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Service: Steigende Energiepreise

mit Dirk Mobers, Energie-Agentur NRW

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Service: Steigende Energiepreise  | Video verfügbar bis 26.12.2022 | Bild: dpa

Die Preise für Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas steigen immer weiter. Damit verbunden auch der Strompreis. Einige Energieversorger haben inzwischen sogar ihre Neukunden-Akquise eingestellt. Durch mehr Stromeffizienz, eine clevere Nutzung von Heizenergie und der richtigen Dämmung kann jeder selbst Energie und damit bares Geld sparen.

Richtig heizen und lüften

Die Heizung herunterzudrehen ist die einfachste Art, Energie und Geld zu sparen: Jedes Grad weniger senkt die Heizkosten um 6 Prozent. Die optimale Raumtemperatur liegt in Wohnräumen bei 20 bis 22 °C, in der Küche bei 18 bis 19 und im Schlafzimmer bei 17 bis 18 °C. In der Nacht sollte die Temperatur um vier Grad abgesenkt werden. Tiefer allerdings nicht.

Digitale Heizungsventile können bis zu 15 Prozent Heizkosten sparen. Sie werden einfach anstelle der alten Ventile aufgeschraubt und können teilweise auch mit dem Smartphone gesteuert werden.
Auch richtiges Lüften spart Heizkosten: Kurzes und kräftiges Stoßlüften mit weit geöffnetem Fenster- oder Türflügel. Dabei die Heizkörperventile schließen! Das Fenster nicht zum Lüften kippen, weil das Heizenergie verschwendet und zur Schimmelbildung führen kann!

Tipp: Beim Verlassen von Haus oder Wohnung Heizkörper ein paar Grad herunter drehen, aber NICHT ganz ausmachen. Die Wände kühlen sonst zu sehr ab. Der Wasserdampf in der Luft kondensiert und es können sich Feuchtigkeitsschäden und Schimmel bilden. Diese Gefahr droht besonders in Schlafräumen! Schlafzimmer grundsätzlich immer ein wenig beheizen!

Effiziente Heizungstechnik

Fast alle Wohngebäude benötigt seit 2008 einen Energieausweis. Damit wird der jährliche Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser angegeben. Rund 70 Prozent des Verbrauchs in den eigenen vier Wänden entfallen auf Heizung und Warmwasser. Wichtig ist daher eine effiziente Heizungstechnik. So kann sich der Einbau einer neuen Heizungspumpe oder der Umstieg auf eine komplett andere Heiztechnik lohnen. Alternative Heizungsanlagen sind sparsam und werden sogar vom Staat gefördert.

Wer nicht gleich in eine neue Heizung investieren möchte, oder zur Miete wohnt, kann etwaige Wärmeverluste auch durch das nachträgliche isolieren von freiliegenden Heizungsrohren (oft in Altbauten) bewirken. Entsprechende Dämmung zum Überstülpen gibt es im Baumarkt.
Befinden sich die Heizkörper in Nischen unter den Fenstern geht, aufgrund der dahinterliegenden dünneren Wände, viel Heizenergie verloren. Diese Wärmeverluste können durch das Anbringen einer Dämmplatte auf der Innenseite der Außenwand verhindert werden. Das erforderliche Material dafür gibt es ebenfalls im Baumarkt.

Tipp: Wenn die Heizung „gluckert“, oder nur schlecht warm wird, kann Luft im Rohrsystem sein, was Energie kostet. Die Heizkörper entlüften kann jeder mit einem Entlüftungsschlüssel aus dem Baumarkt: Aufdrehen und sobald Wasser fließt, Ventil wieder schließen. Eventuell muss dann im Heizungskeller Wasser nachgefüllt werden. Wenn die Heizung rauscht, ist sie meist falsch eingestellt. Dann sollte ein Fachmann die Anlage überprüfen!

Gebäude dämmen

Für das Beheizen von Altbauten wird bis zu fünfmal so viel Energie benötigt als bei Neubauten. Durch fachgerechtes Modernisieren kann der Energiebedarf allerdings auf Neubau-Niveau oder sogar darüber hinaus gesenkt werden. Die Förderbedingungen sind derzeit so gut wie noch nie.

