SENDETERMIN Mi, 08.08.18 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Pflege im Urlaub

mit Raquel Reng, Unabhängige Patientenberatung UPD

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Service: Pflege im Urlaub | Video verfügbar bis 08.08.2019 | Bild: WDR

Einfach mal weg, entspannen, an einem anderen Ort Kraft tanken für den Alltag zuhause: Was für viele im Sommer selbstverständlich ist, ist für Menschen, die Angehörige pflegen, oft schwierig. Doch auch Pflegende und Pflegebedürftige selbst können für den Urlaub Unterstützung erhalten.

Verhinderungspflege

Pflegende Angehörige sind tagtäglich für ihre Nächsten da und in ihrem Alltag häufig großen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt. Sie sind der größte Pflegedienst des Landes. Deshalb hat der Gesetzgeber ihr Recht auf Erholung anerkannt und mit den Regelungen zur sogenannten Verhinderungspflege Leistungen geschaffen, die ihnen zustehen. Danach können sie bis zu sechs Wochen im Jahr auf die Unterstützung durch professionelle Dienste, also etwa einen ambulanten Pflegedienst, Nachbarn oder Freunde zurückgreifen, wenn sie selbst die Pflege ihrer Angehörigen nicht übernehmen können. Urlaub kann dafür ebenso eine Begründung wie etwa eine Erkrankung.

Ab Pflegegrad 2 können Leistungen der Verhinderungspflege in Anspruch genommen werden - sowohl zuhause, als auch in einem Pflegeheim oder einer anderen geeigneten Einrichtung.

Geregelte Leistungen

Im Kalenderjahr können Leistungen im Wert von bis zu 1.612 Euro in Anspruch genommen werden. Ergänzend dazu können noch Leistungen aus der Kurzzeitpflege, kommen, wenn die nicht abgerufen worden sind. Die Kurzzeitpflege ist zur Überbrückung von kurzen Zeiträumen bestimmt, in denen Pflegebedürftige in einem Pflegeheim unterkommen können und dort betreut werden. Diese Leistungen sind zur Bewältigung von Krisensituationen in der häuslichen Pflege vorgesehen oder auch übergangsweise nach einem Krankenhausaufenthalt.

Nicht in Anspruch genommene Mittel aus der Kurzzeitpflege dürfen dazu genutzt werden, die Verhinderungspflege aufzustocken. In diesem Fall können weitere 806 Euro dazu kommen. Nahe Angehörige werden allerdings schlechter für die Vertretung der Pflegeperson bezahlt als etwa eine Nachbarin.

Das Pflegegeld wird für die Dauer der Verhinderungspflege gekürzt - es sei denn, die Verhinderungspflege wird nur stundenweise in Anspruch genommen.

Urlaub mit Pflegebedürftigen

Verhinderungspflege ist auch während des Urlaubs möglich. Verreisen die pflegenden Angehörigen mit der pflegebedürftigen Person zusammen, kann eine Ersatzpflegeperson mitgenommen werden. Während des Urlaubs kann sich die reguläre Pflegeperson auf diese Weise stundenweise Auszeiten nehmen. Das Bundessozialgericht hat entschieden, dass für diese Form der Verhinderungspflege bis zur gesetzlichen Höhe sogar notwendige Aufwendungen für Fahrkosten und Unterkunft der Ersatzpflegeperson erstattet werden können.

Wenn Pflegebedürftige selbst in Urlaub fahren, können sie während des Urlaubs weiter Pflegegeld beziehen – innerhalb der EU, den EWR-Staaten und der Schweiz sogar unbegrenzt. Im übrigen Ausland ist der Anspruch auf Pflegegeld allerdings auf 6 Wochen begrenzt. Das gilt beispielsweise für die Türkei.    

Weitere Informationen

Für alle Fragen rund um das Thema Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege steht die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) mit kostenfreier, unabhängiger und neutraler Beratung zur Verfügung. Die gemeinnützige Einrichtung hilft Ratsuchenden dabei, Fallstricke zu umgehen und die Kommunikation mit den Pflegekassen zu meistern.

Kostenfreie Beratung (alle Netze - auch Mobilfunk) auf Deutsch, Türkisch, Russisch und Arabisch:

Beratung in deutscher Sprache: 0800 011 77 22

Montags bis freitags von 8.00 bis 22.00 Uhr und samstags von 8.00 bis 18.00 Uhr

Fremdsprachige Angebote

Beratung in türkischer Sprache: 0800 011 77 23

Montags bis samstags von 8.00 bis 18.00 Uhr

Beratung in russischer Sprache: 0800 011 77 24

Montags bis samstags von 8.00 bis 18.00 Uhr

Beratung in arabischer Sprache: 0800 332 212 25

Dienstags 11.00 bis 13.00 Uhr und donnerstags 17.00 bis 19.00 Uhr

Der Beratungs-Service vor Ort oder im UPD-Beratungsmobil kann nach telefonischer Terminabstimmung unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 011 77 25 oder nach Terminabstimmung via Mail an terminvereinbarung@patientenberatung.de genutzt werden.

(Zeiten: Mo – Fr 8.00 bis 22.00 Uhr, Sa 8.00 bis 18.00 Uhr)

Die Adressen der 30 Vor-Ort-Beratungsstellen sowie eine Übersicht über die 100 Städte, in denen das Beratungsmobil Halt macht, stehen unter www.patientenberatung.de.

Stand: 09.08.2018 02:23 Uhr

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