SENDETERMIN Mi., 08.06.22 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Steigende Zinsen

mit Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur Finanztip

Playsteigende Zinsen
Service: Steigende Zinsen | Video verfügbar bis 08.06.2023 | Bild: WDR

Wohin bewegt sich das Zinsniveau?

Die Zinsentwicklung wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) und von den Anleihemärkten bestimmt. Nachdem die US-Notenbank bereits eine Erhöhung des Leitzinses angekündigt hat, kam eine entsprechende Ankündigung jetzt auch von EZB-Chefin Christine Lagarde. Die Anleihemärkte haben die angekündigten Zinserhöhungen bereits vorweggenommen. Die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld, aber auch für Ratenkredite sind immer noch sehr niedrig. Bei den Baukrediten gibt es bereits seit einem halben Jahr einen deutlichen Anstieg.

Was müssen Verbraucher jetzt beachten?

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie im sicheren Bereich ihr Geld anlegen wollen, dann brauchen Sie sich nicht zu beeilen. Sie können in Ruhe auf höhere Sparzinsen warten. Bauzinsen sollten Sie sich tendenziell jetzt noch kurzfristig sichern, bevor das Zinsniveau weiter steigt. Bereits am 4. Mai 2022 hat die US-Zentralbank Fed die Zinsen um einen halben Prozentpunkt (0,5 Prozentpunkte) angehoben. Das ist der stärkste Aufwärtsschritt seit 22 Jahren. Jetzt hat die EZB nachgezogen.

Kreditnehmer und Baufinanzierungen

Jetzt im Juni 2022 laufen die Zinssätze gerade etwas auseinander: Während Sparer nach wie vor keine Zinsen für ihr Geld erhalten oder sogar zum Teil noch Negativzinsen zahlen sollen, müssen Kreditnehmer zunehmend tiefer in die Tasche greifen. Die Bauzinsen etwa sind vom Januar 2022 bis Mai im Durchschnitt um fast zwei Prozentpunkte gestiegen. Für eine Baufinanzierung, bei der die Bank noch im Januar einen Zins von 1,0 Prozent angeboten hat, verlangt sie jetzt einen Zins von etwa 2,9 bis 3,0 Prozent.

Zinserwartung, Negativzinsen, Guthabenzinsen, Anleihen

Die Anleihemärkte, bei denen es um die Zinserwartung für die nächsten 10 Jahre und mehr geht, haben die angekündigte Zinserhöhung der EZB bereits vorweggenommen. Guthabenzinsen sind dagegen noch weitgehend unverändert. Im besten Fall erhält man einige wenige Zehntelprozentpunkte an Sparzinsen pro Jahr. Und, wie bereits erwähnt, erheben viele Banken sogar immer noch Negativzinsen auf Guthaben. Bevor die Zinsen bei diesen Instituten steigen, dürften also erst einmal die "Verwahrentgelte" entfallen. Erst dann lägen die Zinssätze auf Girokonten, Tages- und Verrechnungskonten bei diesen Instituten wieder bei Null.

Als Sparer sollten Sie deshalb auf Aktionsangebote einzelner Banken achten. Grundsätzlich gilt: Mit einer ersten Zinserhöhung ist frühestens im Juli 2022 zu rechnen. Für Verbraucher ist die Zinsentwicklung einerseits eine wichtige Grundlage für wirtschaftliche Entscheidungen, andererseits sind einzelne Zinsentscheidungen der EZB selbst für Experten zur Zeit kaum vorhersehbar. Ausgehend von den geldpolitischen Zielen der EZB und der angekündigten Strategie dürften die Zinsen absehbar auf dem bisherigen Niveau bleiben. Ob die Zinsen jemals wieder auf das Vorkrisen-Niveau von vier bis fünf Prozent zurückkehren, lässt sich daher nicht vorhersagen. Damit ist auch nicht sicher, ob ein Bausparvertrag ein lohnendes Geschäft ist.

Für die Baufinanzierung gilt: Aktuell sind die Hypothekenzinsen so niedrig, dass selbst eine Zinsbindung von 15 Jahren kaum Risiken birgt. Denn im Zweifel dürfen Sie als Darlehensnehmer den Baukredit schon nach zehn Jahren Zinsbindung wieder kündigen und mit den dann aktuellen Hypothekenzinsen umschulden.

Weitere Informationen

• Informationen der Tagesschau zur Geldanlage
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/geldanlage-erspartes-zinsen-101.html

• SWR aktuell zur Entwicklung der Bauzinsen
https://www.swr.de/swraktuell/bauzinsen-steigen-100.html

• Hinweise zum Bausparen
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/lohnt-sich-bausparen-noch-100.html

• Informationen des DLF zur Baufinanzierung
https://www.deutschlandfunk.de/bauzinsen-inflation-zentralbank-leitzins-eigenheim-haus-100.html

Stand: 08.06.2022 08:13 Uhr