SENDETERMIN Di, 16.10.18 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Besser einkaufen

mit Katarina Schickling, Lebensmittelexpertin

Service: Besser einkaufen | Video verfügbar bis 16.10.2019 | Bild: WDR

Vielen Menschen ist nicht egal, wo ihre Lebensmittel herkommen. Sie möchten wissen, unter welchen Bedingungen unsere Hauptnahrungsmittel Milch, Eier, Fleisch, Brot, Obst, Gemüse und Kaffee wirklich produziert und gehandelt werden und wie wir mit unserem Kaufverhalten Fehlentwicklungen maßgeblich beeinflussen. Denn fast nirgend wo anders wird so wenig Geld für Essen und Nahrung ausgegeben wie in Deutschland.

Die Macht der Lebensmitteldiscounter

Vier etwa gleich starke Konzerne (Aldi, Lidl, REWE und Edeka) beherrschen den deutschen Lebensmittelmarkt und üben einen extremen Preisdruck auf die Hersteller und Erzeuger aus. Für uns Kunden ist das nur auf den ersten Blick gut: Denn wir bezahlen die Kosten für die billige Ware mit Kosten an anderer Stelle - Subventionen, Abwasserkosten, CO2-Bilanz - und mit schlechterer Qualität unserer Lebensmittel als anderswo.

Pestizid- und Antibiotikarückstände

Pestizidrückstände sind bei konventionell angebautem Obst und Gemüse ein Problem. Das Bundesamt für Verbraucherschutz veröffentlicht regelmäßig Aufstellungen, bei welchen Sorten die meisten Beanstandungen auftreten: Frische Kräuter stehen ganz oben auf der Liste. Außerdem Johannisbeeren, Mandarinen, Mangos, Tafeltrauben, Auberginen, Bohnen (mit Hülsen), Feldsalat, Knollensellerie, Kulturpilze, Paprika, Rettich, Radieschen und Spinat. Bei Stichproben der Lebensmittelkontrolleure findet sich auch immer wieder mit Antibiotikarückständen belastetes Fleisch aus konventioneller Produktion.

Lebensmittelkennzeichnung

Viele Kennzeichnungsvorschriften für Lebensmittel, gerade bei Herkunft, aber auch bei Zutaten und Zusatzstoffen, sorgen eher für Verwirrung als für Klarheit. Anderswo in der EU gibt es deutlich strengere Vorschriften, etwa bei Milch in Frankreich. Viele Begriffe sind in Deutschland auch nicht geschützt - "regional" etwa, oder "Weidemilch". Unterschiedliche Gütesiegel mit völlig verschieden Kriterien machen den Durchblick selbst für engagierte Kunden fast unmöglich. Tierschutzlabel halten oft nicht das, was sie versprechen. Handelsbezeichnungen führen den Verbraucher manchmal sogar gezielt in die Irre. Zum Beispiel die Kalbfleischleberwurst, die komplett ohne Kalbsleber auskommt, oder die italienischen Tomaten, die in China am Strauch gewachsen sind und in Italien nur in Dosen abgefüllt werden.

Woran erkenne ich Lebensmittel, die ich mit gutem Gewissen kaufen kann?

Kaufen Sie dort wo möglichst wenige Stationen zwischen Erzeuger und Händler liegen. Nicht nur in Bio-Läden hängen oft Informationen über die Herkunft der Produkte. Also Eier aus Betrieben, die detailliert über ihre Haltungsbedingungen Auskunft geben. Wenn Ihnen faire Bedingungen bei der Milchproduktion wichtig sind, greifen Sie zu Produkten, die das konkret versprechen und dazu auf der Packung möglichst genaue Angaben machen. Hofmolkereien, die nur die eigene Milch verarbeiten, haben zwar meist eine kleinere Produktpalette; dafür aber können Sie besser überprüfen, ob es Kuh und Bauer gut geht. Wer bei Fleisch auf Schnäppchenjagd geht, nimmt in Kauf, dass der Lieferant des Essens gelitten hat! Ein guter Metzger kann Ihnen sagen, von welchem Hof sein Fleisch stammt. Bio ist zwar teurer - allerdings übernimmt für mich als Kunden ein Verband die Kontrolle, ob Erzeuger wirklich sauber und tiergerecht arbeiten. Wer saisonal einkauft und den Fleischanteil in seiner Ernährung etwas reduziert, kann selbst mit einem Hartz-IV-Budget zu Bio-Lebensmitteln greifen. Das hat der Lebensmittelcheck mit Tim Mälzer letztes Jahr mit Erfolg getestet. Greifen Sie möglichst zu Gemüse aus der Region. Weil Transport und Lagerung wegfallen, kann reifer geerntet werden. Damit ist nicht nur die Ökobilanz besser, sondern auch das Aroma. Je saisonaler Sie einkaufen, umso mehr haben Sie vom Geschmack. Pestizide können Sie nur sicher umgehen, indem Sie zu Bio-Gemüse greifen, das ist bis auf ganz wenige Ausnahmen unbelastet.

Weitere Informationen

Katarina Schickling: Besser einkaufen - Der Lebensmittel-Ratgeber für kritische Verbraucher
Herder Verlag

Tierschutz-Kennzeichnung
www.bzfe.de/inhalt/tierschutz-kennzeichnung

Saisonkalender für Obst und Gemüse:
www.bzfe.de/_data/files/3488_2017_saisonkalender_posterseite_online.pdf

Lebensmittel - Kennzeichnung und Inhaltsstoffe
www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/zahlen-zeichen-codes-und-siegel

Stand: 16.10.2018 08:06 Uhr

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