

Tipp 6: Wer noch einen Kredit abbezahlen muss, der sollte sich von der aktuellen Entwicklung nicht unter Druck setzen lassen. Zur Zeit gibt es noch keinen Grund zum Wechseln. Achten Sie allerdings darauf, dass Sie den Kredit in der Laufzeit abbezahlen. Nutzen Sie bei einem Immobilienkredit jegliche Möglichkeit zur Sondertilgung, damit bei der nächsten Umschuldung der Kredit so günstig wie möglich wird. Fallende Zinsen sind gerade bei Baufinanzierungen erstmal nicht mehr zu erwarten.

Tipp 7: Sollten Sie ihre Baufinanzierung demnächst umschulden müssen, prüfen Sie sehr ernsthaft ein sogenanntes Forward-Darlehen. Mit dem können Sie jetzt vereinbaren, wie hoch ihr Zins zum Beispiel bei der Umschuldung Anfang 2024 ist. Ein Forward-Darlehen ist aber natürlich auch eine Wette. Sollten die Zinsen wieder fallen, kostet Sie diese Wette Geld. Wenn der Zins weiter steigt, haben Sie schon gewonnen. In jedem Fall gibt Ihnen das Forward-Darlehen jetzt schon Gewissheit über die künftigen Kosten ihrer Baufinanzierung

Weitere Informationen

• WDR: Informationen für Sparer und Bauherren
https://www1.wdr.de/nachrichten/ezb-erhoeht-leitzins-100.html

• Informationen der Tagesschau für Sparer zum Leitzins
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/leitzinsen-strafzinsen-verwahrentgelt-sparer-ezb-101.html

• SWR: Informationen für Verbraucher zu steigenden Zinsen und Inflation
https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/steigende-zinsen-und-inflation-folgen-fuer-verbraucher-100.html

• MDR aktuell zur Zinswende
https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/anhebung-ezb-leitzins-sparen-bauen-100.html

Stand: 03.08.2022 07:27 Uhr