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Service: Achtung beim Schwimmen!

mit Heike Radder, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG)

PlayReporterin Svenja Kellershohn und Heike Radder (DLRG)
Service: Achtung beim Schwimmen! | Video verfügbar bis 08.07.2020 | Bild: WDR

Seit Jahrzehnten ist der Juli der Monat, in dem die meisten Menschen in Deutschland ertrinken. Allein letztes Jahr starben in Deutschland laut DLRG 504 Menschen beim Baden in Flüssen und Seen. Der Grund: viele unterschätzen die Gefahren und immer weniger Menschen können richtig schwimmen. Ertrinken ist nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache bei Kindern!

Darum ist Schwimmen lernen wichtig - und zwar so früh wie möglich. Schwimmen ist nicht nur überlebenswichtig, sondern auch gesund und fördert die kindliche Entwicklung. Schwimmen unterstützt die Unabhängigkeit und stärkt die Selbständigkeit und das Selbstbewusstsein.

Schwimmen lernen

Es ist nie zu spät, das Schwimmen zu lernen. Auch für Erwachsene werden Kurse angeboten. Vor allem Vereine wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), öffentliche Schwimmbäder und Privatschulen bieten Kurse für Männer und Frauen an. Es gibt auch Spezialveranstaltungen zum Beispiel für muslimische Frauen.

Kinder können bereits ab der zwölften Lebenswoche im Rahmen eines Babyschwimmkurses an den Aufenthalt im Wasser gewöhnt werden. Eine gute Voraussetzung für das spätere Schwimmen lernen. Schon ab fünf Jahren ist ein Kind fähig, den relativ einfachen Bewegungsablauf des Kraulens (noch ohne regelmäßige Atmung) zu erlernen. Etwa ein Jahr später haben Kinder meist das nötige Koordinationsvermögen, Arm- und Beinbewegungen des Brustschwimmens richtig zu lernen.

Wichtig: Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Ihr Kind in der Schule schwimmen lernt. Schulschwimmen wird meist erst ab der dritten Klasse angeboten. Ein Lehrer, der allein mit einer Klasse von 25 oder mehr Kindern im Schwimmbad ist, kann sich kaum intensiv um die Nichtschwimmer kümmern. Darum ist es sinnvoll, dass Ihr Kind schon vor dem Schulunterricht ein bisschen schwimmen kann. Außerdem schließen immer mehr Kommunen ihre Schwimmbäder, sodass schon heute 25% der Grundschulen keinen Schwimmunterricht mehr anbieten können.

Schwimmabzeichen und Prüfungen

Niemand lernt allein im Schwimmkurs schwimmen. Wichtig ist, dass Sie regelmäßig mit Ihrem Kind schwimmen gehen, denn Übung macht den Meister.

Anfänger bekommen das Seepferdchen. Dazu müssen sie eine Bahn schwimmen, vom Rand ins tiefe Wasser springen und aus brusthohem Wasser zwei Tauchringe an die Oberfläche holen können. Seepferdchenkinder können sich eine Weile über Wasser halten, aber wirklich sicher schwimmen können sie noch nicht. Hilfe und Überwachung sind nach wie vor unbedingt nötig.

Bronze entspricht dem früheren Freischwimmer. In 15 Minuten müssen die Kinder 200 Meter schwimmen, einen Tauchring aus zwei Metern Tiefe heraufholen und vom Ein-Meter-Brett springen können. Dazu kommen die Kenntnisse der Baderegeln.

Silber gibt es für das Schwimmen von 400 Metern in 25 Minuten (davon 100 Meter Rückenschwimmen), 10 Meter Streckentauchen, zweimaliges Tieftauchen und den Sprung aus drei Metern Höhe. Hier müssen neben den Baderegeln die wichtigsten Regeln der Selbstrettung beherrscht werden.

Gold gibt es für 600 Meter Schwimmen in 24 Minuten, 50 Meter Brustschwimmen in 70 Sekunden, Rücken- und Kraulschwimmen, Tief- und Streckentauchen, Abschleppen eines Gleichaltrigen über 50 Meter und einen Sprung vom Drei-Meter-Brett. Zu den Baderegeln und der Selbstrettung kommen hier noch Regeln der Hilfe bei Bade-, Boots- und Eisunfällen.

Kinder und Wasser

Der möglichst natürliche Umgang mit Wasser der beste Weg, damit Kinder sich im Wasser sicher fühlen. Eltern sollten ihren Kindern viel Zeit unter ihrer Aufsicht widmen. Das kann bereits zu Hause in der Badewanne erfolgen, sich über das Planschbecken bis hin zum Nichtschwimmerbecken im Freibad fortsetzen. Da Kinder dazu neigen, sich zu überschätzen, behalten Sie Ihren Sprössling immer im Auge, auch, wenn er sein erstes Schwimmabzeichen bereits erhalten hat.

