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Service: Hilfe bei Migräne

mit Prof. Volker Limmroth, Neurologe

PlayFrau mit Kopfschmerzen
Service: Hilfe bei Migräne | Video verfügbar bis 31.10.2019 | Bild: WDR

Migräne ist eine Erkrankung mit periodisch auftretenden Attacken von Kopfschmerzen. Über keine andere Kopfschmerzform konnten in den letzten 15 Jahren so viele neue Erkenntnisse gesammelt werden wie über die Migräne. Die neue Klassifikation der Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) definiert die Migräne als wiederkehrend auftretende Kopfschmerzen mit Übelkeit, Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen und/oder Licht. Grundsätzlich wird zwischen der Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura unterschieden, außerdem werden verschiedene Unterformen definiert. Die Krankheitshäufigkeit der Migräne in Deutschland liegt zwischen 12-15 Prozent bei Frauen und 6-8 Prozent bei Männern. Damit ist die Migräne einer der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Mit bis zu 5-7 Prozent sind auch Kinder relativ häufig von dieser Erkrankung betroffen.

Symptome der Migräne

Eine Migräne-Attacke kann in mehreren Phasen verlaufen: 1. einer Anfangsphase, 2. einer Aura-Phase, 3. dem eigentlichen Kopfschmerz und 4. einer Phase nach dem Anfall. Im Mittelpunkt steht jedoch für die meisten Patienten der anfallsartigauftretende Kopfschmerz, der typischerweise mit Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit einhergeht. Bei etwa 2/3 der Patienten kommt es meist zu einem heftigen, pulsierenden und pochenden halbseitigen Kopfschmerz. Grundsätzlich kann der Kopfschmerz aber auch beidseitig auftreten oder aber die Seite während der Kopfschmerzepisode wechseln. Ein Migräneanfall kann zwischen 4 und 72 Stunden dauern. Viele Patienten beschreiben vor der eigentlichen Migräneattacke so genannte Prodromalzeichen. Diese Symptome können bis zu 48 Stunden vor der eigentlichen Kopfschmerzphase auftreten und durch Heißhunger, Stimmungsschwankungen, euphorischen Gefühlen oder Polyurie gekennzeichnet sein.

Typische Provokationsfaktoren der Migräne können die Periode, vorheriger Alkoholgenuss, Aufenthalt in verrauchten Räumen, Änderung des Tagesrhythmus, stressreiche Situationen oder Abfall des Koffein-Spiegels sein. Die Migräne beginnt in vielen Fällen bereits während der Pubertät, der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 30 und 40. Lebensjahr. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Migräne mit Aura

Etwa 10 – 15 Prozent aller Migräne-Patienten leiden an einer Migräne mit Aura. Dabei kommt es insbesondere vor der Kopfschmerzphase zu neurologischen Reiz- oder Ausfallerscheinungen. Am häufigsten sind visuelle Auren. Dabei kommt es entweder zu Gesichtsfelddefekten („Flimmern vor den Augen“) oder zu hellen gezackten Figuren, die sich in ihrer Größe langsam ausdehnen.

Diese Phänomene werden oft zunächst punktförmig in der Mitte des Gesichtsfeldes wahrgenommen und dehnen sich dann langsam beidseitig in eine Richtung aus. Nach ca. 30 Minuten und dem Moment der größten Ausdehnung lassen die Sehstörungen nach und der typische Migräne-Kopfschmerz beginnt. Eine seltene Sonderform ist die Migräne mit verlängerter Aura, wobei die neurologischen Ausfälle bis zu max. 1 Woche anhalten können und danach wieder völlig abklingen.

Chronische Migräne

Die Existenz dieser Form war lange umstritten und ist neu in die II. Klassifikation der Kopfschmerzen aufgenommen worden. Nach der Definition müssen Migränekopfschmerzen an mehr als an 15 Tagen im Monat seit mindestens 3 Monaten bestehen. Ein Medikamenten-induzierter (durch Medikamente ausgelöster) Kopfschmerz muss jedoch ausgeschlossen sein. Aber genau diese Abgrenzung kann hier sehr schwer sein, da Patienten mit häufigen Migräne-Attacken auch häufig Medikamente einnehmen.

Liegt also der Verdacht auf eine chronische Migräne vor und nimmt der Patient tatsächlich an mehr als an 15 Tagen Medikamente zur Akutbehandlung der Migräne ein, kann die Diagnose erst gestellt werden, wenn der Patient von seinen Medikamenten entzogen worden ist und nach vollendetem Entzug immer noch unter chronischen Migräne-Kopfschmerzen leidet. In diesen Fällen kann auch die Abgrenzung zum chronischen Spannungskopfschmerz schwierig sein.

Stand: 16.03.2019 17:40 Uhr

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