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Service: Hoher Blutdruck

mit Dr. Mohsen Radjai, Facharzt für Allgemeinmedizin

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Service: Hoher Blutdruck | Video verfügbar bis 11.11.2021 | Bild: dpa

Fachärzte schätzen, dass 20 bis 30 Millionen Menschen in Deutschland unter Bluthochdruck leiden. Das betrifft Ältere und Jüngere, die Zahl der Betroffenen steigt.

Corona-Pandemie und Bluthochdruck

Risikofaktoren für Bluthochdruck sind zum Beispiel Alter, Übergewicht oder Rauchen. Auch Einsamkeit kann zu hohen Blutdruck begünstigen, belegen wissenschaftliche Untersuchungen.
Die Corona-Pandemie wirkt sich ebenfalls aus: Menschen mit Bluthochdruck befürchten einen schwereren Krankheitsverlauf im Fall einer Ansteckung. Auch Isolation oder soziale Distanzierung im erneuten (Teil-)Lockdown zur Eindämmung der Pandemie gehen nicht spurlos an allen vorbei. Dazu kommen mögliche finanzielle Sorgen wegen anhaltender Kurzarbeit und Jobverlust als erhebliche Stressfaktoren.

Die Folge: Der Organismus schüttet Stresshormone aus. Der menschliche Körper reagiert mit Blutdruck- und Pulssteigerung. Parallel werden entzündungsfördernde Botenstoffe aktiv, die das Gefäßsystem schädigen und zur Ablagerungen an Gefäßwänden führen können. Dadurch steigt wiederum das Risiko für die Entwicklung einer koronaren Herzkrankheit (Durchblutungsstörungen an den Herzkranzarterien). Auch Herz und Psyche stehen in enger Wechselbeziehung: Diese Zusammenhänge von Angst, Depression und Herzerkrankungen fallen in das Gebiet der Psychokardiologie.

Wie hoch sollte Blutdruck sein?

Die Höhe des Blutdrucks wird im Wesentlichen von zwei Faktoren bestimmt: von der Schlagkraft des Herzens und vom Durchmesser bzw. vom Spannungszustand der Arterien (Blutdruck = Herzzeitvolumen x Gefäßwiderstand).

Der Blutdruck wird in zwei Werten gemessen: Der systolische Wert zeigt den höchsten Blutdruck in der Arterie an, der dann erreicht wird, wenn sich das Herz zusammenzieht und damit den Gefäßwiderstand überwindet. Der diastolische Wert gibt den niedrigsten Druck in der Arterie an, der dann erreicht wird, wenn sich das Herz entspannt und wieder mit Blut füllt.

Ein optimaler Blutdruck sollte kleiner 120 zu 80 sein. Normal ist der Blutdruck noch mit 129 zu 84. An der Grenze ist ein Blutdruck von 130 bis 139 zu 85 bis 89 (hochnormal). Man spricht von Bluthochdruck 1. Grades bei 140 bis 159 zu 90 bis 99.

Diese angegebenen Werte stellen flexible Richtwerte dar, die vom Arzt nach dem Risikoprofil des Patienten individuell bewertet werden müssen. Ein Beispiel: Wenn ein Patient zuckerkrank oder nierenkrank ist, gilt der hochnormale Blutdruck bereits als gefährlicher Bluthochdruck.

Risiko Bluthochdruck

Bluthochdruck ist in Deutschland eine Hauptursache dafür, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nummer 1 sind. Es wird vermutet, dass zehn Millionen Menschen in Deutschland an Bluthochdruck leiden, ohne es zu wissen.

Diese „Hypertonie“, so der medizinische Fachausdruck, schadet dem Herzen und den Gefäßen. Zu hoher Blutdruck tut nicht weh, deshalb nennt man Bluthochdruck auch „schleichende Gefahr“.

Wie entsteht zu hoher Blutdruck?

Ab dem 60. Lebensjahr hat ungefähr jeder Zweite zu hohe Blutdruckwerte – oft, ohne es zu wissen. Um sich rechtzeitig vor den Folgen von Bluthochdruck zu schützen, ist regelmäßiges Messen wichtig unerlässlich.