Wichtig: Als Hilfsmittel für die Wassergewöhnung sind Schwimmflügel, Schwimmsitze und Schwimmringe völlig ungeeignet, da sie den direkten Kontakt mit dem Wasser verhindern und zudem eine trügerische Sicherheit vermitteln. Auch als Lernhilfe für das Schwimmen sind sie nicht zu gebrauchen, da Kleinkinder im Alter bis zu vier Jahren motorisch noch nicht in der Lage sind, das Schwimmen zu lernen.

Schlimmer noch: Selbst im flachen Wasser fehlt Kindern dieser Altersgruppe die Fähigkeit, sich nach einem Umkippen alleine wieder aufzurichten und sich so selbst zu retten. Auch angeblich sichere Sitze, aus denen die Kinder sich nach Herstellerangaben selbst befreien können, sind daher potenzielle Todesfallen!

Schwimmen in stehenden Gewässern

In Teichen oder Seen bestehen Gefahren durch steil abfallende Ufer. Wasserpflanzen, Felsen, Pfähle, Baumstümpfe, Mauerreste und Unrat unter der Wasseroberfläche stellen ein erhebliches Verletzungsrisiko dar. Besonders gefährlich sind Kiesgruben deren Ufer abrutschen können.

Schlammiger Boden und brusttiefes Wasser sind unter Umständen lebensgefährlich, da der Versuch freizukommen zu weiterem Absinken führen kann. In einem solchen Fall ist Panik zu vermeiden. Der Betroffene muss versuchen, sich durch kräftige Schwimmbewegungen nur mit den Armen aus dem Morast zu lösen.

In stehenden oder langsam fließenden Gewässern befinden sich oft lange, bänderartige Gewächse, die bis knapp an die Wasseroberfläche wachsen. Panik und Entsetzen können den Ahnungslosen überkommen, wenn diese Gewächse den Körper streifen oder ihn festzuhalten drohen.

Bergseen-, Ton-, und Kiesgruben weisen unterschiedlich warme Wasserschichten auf. Das kalte Wasser besitzt eine größere Dichte und liegt immer unter den warmen Schichten. Insbesondere bei Kopfsprüngen werden diese Temperaturunterschiede deutlich spürbar. Wer vor dem Sprung lange in der prallen Sonne gelegen hat und ohne Abkühlung ins Wasser springt, riskiert einen Kreislaufschock.

Schwimmen in fließenden Gewässern

In größeren Flüssen befinden sich zur Regulierung der Strömung und der Minimierung der Abtragung des Ufers so genannte Buhnen. Sie verändern die Strömungsverhältnisse, insbesondere zwischen den Buhnen. Da auch geübte Schwimmer beim Schwimmen gegen die Strömung schnell ermüden, sollte man sich nur in Strömungsrichtung fortbewegen, auch wenn dies der längere Weg zum Ufer ist.

Grundsätzlich sollte nicht dort, wo Schiffe und Boote fahren, geschwommen werden. In den Bundeswasserstrassen ist schwimmen nicht generell verboten, es gibt jedoch Bereiche, in denen ein ausdrückliches Verbot besteht.

Schwimmen in Küstengewässern

Das Baden und Schwimmen im Meer ist gefährlicher als in den Binnengewässern. In kurzer Zeit ändert sich oft der Grund. Tiefen entstehen, Sandbänke bilden sich oder verschwinden. Wind und Strömung - gutes und schlechtes Wetter - beeinflussen dauernd das Wasser. Das ruhigste Badegebiet kann durch umschlagenden Wind und ungünstig laufende Strömung innerhalb weniger Minuten zum tosenden Meer werden.

Deshalb niemals an unbewachten Stellen rausschwimmen und an bewachten Stellen immer auf die Sicherheits-Beflaggung achten. Die gehisste gelbe Flagge weist auf besondere Gefahren hin, ist diese gesetzt, sollten nur erfahrene und geübte Schwimmer ins Wasser gehen.
Bei gehisster roter Flagge ist das Schwimmen und Baden verboten.

Baderegeln der DLRG

  • Gehe nur zum Baden, wenn du dich wohl fühlst.
  • Bevor du ins Wasser gehst: Kühle dich ab und dusche.
  • Gehe niemals mit vollem oder ganz leerem Magen ins Wasser.
  • Gehe als Nichtschwimmer nur bis zum Bauch ins Wasser.
  • Rufe nie um Hilfe, wenn du nicht wirklich in Gefahr bist, aber hilf anderen, wenn sie Hilfe brauchen.
  • Überschätze dich und deine Kraft nicht.
  • Bade nicht dort, wo Schiffe und Boote fahren.
  • Bei Gewitter ist Baden lebensgefährlich. Verlasse das Wasser sofort und suche ein festes Gebäude auf.
  • Halte das Wasser und seine Umgebung sauber, wirf Abfälle in den Mülleimer.
  • Aufblasbare Schwimmhilfen bieten dir keine Sicherheit im Wasser.
  • Springe nur ins Wasser, wenn es frei und tief genug ist.

Weitere Informationen

Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG
www.dlrg.de

Baderegeln in über 25 Sprachen übersetzt
www.dlrg.de/informieren/regeln/uebersetzungen-baderegeln.html

DLRG Ortsgruppe Hückeswagen e.V.
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Stand: 08.07.2019 07:53 Uhr