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Service: Ohrgeräusche und Tinnitus

mit Dr. Heinz-Wilhelm Esser, Lungenfacharzt und Tinnitus-Patient

PlayMann hält sich die Ohren zu
Service: Ohrgeräusche und Tinnitus | Video verfügbar bis 08.12.2022 | Bild: WDR

Wenn es im Ohr länger als drei Monate pfeift, klingelt, rauscht, klickt oder klopft, spricht man von einem chronischen Tinnitus. Viele Betroffene belasten diese permanenten Ohrgeräusche sehr. Sie können jedoch Strategien entwickeln, um damit zurechtzukommen. Etwa drei Millionen Erwachsene leiden irgendwann unter einer länger andauernden Tinnitus-Episode. (Quelle: Aok-Bundesverband)

Was ist ein Tinnitus?

Nahezu jeder Mensch hat schon einmal Ohrengeräusche erlebt: Es pfeift, brummt, summt oder zischt für einige Sekunden oder Minuten im Ohr, dann verschwindet das Geräusch wieder. Dieses Phänomen ist völlig normal.

Um einen Tinnitus handelt es sich, wenn das Ohrengeräusch, auch Ohrensausen oder Ohrenklingeln genannt, anhaltend oder immer wieder über einen längeren Zeitraum wahrgenommen wird. Das Hauptmerkmal eines Tinnitus ist, dass dieses Geräusch nicht durch die Umwelt, sondern im Patienten selbst verursacht wird und keinen Informationswert für den Betroffenen besitzt.

Viele Patienten können mit dem Ohrgeräusch leben, einige aber belasten diese Geräusche sehr. In diesen Fällen wird aus dem ursprünglichen Symptom „Tinnitus“ eine eigenständige Erkrankung, die psychotherapeutischer Unterstützung bedarf.

Wie häufig tritt ein Tinnitus auf?

Laut der Deutschen Tinnitus-Liga haben in Deutschland etwa drei Millionen Erwachsene einen chronischen Tinnitus, d.h. einen Tinnitus, der länger als drei Monate besteht. Jährlich kommen etwa 270.000 Neuerkrankungen hinzu. Der Anteil der Tinnitus-Patienten bei hochgradig schwerhörigen oder gehörlosen Menschen ist besonders hoch.

Was sind die Ursachen?

Ein Tinnitus hat viele Ursachen, die noch nicht abschließend geklärt sind. Bei einigen Patienten tritt ein Tinnitus nach einem emotionalen Erlebnis, Stress oder in Folge starker Lärmbelastung auf. Andere bemerken ihn nach einer körperlichen Belastung. Auch kann er in Form eines Hörsturzes verbunden mit einer Hörminderung auftreten. Häufig wird Schwerhörigkeit von einem Tinnitus begleitet.

Wer einen Tinnitus hat, sollte deshalb prüfen, ob eine Hörminderung vorliegt. Wichtig ist, diese dann gleich mit zu behandeln und im Zweifel ein Hörgerät zu tragen. Auch eine Mittelohrentzündung oder Erkrankungen an der Halswirbelsäule können die Geräusche im Ohr auslösen. Schlimmstenfalls kann hinter einem Tinnitus auch ein Tumor stecken.

Prinzipiell kann sich ein Tinnitus in jedem Lebensalter entwickeln, tendenziell aber vermehrt mit zunehmendem Alter. Die meisten Betroffenen sind beim ersten Auftreten zwischen vierzig und fünfzig Jahre alt.

Wie wird ein Tinnitus behandelt?

Ein chronischer Tinnitus ist zwar medikamentös nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Behandlungsmethoden, die den Umgang mit der Erkrankung erleichtern und dem Patienten wieder mehr Lebensqualität geben. Dazu zählen eine umfassende Aufklärung sowie die akustische Stimulanz mit Hörreizen, wie zum Beispiel Klangtherapien und maßgeschneiderte Musik, die Erkrankte von den Geräuschen im Ohr ablenken, oder auch Hörgeräte. Gerade bei schwerhörigen Patienten ist eine Hörhilfe eine wichtige Maßnahme.

Es existieren derzeit verschiedene Behandlungsansätze, doch die Wissenschaftlichkeit dieser einzelnen Behandlungsmethoden, wie z.B. der Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT), ist nicht belegt. Psychotherapeutische Behandlungen gelten als die am besten untersuchte und daher wissenschaftlich empfohlene Methode der Therapie. Trotzdem ist mit und ohne der Notwendigkeit, ein Hörgerät zu nutzen, eine Therapie mit einem sogenannten Tinnitusmasker zu empfehlen. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das ins Ohr eingesetzt wird und einen permanenten künstlichen oder neutralen Klang erzeugt, um die Ohrgeräusche zu überdecken.

Bei einem Tinnitus, der länger als drei Monate anhält, sollte eine Hörprüfung beim Ohrenarzt erfolgen. Nur der kann feststellen, ob noch eine begleitende Hörstörung vorliegt.

Die Behandlung des akuten Tinnitus ist schwierig, es gibt derzeit keine wissenschaftlich gesicherte Therapie.

(Quelle: hno-aerzte-im-netz.de)

Weitere Informationen

• WDR – Gesundheitscheck
https://www1.wdr.de/fernsehen/doc-esser/gesundheitscheck-tinnitus-100.html

• WDR – Planet Wissen
https://www1.wdr.de/mediathek/video-tinnitus-raetselhaftes-pfeifen-im-ohr-102.html

• Das Erste – W wie Wissen
https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2010/tinnitus-das-ende-der-stille-100.html

• NDR – Ratgeber
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Tinnitus-Symptome-Ursachen-und-Behandlung,tinnitus104.html

• MDR – Brisant
https://www.mdr.de/brisant/ratgeber/tinnitus-ursachen-symptome-behandlung-100.html

• MDR – Wissen
https://www.mdr.de/wissen/taubheit-pfeifen-tinitus-ohren-covid-corona-virus-100.html

• MDR – Nachrichten
https://www.ardmediathek.de/video/mdr-thueringen-journal/neue-kopfhoerergeneration-gegen-tinnitus/

• WDR 2
https://www1.wdr.de/radio/wdr2/themen/servicezeit/doc-esser-tinnitus-100.html

• WDR – Podcast
https://www.ardaudiothek.de/episode/frag-dich-fit/dauerlaerm-wie-lebt-es-sich-mit-tinnitus/wdr-2/93942416/

Stand: 08.12.2021 07:43 Uhr

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