Für die Umsetzung von Maßnahmen gibt es Zuschüsse oder zinsgünstige Darlehn durch die Bundesförderung Energieeffiziente Gebäude (BEG) die bis zu 55 Prozent der Kosten tragen. Beginnen sollte man mit einer Energieberatung – auch diese wird mit bis zu 80 Prozent gefördert.

Tipp: Die Dämmung der obersten Geschoß- und Kellerdecke bringen viel und können einfach und schnell durchgeführt werden. Sie werden als Einzelmaßnahmen mit 20 Prozent gefördert. Auch die Dämmung der Heizungsverteilleitung und der Einsatz von Hocheffizienzpumpen bringt viel und kostet wenig.

Sparsamer Wasserverbrauch

Das Aufheizen von Wasser für Küche und Bad erfordert viel Energie: Wird das Wasser in einem Haushalt durch die Heizung erwärmt, können die Kosten für Warmwasser bis zu 15 Prozent des gesamten Heizenergieverbrauchs ausmachen. Wird das Wasser elektrisch erhitzt macht das durchschnittlich sogar mehr als ein Viertel des gesamten Stromverbrauchs aus.

Wer seinen Warmwasserverbrauch senkt, reduziert sowohl den Wasser- als auch den Energieverbrauch. Duschen, anstatt zu baden spart etwa zwei Drittel Wasser und Energie. Allerdings nur, wenn die Dusche nicht länger als zehn Minuten dauert! Wer beim Einseifen und Shampoonieren das Wasser nicht durchlaufen lässt, reduziert den Wasser- und Energieverbrauch um die Hälfte. Moderne Sparduschköpfe verbrauchen im Vergleich zu herkömmlichen bis zu 60 Prozent Wasser, ohne dass Sie beim Duschen auf Komfort verzichten müssen.

Tipp: Der Verbrauch für die Toilettenspülung kann mit modernen Spülkästen halbiert werden. Die Stopptasten sind auch als Nachrüstsätze für fünf bis zehn Euro erhältlich. Durchflussmengenregler reduzieren den Wasserverbrauch an Duschköpfen und Waschbeckenarmaturen. Sie können für fünf bis acht Euro pro Zapfstelle nachgerüstet werden.

Strom sparen

Das Einzige, das wir über unseren Stromverbrauch von den Energieversorgern erfahren, ist, wie viele Kilowattstunden wir im abgelaufenen Abrechnungszeitraum verbraucht haben. Wie sich der Gesamtverbrauch auf die einzelnen Bereiche wie beispielsweise TV/Audio, Kühlen oder Beleuchtung verteilt, bleibt in der Regel offen.

Der "Stromcheck für Haushalte" der EnergieAgentur.NRW bietet die Möglichkeit alle wichtigen Bereiche zu analysieren. Ein Online-Rechner berücksichtigt nicht nur die Geräteausstattung, sondern auf Wunsch auch die individuellen Nutzungsgewohnheiten. Wer seine letzte Stromrechnung zur Hand nimmt, sieht sofort, wie gut er mit seinem Stromverbrauch im "Nachbarschaftsvergleich" dasteht, wie sich im Haushalt der Stromverbrauch auf die einzelnen Anwendungsbereiche verteilt und wo welche Sparpotenziale schlummern. So kann dann gezielt optimiert werden.

Unterhaltungselektronik

TV, PC & Co. machen heute bis zu 25 Prozent der Stromkosten im Haushalt aus. Das sind durchschnittlich in einem Single-Haushalt etwa 150 Euro und in einem Vier-Personen-Haushalt bereits über 300 Euro pro Jahr. Das Einsparpotenzial durch energieeffiziente Geräte liegt bei bis zu 75 Prozent. Rund 60 Euro pro Jahr lassen sich allein durch Vermeidung von Stand-by-Verlusten einsparen, denn viele Geräte haben keinen „echten“ Ausschalter und verbrauchen auch dann Strom, wenn sie vermeintlich ausgeschaltet sind. Hier hilft eine abschaltbare Steckdosenleiste.

