SENDETERMIN Do, 11.07.19 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Onlinesucht

mit Jan Dieris-Hirche, Oberarzt, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, LWL-Universitätsklinik

PlayDrei Frauen benutzen ihre Handys
Service: Onlinesucht | Video verfügbar bis 11.07.2020 | Bild: WDR

Schätzungsweise eine halbe Millionen Menschen in Deutschland zeigen Anzeichen einer Internetsucht. Mindestens 2,5 Millionen Nutzer gelten als problematisch. Diese Zahlen hat die BLIKK-Studie der Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler veröffentlicht.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat exzessives Computer- oder Videospielen inzwischen in die Liste der ernsthaften Erkrankungen aufgenommen.

Nach der ARD/ZDF-Onlinestudie von 2018 nutzen die Deutschen im Schnitt 196 Minuten (3,26 Stunden) pro Tag das Internet. In der Gruppe 14-29 Jahre sind es bereits 353 Minuten (fast 6 Stunden). Neuere epidemiologische Studien zeigen, dass Männer und Frauen annähernd gleich häufig betroffen sind.
Allerdings zeigen sich bei der Art der Internetnutzung deutliche Geschlechterunterschiede: Danach nutzen 77,1 % der 14- bis 24-jährigen internetnutzenden Frauen hauptsächlich soziale Netzwerke und nur 7,2 % hauptsächlich Online-Computerspiele, während 64,8 % der internetnutzenden Männer hauptsächlich Online-Computerspiele nutzen und 33,6 % soziale Netzwerke.

Folgende Warnzeichen können auf eine Internet-Sucht hinweisen

  • starkes Verlangen oder Zwang, online zu gehen
  • erfolglose Versuche, den Internetkonsum zu verringern oder zu kontrollieren
  • Entzugssyndrom, wenn das Internet weniger oder nicht mehr genutzt wird
  • andere Interessen werden für den Internetkonsum aufgegeben
  • sozial störende Auffälligkeiten im engsten Kreis der Bezugspersonen
  • Verheimlichung der Nutzungsgewohnheiten

Mangel an Schlaf, Sehstörungen und Depressionen sind oftmals die Folgen.

Welche Hilfen gibt es?

Es gibt viele Lösungsmöglichkeiten bei einer problematischen Internetnutzung. Manchmal reichen schon kleine Veränderungen im Alltag, um die Situation zu verbessern. Eine professionelle Beratung oder Psychotherapie kann dabei helfen. In schweren Fällen kann auch ein stationärer Aufenthalt sinnvoll sein. Das Angebot an spezifischen Psychotherapieangeboten für Menschen mit Onlinesüchten in Deutschland wächst stetig.

Stationäre Behandlung / Reha

Bereits seit einigen Jahren besteht in Deutschland die Möglichkeit, bei Internetsucht stationäre Behandlung und Rehabilitation in Anspruch zu nehmen. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn sich Betroffene im Alltag sehr beeinträchtigt fühlen und ihre Internetnutzung schwer selbständig regulieren können. Auch wenn die Internetsucht einhergeht mit depressiver Stimmung oder Ängsten, kann diese intensive Art der Behandlung geeignet sein.

Teilstationäre Behandlung / Tageskliniken

Neben vollstationären Angeboten gibt es auch teilstationäre (tagesklinische) Angebote. Allgemeine Suchttageskliniken nehmen auch Patienten mit Internetsucht auf. In manchen Regionen bestehen sogar tagesklinische Angebote speziell für Internetsucht. Tagesklinische Angebote bieten meist ein Tagesprogramm mit verschiedenen Aktivitäten und Therapiesitzungen, um Patienten so in ihrer Suchtentwöhnung zu unterstützen. Die Angebote enden in der Regel am späten Nachmittag, so dass die Patienten anschließend nach Hause gehen können.

Ambulante Psychotherapie

Manchmal ist die problematische Internetnutzung eine Strategie, um mit Frust, Stress, Ängsten oder anderen Problemen umzugehen oder vor diesen zu flüchten. Dann kann eine ambulante Psychotherapie Sinn machen, um an diesen zugrundeliegenden Problemen zu arbeiten. Dabei besteht die Wahl zwischen verhaltenstherapeutischen, tiefenpsychologischen und psychoanalytischen Verfahren. Es besteht die Möglichkeit probatorische Sitzungen wahrzunehmen und anschließend zu entscheiden, mit welcher Psychotherapie man beginnen möchte. Allerdings ist mit einer gewissen Wartezeit zu rechnen, bis ein Platz in der ambulanten Therapie frei wird. Bezahlt wird die Therapie bei entsprechender Indikation von den Krankenkassen.

Weitere Informationen

Erste Hilfe Internetsucht
erstehilfe-internetsucht.de

Selbsttest und webcambasierte Beratung des LWL - Online-Ambulanz-Service (OASIS) für Betroffene und Angehörige
www.onlinesucht-ambulanz.de

Fachambulanz für Mediensüchte der LWL-Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum
psychosomatik.lwl-uk-bochum.de/die-ambulanz/medienambulanz

Online-Spielsucht als Krankheit anerkannt – Aufnahme in WHO Katalog; Tagesschau vom 20.5.2019
www.tagesschau.de/ausland/online-spielsucht-krankheit

Fachverband Medienabhängigkeit e.V.
www.fv-medienabhaengigkeit.de

Wann ist man onlinesüchtig?
www.br.de/radio/bayern2/sendungen/gesundheitsgespraech/sucht-internet-onlinesucht

Wie sich Onlinesüchtige aus der virtuellen Welt befreien
www.ard.de/home/ard/Wie_sich_Onlinesuechtige_aus_der_virtuellen_Welt_befreien

Stand: 11.07.2019 08:02 Uhr

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