SENDETERMIN Do., 15.10.20 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Hundeerziehung

mit Charlott Arzberger, Hundetrainerin

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Service: Hundeerziehung | Video verfügbar bis 15.10.2021 | Bild: WDR

In der Corona-Krise haben sich laut Deutschem Tierschutzbund besonders viele Leute Haustiere, vor allem Hunde, zugelegt. Wer jetzt einen bestimmten Hund kaufen will, kann es daher passieren, genau den jetzt nicht zu bekommen. Und wer einen bekommt, aber keine Erfahrung mit Vierbeinern hat, kriegt meistens auch ein paar Probleme.

Ein Hund vom Züchter oder aus dem Tierheim?

Sollte Ihr neuer Hund vom Züchter kommen, sollten Sie sich vorher eingehend über die Rasse informieren, z.B. im Hinblick auf Merkmale oder Erbkrankheiten. Lassen Sie sich vor Ort vom Züchter beide Elterntiere zeigen und besichtigen Sie – wenn möglich – die Zuchtstätte. Ein guter Züchter zeigt Ihnen Gesundheitszeugnisse und legt Wert auf gute Sozialisierung der Welpen.

Möchten Sie einem Hund aus dem Tierheim ein neues Zuhause geben, sollten Sie vorher so viel wie möglich über Charakter und Vorgeschichte erfahren. So können Sie das Risiko unerwünschter "Überraschungen" mit dem neuen Tier verkleinern.

Welcher Hund passt zu mir und meinem Leben?

Achten Sie bei der Auswahl des Hundes darauf, dass er zu Ihnen und Ihrem Lebensstil passt. Setzen Sie sich dazu vorher mit Rasse und Eigenschaften auseinander.

So genannte "Spezialisten", also Rassen, die über Jahrhunderte auf eine bestimmte Funktion hin gezüchtet wurden (z.B. hochspezialisierte Jagd- oder Hütehunde), können beispielsweise Schwierigkeiten haben, sich an einen schnelllebigen Alltag anzupassen.
Hütehunde werden z.B. schneller von Bewegungsreizen oder Stimmungen getriggert als so genannte "Begleithunde".

Wie kann ich meinen Hund verstehen?

Jeder Hund ist eine einmalige Persönlichkeit, die Sie, für ein harmonisches Miteinander, verstehen müssen. Der Schlüssel dazu: Lernen Sie "Hündisch", um Verhaltensweisen zu zu erkennen und einzuordnen.

Nur, weil ein Hund beispielsweise auf dem Rücken liegt, unterwirft er sich noch lange nicht. Schwanzwedeln bedeutet nicht immer Freude. Und spielen Hunde wirklich immer, wenn sie miteinander rennen? Hunde kommunizieren komplex und intelligent. Das sollten Sie nicht unterschätzen.

Wie vertragen Hunde sich untereinander?

Wegen ihrer komplexen Kommunikation können auch Hunde miteinander "zu doll" sein, sich falsch oder strategisch verhalten, bluffen, aber auch "Opfer" sein und „gemobbt“ werden. Sehen Sie daher genau hin, um die Situation Ihres Hundes zu erfassen.

Seien Sie besonders kritisch bei der Auswahl so genannter "Welpenspielgruppen". Natürlich müssen junge Hunde kommunizieren lernen dürfen – aber nicht um jeden Preis und nicht mit jedem. Dasselbe gilt für "Hundewiesen". Haben Sie ein Auge darauf, was dort vor sich geht.
Schreiten Sie gegebenenfalls ein, um Ihren Hund zu schützen – auch, wenn der andere Hund "nix tut, nur spielen" will.

Wollen Hunde immer spielen?

Echtes Spiel kann eine Beziehung zum Hund bereichern. Allerdings wird dieser Bereich oft missverstanden. So sind z.B. "Ball- und Zerrspiele“ aus Hundesicht kein echtes Spielen, sondern triggern bei ihm vor allem Beutefangverhalten, sind aufregend und stressig. Achten Sie bei der Auswahl des richtigen Spiels auf kontrollierten, ruhigen, freundlichen Ablauf. Bringen Sie sich als Sozialpartner und nicht als "Ballwurfmaschine" ein.

Braucht mein Hund Bewegung, um müde zu werden?

Je nach Rasse und Persönlichkeit muss übermäßige körperlicher Belastung des Hundes nicht dazu führen, dass er müde wird. Sondern sie genau das Gegenteil bewirken. Zu viel und zu dynamische Bewegung ist für Hunde oft sehr aufregend oder stressig.

Auslastung dagegen entsteht vor allem im Hundekopf und dann, wenn sie in Ruhe – mental und an ihre Persönlichkeit und Rasse angepasst – „arbeiten“ dürfen. Zu diesen Beschäftigungen zählen z.B. vor allem kontrollierte Nasen- und Suchspiele.

Wollen alle Hunde gestreichelt werden?

Viele Hunde mögen es nicht, zur Begrüßung oder Belohnung von vorne und von oben über den Kopf gestreichelt zu werden. Nehmen Sie sich Zeit und finden Sie heraus, welche Stellen und Intensität von Berührungen Ihrem Hund gefallen.

Hunde sind hochsoziale Lebewesen. Die Struktur einer einheitlichen Gruppe gibt ihnen Sicherheit und Orientierung. Hier können sie zur Ruhe kommen. Hunde suchen, vor allem in Konfliktsituationen, nach einer Persönlichkeit, die ihnen Sicherheit vermittelt und an der sie sich orientieren.

Was ist die beste Erziehungsmethode für Hunde?

Hunde wollen nicht zwangsläufig "dominieren" oder "dominiert werden". Sie brauchen kein "Alpha"-Wesen und keinen, der sie vermenschlicht. In ihrer Erziehung soll vor allem die Vermittlung von Werten eine Rolle spielen.

Es gibt keine Empfehlung für eine bestimmte Technik. Fühlen Sie sich ein und lassen Sie sich auf Ihren Hund ein – es lohnt sich.

Weitere Informationen

SWR Planet Wissen: Mein Hund und ich – Tipps von Martin Rütter (10.08.20)
https://www.planet-wissen.de/sendungen/sendung-hunde-ruetter-100.html

BR Service: Hunde – Training und Erziehung (31.07.19)
https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/wir-in-bayern/service/hund-hunde-hundetraining-100.html

ARD Buffet: So gelingt die Hunde-Erziehung (21.07.20)
https://www.daserste.de/information/ratgeber-service/ard-buffet/videosextern/so-gelingt-die-hundeerziehung-102.html

WDR Quarks: Corona und Tiere – Das wissen wir. Und das nicht. (04.08.20)
https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/tiere-und-corona-das-wissen-wir-und-das-nicht/

Deutscher Tierschutzbund e.V.: Hintergrundinformationen zum Thema Hunde sowie Anschaffung, Haltung und Erziehung
https://www.tierschutzbund.de/information/hintergrund/heimtiere/hunde/

Stand: 15.10.2020 06:56 Uhr