SENDETERMIN Mo., 14.03.22 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Energiesparen in Krisenzeiten

mit Thomas Zwingmann, Energieberatung Verbraucherzentrale NRW

PlayEnergierexperte Thomas Zwingmann zeigt, wo man im Bad sparen kann.
Service: Energiesparen in Krisenzeiten | Video verfügbar bis 14.03.2023 | Bild: WDR

Durch den Krieg in der Ukraine steigen die Preise für Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas immer weiter. Und auch Strom wird teurer. Durch mehr Stromeffizienz, spritbewusstes Autofahren und richtiges Heizen und Lüften können Sie Energie und damit bares Geld sparen.

Kraftstoff sparen

Die einfachste Art Kraftstoff zu sparen, ist es, weniger zu fahren. Öfter das Fahrrad benutzen oder die öffentlichen Verkehrsmittel. Auch durch die richtige Fahrweise lassen sich ganz einfach bis zu 20 Prozent Kraftstoff sparen.
Möglichst frühzeitig hochschalten und immer im höchstmöglichen Gang fahren. Kraftvoll beschleunigen, dann ohne Gas zu geben rollen lassen. Vorausschauend fahren, rechtzeitig vom Gas gehen, um unnötiges Bremsen zu vermeiden. Den Reifendruck auf den Wert erhöhen, den der Hersteller für volle Beladung oder hohe Geschwindigkeiten empfiehlt. Kofferraum entrümpeln, Dachträger nach Gebrauch sofort entfernen. Das Auto regelmäßig zur Inspektion bringen und den Luftdruck kontrollieren. Zu wenig Luft in den Reifen erhöht den Verbrauch.

Tipp: Ein kalter Motor verbraucht am meisten Sprit. Steigen Sie bei Kurzstrecken daher besser aufs Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel um, oder kombinieren Sie mehrere Einzelfahrten zu einer längeren Fahrt und nutzen Sie Fahrgemeinschaften.

Richtig heizen und lüften

Die Heizung herunterzudrehen, ist die einfachste Art, zu sparen. Jedes Grad weniger senkt die Heizkosten um sechs Prozent. Die optimale Raumtemperatur liegt in Wohnräumen bei 20 bis 21 °C, in der Küche bei 18 und im Schlafzimmer bei 16 bis 18 °C. In der Nacht sollte die Temperatur um vier Grad abgesenkt werden. Tiefer allerdings nicht.
Digitale Heizungsventile können bis zu 15 Prozent Heizkosten sparen. Sie werden einfach anstelle der alten Ventile aufgeschraubt und können teilweise auch mit dem Smartphone gesteuert werden. 
Auch richtiges Lüften spart Heizkosten: Kurzes und kräftiges Stoßlüften mit weit geöffnetem Fenster- oder Türflügel, am besten querlüften durch die ganze Wohnung. Dabei die Heizkörperventile schließen! Das Fenster nicht zum Lüften kippen, weil das zur Schimmelbildung führen kann!

Tipp: Beim Verlassen von Haus oder Wohnung Heizkörper ein paar Grad herunter drehen, aber NICHT ganz ausmachen. Die Wände kühlen sonst zu sehr ab. Und es muss langwierig nachgeheizt werden. Türen zu unbeheizten Räumen geschlossen halten. Keine warme Luft aus beheizten in unbeheizte Räume leiten. Die relative Luftfeuchtigkeit an der kalten Wandoberfläche steigt an und es können sich Feuchtigkeitsschäden und Schimmel bilden. Diese Gefahr droht besonders in unbeheizten Räumen, oft den Schlafräumen!

Wasserverbrauch senken

Das Aufheizen von Wasser für Küche und Bad erfordert viel Energie: Wird das Wasser durch die Heizung erwärmt, können die Kosten für Warmwasser bis zu 15 Prozent des gesamten Heizenergieverbrauchs ausmachen. Wird das Wasser elektrisch erhitzt, macht das im Durchschnitt sogar mehr als ein Viertel des gesamten Stromverbrauchs aus. Wer seinen Warmwasserverbrauch senkt, reduziert sowohl den Wasser- als auch den Energieverbrauch.

Duschen statt baden, spart etwa zwei Drittel Wasser und Energie. Allerdings nur, wenn die Dusche nicht länger als zehn Minuten dauert. Beim Einseifen und Shampoonieren das Wasser nicht durchlaufen zu lassen, reduziert den Wasser- und Energieverbrauch um die Hälfte. Moderne Sparduschköpfe verbrauchen bis zu 60 Prozent weniger Wasser.

Tipp: Der Verbrauch für die Toilettenspülung kann mit modernen Spülkästen halbiert werden. Die Stopptasten sind auch als Nachrüstsatz für fünf bis zehn Euro erhältlich. Durchflussmengenregler reduzieren den Wasserverbrauch an Dusch- und Waschbeckenarmaturen. Sie können für fünf bis acht Euro nachgerüstet werden.

Strom sparen

Das Einzige, das wir über unseren Stromverbrauch vom Energieversorger erfahren, ist, wie viele Kilowattstunden wir im abgelaufenen Abrechnungszeitraum verbraucht haben. Wie sich der Gesamtverbrauch auf die einzelnen Bereiche wie beispielsweise TV/Audio, Kühlen oder Beleuchtung verteilt, bleibt in der Regel offen.
Die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online bietet die Möglichkeit, alle wichtigen Bereiche zu analysieren. Ein Online-Rechner berücksichtigt nicht nur die Geräteausstattung, sondern auf Wunsch auch die individuellen Nutzungsgewohnheiten. Wer seine letzte Stromrechnung zur Hand nimmt, sieht sofort, wo welche Sparpotenziale schlummern. So kann gezielt optimiert werden.

