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Service: Magen-Darm-Erkrankungen

mit Dr. Birgit Terjung, Chefärztin Innere Medizin/Gastroenterologie, GFO Kliniken Bonn

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Service: Magen-Darm-Erkrankungen | Video verfügbar bis 07.11.2023 | Bild: WDR

Verdauungsprobleme können manchmal sehr qualvoll sein, sind in den meisten Fällen jedoch harmlos und lassen sich oft mit einer Umstellung der Ernährung in den Griff bekommen. In seltenen Fällen können Verdauungsstörungen aber auch Zeichen einer ernsthaften Erkrankung sein. Kommen zu Blähungen, Durchfall und Verstopfung weitere Symptome wie Blut im Stuhl, Fieber, starke Schmerzen, Krämpfe oder Gewichtsverlust hinzu, sollten Sie sich von einem Arzt untersuchen lassen.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Je nach Ursache sind Blähungen von Bauchschmerzen, Bauchkrämpfen, Durchfall oder Verstopfung und Völlegefühl begleitet. Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z.B. Laktose-Intoleranz, Gluten-Unverträglichkeit) können auch Blähungen verursachen. Regelmäßig werden Blähungen durch einen Reizmagen oder Reizdarm, Störungen der Bauchspeicheldrüse oder Nebenwirkung von Medikamenten ausgelöst.

Neben dieser Hauptursache für Verdauungsprobleme gibt es viele weitere Erkrankungen, die Grund für Störungen im Magen-Darm-Bereich sein können, z.B. Allergien, Entzündungen in Speiseröhre, Dünndarm oder Blinddarm, Untersäuerung (Mangel an Magensäure), Nahrungsmittel oder Glutenintoleranz, Irritationen im Dickdarm, Nahrungsmittelvergiftung, Malabsorption (der Körper kann einen oder mehrere Stoffe nicht mehr aus der Nahrung aufnehmen), Magenkatarrh (Gastritis), Magengeschwür, Dickdarmkatarrh (Kolitis).

Reizmagen und Reizdarm

Reizmagen und Reizdarm sind die häufigsten Ursachen für Verdauungsstörungen und Grund für einen Arztbesuch. Etwa jeder Vierte und hier vorwiegend Frauen leiden unter den so genannten funktionellen Magen-Darm-Beschwerden. Beide Erkrankungen treten allein oder zusammen mit wiederkehrenden Schmerzen im Verdauungstrakt auf und schränken die Lebensqualität meist massiv ein. Auslöser können Infektionen, Medikamente, Nahrungsmittel und andauernder Stress sein. Übergewicht, Bewegungsarmut und Alkoholkonsum können zusätzlich die natürliche Funktion des Verdauungssystems stören.

Ursachen für Reizmagen und Reizdarm

Eine der Hauptursachen für den Reizmagen ist eine Überempfindlichkeit des Nervensystems im oberen Magen-Darm-Trakt, die wiederum psychische Gründe haben kann. Bezeichnend sind immer wiederkehrende Beschwerden im Magen und Dünndarmbereich, wie Druck- und Völlegefühl nach dem Essen, Sättigungsgefühl nach einigen Bissen und Schmerzen im Oberbauch. Häufig kommt es auch zu unangenehmem Aufstoßen und Sodbrennen.

Auch beim Reizdarm können psychische Probleme die Funktion des so genannten Bauchhirns stören und zu starken Schmerzen und Krämpfen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung oder ungewöhnlichem Stuhlgang führen. Durch diese Beschwerden werden die Betroffenen erheblich in ihrer Lebensgestaltung eingeschränkt, was weiteren Stress hervorruft und die Symptome wie in einem Teufelskreis verstärkt.

Morbus Crohn

Bei Morbus Crohn handelt es sich um eine chronische Entzündung des Magen-Darm-Trakts, die sich durch Schübe, sogenannte "Entzündungsphasen", bemerkbar macht. Schwere Durchfälle, Bauchschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust, Darmverengungen (Stenosen) und Fisteln, meist im Bereich des Afters, sind die häufigsten Symptome. Ebenfalls Blähungen und Übelkeit – nicht selten begleitet von Erbrechen – sowie Krämpfe können auf die Krankheit hinweisen. Durch den Gewichtsverlust kommt es oft zu Abgeschlagenheitsgefühlen. Auch Darmverschlüsse treten häufig auf; diese müssen dann operativ beseitigt werden. Außerdem kann es zu sogenannten "extraintestinale Manifestationen", Krankheitsfolgen außerhalb des Darms, kommen: z.B. Entzündungen der Augen, der Haut oder der Gelenke.

Die Krankheit tritt meist bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren auf und kann deshalb den weiteren Lebensweg der Patienten im Hinblick auf die berufliche und psychosoziale Entwicklung deutlich beeinflussen.

Ursachen

Wie Morbus Crohn entsteht und welche Auslöser für die Krankheit verantwortlich sind, steht bisher nicht genau fest. Vermutet wird unter anderem eine erbliche Abwehrschwäche: Bisher sind mehr als 70 Gene bekannt, die mit einem Morbus Crohn in Verbindung gebracht werden. Zudem spielen auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle: In welchem Land man lebt, ob im ländlichen oder städtischen Raum, und unter welchen hygienischen Verhältnissen. Sicher ist auch, dass Rauchen ein Auslöser sein kann: Morbus Crohn tritt bei Rauchern doppelt so häufig auf wie bei Nichtrauchern.

Chronischer Durchfall

Von chronischem Durchfall spricht man, wenn mehr als vier Wochen lang Durchfall-Symptome bestehen. Dann sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, denn es kann sich hierbei um den Hinweis auf eine der folgenden Krankheiten handeln: Reizdarm-Syndrom, chronische Darmentzündung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn), Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) und andere Tumorbildungen im Bauchraum (Dickdarmkarzinom).

Weitere Informationen

• NDR, Ratgeber Gesundheit
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Darm-Krankheiten-Behandlung-die-richtige-Ernaehrung,darm198.html

• NDR, Ratgeber Gesundheit
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Reizdarmsyndrom-Behandlung-Ursachen-und-Symptome,reizdarm104.html

• NDR, Ratgeber Gesundheit
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Morbus-Crohn-Symptome-Ernaehrung-Behandlung,morbuscrohn110.html

• NDR, Ernährungs-Docs
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Colitis-ulcerosa-Symptome-erkennen-und-Therapie,colitis146.html

• ARD Mediathek
https://www.ardmediathek.de/video/hallo-hessen/hallo-hessen-teil-1/hr-fernsehen/Y3JpZDovL2hyLW9ubGluZS8xNjIzNTY

• WDR, Planet Wissen
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/planet-wissen-swr/video-wie-der-darm-unsere-gesundheit-beeinflusst-100.amp

• MDR Service, Nahrungsergänzung bei Magen-Darm-Erkrankungen
https://www.mdr.de/mdr-thueringen/service/audio-magen-darm-erkrankung-nahrungsergaenzung-100.html

• MDR Ratgeber Gesundheit, Magenschemrzen
https://www.mdr.de/ratgeber/gesundheit/magenschmerzen-magengeschwuere-keim-infektion-100.html

Stand: 07.11.2022 07:38 Uhr

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