Auch für Menschen, die wegen Bluthochdrucks behandelt werden, hat das Selbstmessen Vorteile: Sie brauchen in der Regel weniger Medikamente, weil der Bluthochdruck stärker ins Bewusstsein rückt und wichtige, nicht medikamentöse Schritte gegen Bluthochdruck erfolgreicher umgesetzt werden.

Bei körperlicher Anstrengung steigt der Blutdruck zwar auch an – aber nur kurzfristig. Denn langfristig wirken körperliche Aktivitäten blutdrucksenkend. Neben Medikamenten wie Schmerzmitteln oder Antibabypille kann Drogenmissbrauch Blutdruck erhöhen. Folgende Krankheiten können wiederum Ursache für Bluthochdruck sein: Störungen des Hormonhaushalts, Erkrankungen der Nieren und Nebennieren sowie eine Engstelle der Nierengefäße, die so genannte Nierenarterienstenose.

Tipps zur Vorbeugung von Bluthochdruck

Gewichtsreduktion ist besonders wirkungsvoll. Bei einer Gewichtsabnahme von 10kg können Sie mit einer Blutdrucksenkung von 15mmHg systolisch und 10mmHg diastolisch rechnen.

Bewegung ist wichtig, um Kreislauf und Stoffwechsel in Schwung zu bringen, Körperfett und Stress abzubauen – und sie ist gleichzeitig „Balsam für die Seele“. Besonders geeignet sind Ausdauersportarten wie Gymnastik, Schwimmen, Radfahren oder Wandern. Intensives Krafttraining mit hohen Gewichten ist für den Blutdruck weniger geeignet. Wer bereits Bluthochdruck hat, sollte unbedingt das beabsichtigte Training mit seinem Arzt besprechen. Aber: Schon ein flotter Spaziergang tut dem Blutdruck gut. Wichtiger als die Intensität des Trainings ist die Regelmäßigkeit der eigenen Aktivität.

Salz- und fettarme Ernährung ist ebenfalls wichtig. Wenn Sie die tägliche Salzaufnahme um 3g vermindern, können Sie damit langfristig Ihren systolischen Blutdruckwert um durchschnittlich 5mmHg senken. Diese Salzreduktion erreichen Sie leicht, wenn Sie auf Fertigprodukte, die sehr viel Salz enthalten, verzichten, wenn Sie beim Kochen Salz durch Kräuter ersetzen und aufs Nachsalzen ganz verzichten.

• Sie sollten außerdem möglichst wenig Alkohol zu sich nehmen, da er eine Blutdruck steigernde Wirkung hat. Nikotin schädigt die Gefäße und fördert die Entstehung von Arteriosklerose. Wenn Sie Bluthochdruck haben und rauchen, ist Ihr persönliches Risiko, z. B. einen Schlaganfall zu erleiden, um ein Vielfaches erhöht.

Links

Weitere Informationen

• rbb Praxis: (04.12.2019) Einsamkeit hat Auswirkungen auf den Körper
https://www.rbb-online.de/rbbpraxis/archiv/20191204_2015/einsamkeit-hat-auswirkungen-auf-den-koerper.html

• HR 1: Magnesium, Sauna und Co. So können Sie Ihren Blutdruck natürlich senken (22.09.20)
https://www.hr1.de/programm/mit-magnesium-sauna-und-co-den-blutdruck-natuerlich-senken-,natuerliche-blutdrucksenker-100.html

• NDR Ratgeber Gesundheit: Diese Lebensmittel helfen, den Blutdruck zu senken (22.07.20)
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Ernaehrung-bei-Bluthochdruck-Diese-Lebensmittel-helfen,bluthochdruck146.html

• Deutsche Herzstiftung: Broschüre Bluthochdruck (2018)
https://www.herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/broschuere-bluthochdruck

•Verein Deutsche Hochdruckliga: Informationen für Betroffene
https://www.hochdruckliga.de/betroffene/uebersicht

Stand: 11.11.2020 07:05 Uhr