Tipp: Schaffen Sie sich ein Energiemessgerät an. Damit können Sie den Verbrauch der angeschlossenen Geräte selbst messen. Diese Geräte gibt es schon ab zehn Euro.

Sparsam kochen und backen

Ein Elektroherd verursacht durchschnittlich zehn Prozent der Stromkosten im Haushalt. Langkochende Gerichte in einem Schnellkochtopf zuzubereiten, spart die Hälfte der Zeit und 30 Prozent Strom.
Auch die richtige Topfgröße spart Energie, denn jeder Zentimeter, den der Topf kleiner als die Herdplatte ist, führt zu 20 bis 30 Prozent Mehrverbrauch. Ein gekippter Topfdeckel verbraucht die doppelte Energiemenge, gar kein Deckel sogar die dreifache.

Tipp: Backöfen mit Selbstreinigungsfunktion (Pyrolyse) können mehr als sechs Kilowattstunden Strom verbrauchen. Einmal reinigen frisst so viel Energie, wie eine 10-Watt-LED-Lampe 25 Tage lang brennen zu lassen. Besser also, den Backofen selbst reinigen.

Unterhaltungselektronik

Fernseher, PC & Co. machen heute bis zu 25 Prozent der Stromkosten im Haushalt aus. Das sind in einem Single-Haushalt durchschnittlich 150 Euro und in einem Vier-Personen-Haushalt über 300 Euro pro Jahr. Das Einsparpotenzial durch energieeffiziente Geräte liegt bei bis zu 75 Prozent.

Rund 60 Euro pro Jahr lassen sich bei älteren Geräten allein durch die Vermeidung von Stand-by-Verlusten einsparen, denn viele Geräte haben keinen „echten“ Ausschalter und verbrauchen auch dann Strom, wenn sie vermeintlich ausgeschaltet sind. Hier hilft eine abschaltbare Steckdosenleiste.

Tipp: Computer bei Arbeitspausen von mehr als 30 Minuten vollständig ausschalten. Ein Laptop anstelle eines Desktop PCs mit Monitor verbraucht deutlich weniger Strom.

Stromfresser Internet

Das Internet wird durch riesige Rechenzentren betrieben. Durch die steigende Anzahl von Streaming-Diensten steigt die Zahl der Rechenzentren, die in großen Mengen Strom benötigen. Wer viel Video streamt, trägt zu einem höheren Stromverbrauch bei. Eine Stunde Video-Streaming in Full-HD-Auflösung benötigt 220 bis 370 Wattstunden Strom, abhängig vom jeweiligen Endgerät.

Tipp: Bei YouTube die Autoplay-Funktion ausschalten, damit das Programm nicht automatisch das nächste Video startet, wenn es nicht gewollt ist. Die Auflösung von 4K herunterzusetzen, spart Energie und schont die Umwelt.

Strom selbst erzeugen

Mit einer Photovoltaik-Anlage kann etwa ein Viertel des eigenen Strombedarfs gedeckt werden. Auch Mieter*innen können vom günstigen Solarstrom ohne große Investitionen profitieren. Energieversorgungsunternehmen errichten dazu auf Wohngebäuden Photovoltaik-Anlagen und liefern den Strom Mietern im Haus (Mieterstrom). Für diesen Strom fallen keine Netzentgelte und weniger Steuern und Umlagen an. Mieterstrom kann hierdurch günstiger sein als der Strom aus dem Netz.

Darüber hinaus gibt es sogenannte steckbare Solar-Geräte, die selbst in Betrieb genommen werden können. Die sogenannten Balkonkraftwerke werden einfach an die Steckdose angeschlossen. Der Stromzähler läuft dann langsamer. Solche Mini- oder Plug-in-Solar-Anlagen mit einer Gesamtleistung von bis zu 600 Watt gibt es - je nach Ausführung - bereits ab 300 Euro. Sie sind mobil, werden auf dem Balkon oder der Terrasse zur Sonne ausgerichtet und helfen, die Stromkosten zu senken.

Tipp: Fragen Sie Ihren Energieversorger nach der Möglichkeit Mieterstrom zu beziehen. Für den Betrieb eines Stecker-Solargerätes braucht es unter bestimmten Bedingungen die Zustimmung des Vermieters. Der Betrieb muss beim Netzbetreiber sowie der Bundesnetzagentur angemeldet werden.

Weitere Informationen

• Verbraucherzentrale: Hohe Energiepreise - Tipps und Hilfe
https://www.verbraucherzentrale.nrw/energiepreise

• Verbraucherzentrale: Strom sparen? Da geht noch was!
https://www.verbraucherzentrale.nrw/strom-sparen-da-geht-noch-was-67954

• Duschkostenrechner zur Ermittlung der individuellen Kosten
https://www.energie2020plus.nrw/duschrechner

• Energiesparkonto: Stromverbrauch individuell berechnen
https://www.energiesparkonto.de/index.php?cmd=esk.landingPage&action=default&portal_id=co2online.de

• Energiesparen Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik
https://www.ecotopten.de

• Heizspiegel - Online Heizkostenrechner
https://www.heizspiegel.de

• Stromspiegel - Stromverbrauch prüfen und Geld sparen
https://www.stromspiegel.de

• Verbraucherzentrale: Solarstrom vom Balkon direkt in die Steckdose
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/steckersolar-solarstrom-vom-balkon-direkt-in-die-steckdose-8189

• Mieterstrom
https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Artikel/Energie/mieterstrom.html

Stand: 14.03.2022 09:15 Uhr

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