SENDETERMIN Mo, 17.09.18 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Ernährungsmythen

mit Margareta Büning-Fesel, Ernährungswissenschaftlerin

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Service: Ernährungsmythen | Video verfügbar bis 17.09.2019 | Bild: ARD

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass zahlreiche überlieferte Empfehlungen heute nicht mehr gültig sind. Die meisten traditionellen Haushaltsregeln stammen aus Zeiten, in denen unzureichende Hygienebedingungen bei der Lebensmittelproduktion, Lagerung und Verarbeitung herrschten und viele Zusammenhänge noch gar nicht bekannt waren. Teilweise entstanden Ernährungsmythen auch durch fehlerhafte Veröffentlichungen oder missverständliche Formulierungen.

Abends essen macht dick

Es kommt darauf an, wie viel zum Abendessen auf den Tisch kommt. Denn letztendlich gibt es keinen Beweis dafür, zu welcher Tageszeit Kalorien fürs Gewicht schädlicher sind – es zählt die Gesamtmenge, die über den Tag verteilt zu sich genommen wird. Das King’s College in London hat eine Studie mit 1.620 Kindern im Alter von 4 bis 18 Jahren durchgeführt. Dabei wurde festgestellt: Kinder und Jugendliche, die noch spät am Abend essen, haben kein erhöhtes Risiko für Übergewicht. Vielen Menschen fällt es aber leichter, abends auf Essen zu verzichten, um ihr Gewicht zu reduzieren. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen, die regelmäßig frühstücken, eine höhere Chance haben, Gewicht zu verlieren.

Light-Produkte machen schlank

Das stimmt nicht, denn in Light-Produkten wird Zucker oft durch Zuckerersatzstoffe ausgetauscht. Diese Ersatzstoffe können mehr Appetit machen oder direkt auf unsere Darmbakterien wirken. Light-Produkte können also indirekt dazu beitragen, dass wir mehr Appetit haben, damit mehr essen und nicht abnehmen können – auch wenn es der Name anders verspricht.

Energy Drinks steigern die Leistung

Zwar suggeriert die Werbung immer wieder eine leistungssteigernde Wirkung einzelner Inhaltsstoffe von Energy Drinks – das stimmt jedoch nicht. Ausnahme bildet das Koffein. Da eine Dose in etwa die Menge einer Tasse starken Kaffees enthält, müsste man mindestens fünf davon trinken, um überhaupt eine Wirkung zu merken. Bei der dadurch aufgenommenen Koffeinmenge würden aber Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Nervosität und Schlaflosigkeit auftreten. Auch andere Inhaltsstoffe wie Taurin verleihen keine Flügel, dafür sind die meisten Energy Drinks vollgepackt mit Kalorien.

Zu viel trinken ist schädlich

Bei normalen Trinkgewohnheiten braucht niemand gesundheitliche Schäden durch eine zu hohe Flüssigkeitsaufnahme zu befürchten. Die Niere kann fast einen Liter pro Stunde ausscheiden, wenn nötig. Bei einigen schweren Krankheiten kann es zwar theoretisch zu einer "Wasservergiftung" kommen, dafür müsste aber ein Erwachsener schon sechs Liter Wasser hintereinander wegtrinken. Bei Kleinkindern und Säuglingen sind die Nieren aber noch unterentwickelt. Sie können größere Mengen Wasser nicht schnell genug verarbeiten und ausscheiden. Daher sollten Säuglinge unter sechs Monaten gar kein Wasser trinken.

Kaffee entwässert den Körper

Die über den Kaffee zugeführte Flüssigkeitsmenge ist der Flüssigkeitszufuhr insgesamt pro Tag hinzuzurechnen. Das Getränk Kaffee liefert einen wichtigen Beitrag zur täglichen Gesamt-Wasserzufuhr. In der Flüssigkeitsbilanz kann Kaffee in aller Regel so wie jedes andere Getränk behandelt werden.

Frisches Gemüse ist besser als tiefgekühltes Gemüse

Frisches Gemüse ist tatsächlich relativ vitaminreich. Wenn Rosenkohl, Spinat oder Karotten schon mehrere Tage im Supermarktregal oder zu Hause in der Küche lagern, ist der Vitamingehalt jedoch bereits deutlich abgefallen. Tiefkühlgemüse dagegen wird meist kurz nach der Ernte schockgefrostet und in licht- und luftdichte Verpackungen gesteckt. Die Vitamine werden auf diese Weise geschont und bleiben bei richtiger Lagerung  länger erhalten.

Spinat enthält viel Eisen

Der wohl bekannteste Ernährungsirrtum ist der hohe Eisengehalt im Spinat. Er geht zurück auf einen schlichten Abschreibfehler. Ende des 19. Jahrhunderts untersuchte der Schweizer Physiologe Gustav von Bunge den Eisengehalt in getrocknetem Spinat. Sein Ergebnis von 35 Milligramm Eisengehalt, bezog sich auf 100 Gramm Spinatpulver, das aus einem Kilogramm frischen Spinat gewonnen worden war. Dies wurde beim Abschreiben nicht beachtet, und deshalb das Komma an die falsche Stelle gesetzt. Statt 35 Milligramm liegt der Eisengehalt von Spinat tatsächlich bei lediglich 3,5 Milligramm pro 100 Gramm Blattspinat und ist damit nicht viel höher als bei anderem Gemüse.

Weitere Informationen:

• Das Bundeszentrum für Ernährung führt durch den Dschungel von Mythen und Halbwahrheiten im Bereich Ernährung:

www.bzfe.de/inhalt/fragen-mythen-fakten-1492.html

• Die Verbraucherlotsen geben kompetenten Rat zu allgemeinen Alltagsfragen rund um das Thema Ernährung (keine individuelle Ernährungsberatung!)

Telefon: 02 28 / 24 25 26 27

Von Montag bis Donnerstag: 9 Uhr bis 17 Uhr

E-Mail: info@verbraucherlotse.de

www.bmel.de/DE/Ministerium/Verbraucherlotse/verbraucherlotse_node.html

Stand: 17.09.2018 12:11 Uhr

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