Tipp: Computer bei Arbeitspausen von mehr als 30 Minuten vollständig ausschalten.

Kühlen und Gefrieren

Bei Kühl- und Gefriergräten fallen selbst kleine Unterschiede im Stromverbrauch ins Gewicht. Der Austausch von Altgeräten, die älter als zehn Jahre sind, kann sich daher lohnen. Bei einem Kühl- und Gefriergerät verursacht ein höherer Verbrauch von 100 Kilowattstunden in 15 Jahren etwa 400 Euro zusätzliche Stromkosten. Grundsätzlich rechnet sich bei einem Minderverbrauch von nur 0,1 kWh pro Tag ein Geräte-Mehrpreis von über 100 Euro. Auch der Standort entscheidet über den Verbrauch.

Tipp: Kühl- und Gefriergeräte in möglichst kühler Umgebung aufstellen und die Nähe zum Herd oder Heizkörper sowie direkte Sonneneinstrahlung vermeiden.

Kochen und Backen

Ein Elektroherd verursacht durchschnittlich 10 Prozent der Stromkosten im Haushalt. Langkochende Gerichte in einem Schnellkochtopf zubereiten spart die Hälfte der Zeit und 30 Prozent Strom. Auch die richtige Topfgröße spart Energie, denn jeder Zentimeter, den der Topf kleiner als die Herdplatte ist, führt zu 20 bis 30 Prozent Mehrverbrauch. Ein gekippter Topfdeckel verbraucht die doppelte Energiemenge, gar kein Deckel sogar die dreifache.

Tipp: Backöfen mit Selbstreinigungsfunktion (Pyrolyse) können mehr als sechs Kilowattstunden Strom verbrauchen. Einmal reinigen frisst so viel Energie, wie eine 10-Watt-LED-Lampe 25 Tage lang brennen zu lassen. Besser also den Backofen selbst reinigen.

Waschen und trocknen

Moderne Wasch- und Trockengeräte sparen Strom- und Wasser! Ein 20 Liter höherer Wasserverbrauch verursacht in 15 Jahren Mehrkosten von rund 400 Euro. Ein Waschgang mit 65°C statt mit 95°C spart etwa 30 Prozent Strom. Der Verzicht auf die Vorwäsche weitere 20 bis 30 Prozent.

Auf Wäschetrockner entfallen im Schnitt über 10 Prozent des gesamten Stromverbrauchs – je nach Effizienz und Alter des Trockners kann ein einziger Trockengang bis zu 1,50 € kosten. Je trockener die Wäsche in den Trockner kommt, desto weniger Energie wird zum Trocknen benötigt.
Daher die Wäsche vorher möglichst gut schleudern. Wird mit 1.600 statt mit 900 Umdrehungen geschleudert, führt das zu einer Stromeinsparung von 25 Prozent beim Trocknen. Moderne Wärmepumpen-Wäschetrockner sind erheblich energiesparender, weil sie einen Teil der Energie zurückgewinnen.

Zuschüsse vom Staat

Viele Maßnahmen zur Energieeinsparung oder zur Anwendung erneuerbarer Energien werden vom Staat gefördert. Das Förder.Navi der EnergieAgentur.NRW bietet Informationen zu dauerhaft angebotenen Förderprogrammen. Hier gibt es eine Förderprogrammübersicht:

https://foerdernavi.energieagentur.nrw/

Weitere Informationen

• EnergieAgentur.NRW
www.energieagentur.nrw/klimaschutz/haushalt

• Energie-Kompetenz-Zentrum
https://ekozet-rek.de/lehren-und-lernen/lernraum/

• Verbraucherzentrale NRW: Energiespartipps
www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/energie

• Verbraucherzentrale NRW: Förderprogamme
www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/energie/foerderprogramme

• Energiesparende Haushaltsgeräte
www.ecotopten.de/

Stand: 26.10.2021 08:17 Uhr

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