SENDETERMIN Mo., 20.07.20 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Medikamente für den Hausgebrauch

mit Iris Zeien, Apothekerin

PlayIris Zeien, Apothekerin
Service-Mediakmente-Hausgebrauch | Video verfügbar bis 20.07.2021 | Bild: WDR

Grundsätzlich wird zwischen rezeptpflichtigen und rezeptfreien Medikamenten unterschieden. Rezeptpflichtige Arzneimittel werden vom Arzt auf einem Rezept verordnet, das in einer Apotheke eingelöst werden muss. Gelbe Rezepte gibt es für so genannte Betäubungsmittel, zum Beispiel stark wirkende Schmerzmittel.

Rezeptfreie Arzneimittel sind in ihrer Handhabung ungefährlicher als rezeptpflichtige. Sie werden auch durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), geprüft und zugelassen.

Unterschieden werden apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel. Erstere dürfen nur in Apotheken abgegeben werden, so dass der Apotheker den Patienten vor einem Fehlgebrauch warnen kann. Klassische Bespiele sind Nasensprays gegen Erkältungsschnupfen.
Freiverkäufliche Arzneimittel, wie zum Beispiel Erkältungsbäder, gibt es auch in Drogerien.

Erstattungsfähigkeit

Ärzte können ihren Patienten rezeptfreie Arzneimittel empfehlen, indem sie ein Grünes Rezept ausstellen. Dem Patienten signalisiert diese Empfehlung, dass der Arzt die Anwendung aus medizinischer Sicht für notwendig erachtet. Gleichzeitig dient das Grüne Rezept dem Patienten als Merkhilfe für Name, Wirkstoff und Darreichungsform.

Die auf einem Grünen Rezept verordneten Präparate bezahlt ein Patient grundsätzlich selbst. Jedoch bieten etwa zwei Drittel der Krankenkassen die Erstattung als sogenannte Satzungsleistung an. Mit grünem Rezept und Apothekenquittung können Patienten eine Erstattung Ihrer rezeptfreien Arzneimittel beantragen.

Selbstmedikation

Rezeptfreie Arzneimittel sind in der Regel gut verträglich, aber nicht für jeden harmlos. Kleine Kinder sollen zum Beispiel keine Acetylsalicylsäure (ASS) gegen Schmerzen einnehmen, auch wenn dieser Arzneistoff für Erwachsene gut verträglich ist.

Lassen Sie sich vor jeder Selbstmedikation vom Apotheker vor Ort beraten! Der Apotheker kennt die Grenzen der Selbstmedikation für die jeweilige Erkrankung und wird Patienten bei Bedarf an einen Arzt verweisen.

WICHTIG: Rezeptpflichtige Arzneimittel dürften immer nur von dem Patienten eingenommen werden, dem sie verordnet wurden. Teilen Sie daher niemals solche Medikamente mit anderen!

Wechselwirkungen

Arzneimittel können sich gegenseitig in ihrer Wirkung beeinflussen (Wechselwirkungen). Aber auch Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Genussmittel oder Getränke haben oft einen Einfluss auf die Wirksamkeit von Arzneimitteln.

Die Wirkung kann vermindert, ganz aufgehoben oder auch verstärkt werden. Daher kann es sehr wichtig sein, Abstände zwischen der Nahrungsaufnahme und der Einnahme von bestimmten Medikamenten einzuhalten. Manche Nahrungsmittel müssen während einer Therapie sogar komplett vermieden werden.

Grundsätzlicher Tipp: Nehmen Sie Ihre Tabletten mit einem Glas Leitungswasser ein. Ob vor, zum oder nach dem Essen hängt vom jeweiligen Arzneimittel ab.

Lagerung und Umgang

Arzneimittel sollten immer dunkel und trocken gelagert werden. Nur bei speziell vorgeschriebener kalter Lagerung (2-8°C) sollten Sie Ihre Medikamente im Kühlschrank aufbewahren. Ist das Verfallsdatum überschritten, darf das Medikament nicht mehr angewendet werden. Denn Arzneistoffe verändern sich auch bei sachgemäßer Lagerung im Laufe der Zeit.

Zu lange gelagerte Medikamente können unwirksam werden oder im schlimmsten Fall sogar schädliche Nebenwirkungen hervorrufen. Ist die Packung einmal angebrochen, kann sich die Aufbrauchfrist je nach Präparat auf wenige Wochen verkürzen. Diese Aufbrauchfrist ist beispielsweise bei Augentropfen, aber auch bei Säften, Tropfen und Salben unbedingt zu beachten. Abgelaufene oder unverbrauchte Medikamente können in Städten und Kommunen, die den Müll verbrennen, im Hausmüll entsorgt werden. Ansonsten sollten sie bei Schadstoff-Sammelstellen abgegeben werden. Keinesfalls dürfen sie die Toilette oder im Ausguss heruntergespült werden, da sie ins Grundwasser gelangen können. Das gilt auch für flüssige Medikamente wie z.B. Hustensäfte.

Weitere Infomationen

Der richtige Umgang mit Medikamenten
https://www.apothekerverband-koeln.de/downloads/flyermedikamente200909download.pdf

https://www.apothekerverband-koeln.de/downloads/flyer-umgang-mit-medikamenten-auf-tuerkisch.pdf

Speziell für Senioren
https://www.apothekerverband-koeln.de/downloads/senioreneinlegeblatt.pdf

Checkliste für die Hausapotheke
https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Oeffentlichkeitsarbeit/Hausapotheke/Checkliste_Hausapotheke_20160913.pdf

Liste der Krankenkassen, die rezeptfreie Medikamente erstatten (BPI, Stand: 10.05.2019)
https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/OTC_AM/2019-05-28-BPI-Liste-OTC-Satzungsleistungen-der-Krankenkassen.pdf

• Mehr als 9.000 frei verkäuf­liche oder rezept­pflichtige Arznei­mittel hat die Stiftung Warentest in einer Datenbank durch unabhängige Experten nach wissen­schaft­lichen Gesichts­punkten bewerten lassen.
https://www.test.de/medikamente/Medikamente-im-Test-5418254-0/

Stand: 20.07.2020 07:30 Uhr