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Service: Gesundheitstipps von Dr. Internet

mit Prof. Dr. Alexander Gerlach, Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie Uni Köln

PlayDr. Google ist kein guter Ratgeber
Service: Gesundheitstipps von Dr. Internet  | Video verfügbar bis 13.04.2023 | Bild: dpa

Schmerzen in Bauch, Kopf oder Bein? – Das sind Symptome bei denen viele im Internet nach den Ursachen der Beschwerden suchen, um herauszufinden, um welche Krankheit es sich handelt. Aber die Webseiten sind kein Ersatz für den Gang zum Arzt.

Ganz im Gegenteil, wenn man keinen Arzt aufsucht, kann das im schlimmsten Fall sehr schädlich für den Krankheitsverlauf sein. Liegt eine offizielle Diagnose vor, kann man auf den Internetseiten nützliche Informationen finden.

63,5 Prozent der Internetnutzer in Deutschland verlassen sich bei der Bestimmung von Krankheitssymptomen auf's Internet

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie mit 2411 Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Und auch wenn es um die Behandlung von Krankheiten oder Verletzungen geht, wenden sich viele Menschen an die Suchmaschinen. 75 Prozent der Menschen in Europa halten das Internet für eine gute Quelle für Gesundheitsinformationen.

(Quelle: https://www.jmir.org/2019/6/e10980/#ref1)

Falsche Diagnosen durch "unseriöse" Seiten

Bei Suchbegriffen wie "Kopfschmerzen" oder "Husten" können Nutzer auch schnell bei beängstigenden Suchtreffern und Diagnosen wie beispielsweise Krebs landen. Solche Infos finden sich häufig auf unseriösen und interessengetriebenen Seiten.

Deshalb ist es wichtig, vor der Recherche einen Blick ins Impressum der Websites zu werfen: Dort kann man schnell erkennen, ob die Informationen von einem unabhängigen Anbieter stammen – wie zum Beispiel von einem wissenschaftlichen Institut, einem Krankenhaus oder einer Universität – oder ob es sich um einen kommerziellen Anbieter handelt.

Viele Pharmaunternehmen bieten medizinische Beratung, um Medikamente zu verkaufen. Auch ein Austausch in speziellen Foren kann nur einen Überblick über die Situation oder den Krankheitsverlauf bieten. Da Krankheitsverläufe aber individuell sind, ist es nicht sinnvoll, vom Schicksal anderer auf das eigene zu schließen.

Unabhängige Gesundheitsinformationen im Internet


  • Informationsportal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), mit Informationen zu den häufigsten Krankheiten, Diagnosen und Gesundheitsfragen: https://www.gesundheitsinformation.de/


  • Nationales Gesundheitsportal: Eine Internetplattform des Bundesministeriums für Gesundheit, seit September 2019 online als Anlaufstelle für verlässliche Informationen zu Krankheiten, Behandlungen und zum Gesundheitssystem: https://gesund.bund.de/

Arztbesuch statt Internetrecherche

Eine Internetsuche kann den Arzt oder Psychotherapeutenbesuch nicht ersetzen. Jedes Symptom, das hartnäckig ist und nicht nach einem oder zwei Tagen vorbei geht, sollte man abklären lassen.
Zwar kann sich jeder mit Hilfe des Internets umfassend informieren, und damit auch ein Verständnis für den Körper entwickeln. Wer jedoch selbst anfängt, sich zu behandeln, ohne ärztlichen Rat einzuholen, muss damit rechnen, dass es zu Komplikationen kommt.

Aber eine kritische Recherche oder die Lektüre evidenzbasierter Studien namhafter Institute kann dazu führen, Ärztinnen und Ärzte sowie die Wissenschaft besser zu verstehen. Ebenso ermächtigt das Erkrankte, richtige Fragen zu stellen.

Achtung "Cyberchonder"-Effekt

Manche Menschen versteifen sich bei Vorliegen von Krankheitssymptomen auf scheinbar schlüssig klingende Erklärungen, die sie im Internet gefunden haben und googeln deren Behandlung dann nur noch auf Basis ihrer verfrüht getroffenen "Diagnose".

Cyberchondrie-Betroffene haben zudem das Problem, dass sich ihre Ängste durch die Suche verschlimmern, weil sie im Internet immer mehr Belege für ihre falsche Überzeugung finden. So können Menschen mit einer pathologischen Krankheitsangst körperliche Missempfindungen, wie zum Beispiel einen aufgeblähten Bauch, nicht als Blähung erleben, sondern neigen dazu, ihre Symptome als Zeichen einer ernst zu nehmenden Erkrankung, etwa Krebs, zu interpretieren.

Weitere Informationen

• Quarks, WDR Fernsehen
https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/wann-es-problematisch-ist-krankheitssymptome-im-internet-zu-suchen/

• Jumpradio, MDR
https://www.jumpradio.de/thema/bessere-medizinische-diagnosen-aus-dem-internet-100.html

• Nachrichten, BR
https://www.br.de/nachrichten/wissen/dr-google-liegt-bei-krankheiten-fast-immer-daneben,RzLHgfl

• Hier und Heute, WDR Fernsehen
https://www1.wdr.de/fernsehen/hier-und-heute/google-116.html

• Studie der Edward Cohen University
https://www.ecu.edu.au/newsroom/articles/research/new-ecu-research-finds-dr-google-is-almost-always-wrong

• Geo Wissen
https://www.geo.de/wissen/gesundheit/18322-rtkl-online-medizinratgeber-wann-es-sinnvoll-ist-symptome-zu-googeln-und

• Studie der Bertelsmann Stiftung
https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/VV_SpotGes_Gesundheitsinfos_final.pdf

Stand: 13.04.2022 07:44 Uhr