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Service: Vorsicht Bluthochdruck!

mit Dr. Mohsen Radjai, Facharzt für Allgemeinmedizin

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Service: Bluthochdruck | Video verfügbar bis 30.10.2020 | Bild: dpa

In Deutschland leiden rund 20 bis 30 Millionen an Bluthochdruck. Inzwischen ist der Anteil an Hypertonie-Patienten, die blutdrucksenkend behandelt werden, auf zwei Drittel angestiegen. Mit Tabletten therapiert, werden immerhin 50 Prozent.

Höhe des Blutdrucks

Die Höhe des Blutdrucks wird im Wesentlichen von zwei Faktoren bestimmt: von der Schlagkraft des Herzens und vom Durchmesser bzw. vom Spannungszustand der Arterien (Blutdruck = Herzzeitvolumen x Gefäßwiderstand). Der Blutdruck wird in zwei Werten gemessen: Der systolische Wert zeigt den höchsten Blutdruck in der Arterie an, der dann erreicht wird, wenn sich das Herz zusammenzieht und damit den Gefäßwiderstand überwindet. Der diastolische Wert gibt den niedrigsten Druck in der Arterie an, der dann erreicht wird, wenn sich das Herz entspannt und wieder mit Blut füllt. Ein optimaler Blutdruck sollte kleiner 120 zu 80 sein. Normal ist der Blutdruck noch mit 129 zu 84. An der Grenze ist ein Blutdruck von 130 bis 139 zu 85 bis 89 (hochnormal). Man spricht von Bluthochdruck 1. Grades bei 140 bis 159 zu 90 bis 99. Diese angegebenen Werte stellen flexible Richtwerte dar, die vom Arzt nach dem Risikoprofil des Patienten individuell bewertet werden müssen. Ein Beispiel: Wenn ein Patient zuckerkrank oder nierenkrank ist, gilt der hochnormale Blutdruck bereits als gefährlicher Bluthochdruck.

Hoher Blutdruck

Bluthochdruck ist in Deutschland wie in den meisten industrialisierten Ländern eine der Hauptursachen dafür, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nummer 1 sind. In Deutschland leben etwa 10 Millionen Menschen, die einen zu hohen Blutdruck haben. Es wird vermutet, dass weitere 10 Millionen an Bluthochdruck leiden, ohne es zu wissen. Hypertonie, so der medizinische Fachausdruck, schadet dem Herz und den Gefäßen. Ein zu hoher Blutdruck tut nicht weh, deshalb nennt man Bluthochdruck ja auch die „schleichende Gefahr“. Ab dem 60. Lebensjahr hat ungefähr jeder Zweite zu hohe Blutdruckwerte und viele wissen es gar nicht. Um sich rechtzeitig vor den Folgen von Bluthochdruck zu schützen, ist die regelmäßige Blutdruckselbstmessung unerlässlich. Aber auch Menschen, die wegen ihres Bluthochdrucks behandelt werden, bringt die Selbstmessung Vorteile: Sie brauchen weniger Medikamente, weil der Bluthochdruck stärker ins eigene Bewusstsein rückt und wichtige nichtmedikamentöse Allgemeinmaßnahmen erfolgreicher umgesetzt werden.

Stress kann den Blutdruck ebenfalls in die Höhe treiben. Bei körperlicher Anstrengung steigt der Blutdruck ebenso an – allerdings nur kurzfristig: Langfristig wirken körperliche Aktivitäten blutdrucksenkend. Neben verschiedenen Medikamenten wie Schmerzmitteln und der Antibabypille kann auch der Missbrauch von Kokain den Blutdruck erhöhen. Folgende Krankheiten können auch Ursache für Bluthochdruck sein: Störungen des Hormonhaushalts, verschiedene Erkrankungen der Nieren und Nebennieren sowie eine Engstelle der Nierengefäße, die so genannte Nierenarterienstenose.

Vorbeugung

  • Es gibt verschiedene Maßnahmen, mit denen Sie den Blutdruck positiv beeinflussen können: Gewichtsreduktion steht ganz weit oben auf der Liste der Maßnahmen, die besonders wirkungsvoll sind. Bei einer Gewichtsabnahme von 10 kg können Sie mit einer Blutdrucksenkung von 15 mmHg systolisch und 10 mmHg diastolisch rechnen.
  • Bewegung ist ein wirksames Mittel, um den Kreislauf und den Stoffwechsel in Schwung zu bringen, Körperfett und Stress abzubauen, und Balsam für die Seele. Besonders geeignet sind Ausdauersportarten wie Gymnastik, Schwimmen, Radfahren oder Wandern. Intensives Krafttraining mit hohen Gewichten ist für den Blutdruck weniger geeignet. Wer bereits Bluthochdruck hat, sollte unbedingt das beabsichtigte Training mit seinem Arzt besprechen. Aber: Schon ein flotter Spaziergang tut dem Blutdruck gut. Wichtiger als die Intensität des Trainings ist die Regelmäßigkeit der eigenen Aktivität.
  • Eine salz- und fettarme Ernährung ist ebenfalls wichtig. Wenn Sie die tägliche Salzaufnahme um 3 g vermindern, können Sie damit langfristig Ihren systolischen Blutdruckwert um durchschnittlich 5 mmHg senken. Diese Salzreduktion erreichen Sie leicht, wenn Sie auf Fertigprodukte, die sehr viel Salz enthalten, möglichst verzichten, wenn Sie beim Kochen Salz durch Kräuter ersetzen und aufs Nachsalzen ganz verzichten.
  • Sie sollten außerdem möglichst wenig Alkohol zu sich nehmen, da Alkohol eine Blutdruck steigernde Wirkung hat.

Nikotin schädigt die Gefäße und fördert die Entstehung von Arteriosklerose. Wenn Sie Bluthochdruck haben und rauchen, ist Ihr persönliches Risiko, z. B. einen Schlaganfall zu erleiden, um ein Vielfaches erhöht.

Literatur

Literatur

Gotzen, R.; Lohmann; F.: Hoher Blutdruck
Steinkopff-Springer Verlag, ISBN:37985-1216-7

Middeke, M.: Bluthochdruck: Endlich gute Werte
Trias-Verlag, Stuttgart

Radaj, M; Müller U.; Bleiben Sie herzgesund, Herzlichst Dr. Mo
2015; 160 S. , 45 Abb. , broschiert, ISBN: 9783830482390

Stand: 07.11.2019 19:36 Uhr

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