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Service: Altersvorsorge für Selbstständige

mit Katharina Henrich, Redakteurin Stiftung Warentest

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Service: Altersvorsorge für Selbstständige  | Video verfügbar bis 17.09.2021 | Bild: WDR

Wer selbstständig arbeitet, muss sich in der Regel alleine um seine Altersvorsorge kümmern, ob Malermeister mit großem Betrieb oder selbstständige Softwareentwicklerin. Auch Hebammen, Yogalehrer und Fitnesstrainer gehören dazu, wenn sie nicht fest angestellt sind. Eine Option für viele: die freiwillige Vorsorge über die gesetzliche Rente. Für einige – kraft Gesetz pflichtversicherte Selbstständige ist die freiwillige Vorsorge über die gesetzliche Rente sogar ein Muss.

Die Rendite kann sich sehen lassen

Es gibt einiges, was die Vorsorge über die gesetzliche Rente auch für Selbstständige interessant macht. So muss sie sich in puncto Rendite bisher nicht verstecken; zumindest, wenn man sie mit den durch die Niedrigzinsphase stark gebeutelten ungeförderten Garantierenten der privaten Versicherer vergleicht. Steuererleichterungen machen sie zusätzlich attraktiv.
Auch der staatlich geförderten klassischen Rürup-Rente ist sie nicht zwangsläufig unterlegen. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Ein wichtiger Punkt für Selbstständige ist oft, im Notfall an ihr Geld kommen zu können. Das geht bei Einzahlungen in das gesetzliche System nicht.

Steuervorteile nutzen

Rentenbeiträge: Steuervorteile nutzen

Alleinstehende Selbstständige, die freiwillig den Höchstbeitrag im Jahr an die Rentenkasse überweisen, erhöhen ihre Rentenansprüche nach derzeitigen Werten um fast 70 Euro im Monat. Oft können sie einen großen Teil der Beiträge über die Steuer wieder zurückbekommen. Das kann, je nach Jahresgewinn und Einzahlhöhe, zu einer Steuerersparnis von mehreren Tausend Euro im Jahr führen.

(Quelle: Stiftung Warentest)

Im Alter fallen Steuern und Sozialbeiträge an

Allerdings gehen von der gesetzlichen Rente bei gesetzlich Kranken- und Pflegeversicherten später Beiträge von derzeit rund elf Prozent ab, bei Privatrenten meist nicht. Auch zahlen Rentner auf eine ungeförderte, private Rente meist weniger Steuern. Trotzdem schneidet das gesetzliche System im Vergleich derzeit meist deutlich besser ab.

Pflichtversicherte müssen sich aktiv kümmern

Selbstständige, die automatisch kraft Gesetz versicherungspflichtig sind, müssen sich kümmern und sich beim Rentenversicherungsträger melden. Tun sie es nicht, kann das später ins Geld gehen. Das Problem: Nicht alle wissen, zu welchen Rentenspezies sie als Selbstständige gehören. Die Abgrenzungen etwa zwischen einem versicherungsfreien Berater oder einem versicherungspflichtigen Trainer sind nicht immer eindeutig. Hält die Bundesregierung an ihren Plänen fest, könnte dieses Problem aber bald der Vergangenheit angehören.

Versicherungspflicht für alle

Im Koalitionsvertrag von 2018 haben sich CDU, CSU und SPD darauf geeinigt, eine Altersvorsorge für alle Selbstständigen verpflichtend zu machen. Die soll in der Regel zu einer Rente oberhalb des staatlichen Grundsicherungsniveaus führen. Der Grund: Nicht bei allen Selbstständigen läuft die Altersvorsorge rund. Eine OECD-Studie aus dem Jahr 2019 kommt zu dem Schluss, dass das aktuelle Rentenniveau bei ihnen deutlich niedriger ist als bei Angestellten. Bei Soloselbstständigen sei die Rentenabdeckung seit Mitte der 2000er Jahre sogar gesunken.

Neues Gesetz soll Altersvorsorge regeln

Wann das Gesetz kommt, ist noch offen. Angedacht ist, die gesetzliche Rentenversicherung als Standardvariante für alle Selbstständigen vorzusehen. Solche, die eine vergleichbare andere insolvenzsichere Vorsorge nachweisen, sollen aus dem gesetzlichen System aussteigen können. Unklar ist auch, ob die neue Vorsorgepflicht für alle gilt, oder nur für jene, die ihre Selbstständigkeit nach Inkrafttreten des Gesetzes aufnehmen.

Nicht auf die neue Altersvorsorgepflicht warten

Die Altersvorsorge aufzuschieben, bis das Gesetz kommt, ist keine gute Idee. Gerade, wenn das Geld knapp ist, ist es wichtig, so früh wie möglich zu beginnen. Je länger der Zeitraum, desto mehr kann man auch mit kleineren Beträgen erreichen.

Tipps

  • Prüfen Sie, ob Sie als Selbstständiger in der Rentenversicherung pflichtversichert sind und Beiträge zahlen müssen. Bei Berufen wie Trainer, Berater, Dozent gibt es Grenzfälle.
  • Haben Sie vergessen, Beiträge zu zahlen, oder sind Sie unsicher, ob Sie das tun müssen, lassen Sie sich beraten (s.u.).
  • Wenn Sie eine Basisabsicherung fürs Alter brauchen, ist die Rentenversicherung eine gute Option.
  • In den ersten fünf Jahren Ihrer Selbstständigkeit können Sie einen Antrag auf Pflichtversicherung stellen. So erhalten Sie auch Schutz bei Erwerbsminderung und können von der neuen Grundrente profitieren. Flexibler sind Sie mit einer freiwilligen Versicherung.
  • Rentenbeiträge können Sie steuerlich absetzen. Tragen Sie sie in der Anlage Vorsorgeaufwand Ihrer Steuererklärung in Zeile 6 ein.
  • Die Rentenbeiträge werden zum drittletzten Bankarbeitstag des Monats abgebucht. Freiwillig Versicherte können bis Ende März des Folgejahres zahlen.

Weitere Informationen

• Beratung und Hilfe: Die Rentenkasse berät kostenlos (https://www.deutsche-rentenversicherung.de).

Bei Streit mit der Rentenkasse helfen die Sozialverbände VdK (https://www.vdk.de/deutschland/) und SoVD (https://www.sovd.de) gegen Mitgliedsbeitrag. Auch freie Rentenberater und Fachanwälte beraten dazu gegen Honorar.

• Weitere, ausführliche Informationen zum Thema finden Sie im Heft Finanztest 9/2020 (Artikel Rente für Selbstständige, S. 56 ff.).

Stand: 17.09.2020 06:39 Uhr

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