SENDETERMIN Di., 31.03.20 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Digitale Kontaktpflege

Mit Dennis Horn, Digital-Experte

PlayKontaktverbot, Corona, alleine zu Hause, digitale Kontaktpflege
Service: Digitale Kontaktpflege | Video verfügbar bis 31.03.2021 | Bild: dpa

Schulen, Kindergärten, Restaurants und die meisten Geschäfte sind zu. Der Kontakt zu anderen Menschen muss zurzeit auf ein absolutes Minimum beschränkt werden. Dank Smartphone, Tablet oder Computer kann man soziale Kontakte trotzdem pflegen. Neben Telefonaten mit einem oder mehreren Beteiligten können Videoanrufe eine Alternative sein. MOMA-Digital-Experte Dennis Horn zeigt, wie einfach eine Telefonkonferenzen funktioniert und welche Möglichkeiten es gibt, über Video zu chatten.

Sprachtelefonate

Das klassische Telefonat feiert ein Comeback: Telefonanbieter melden zurzeit eine starke Zunahme von Telefongesprächen. Telefonieren ist auch mit mehreren Teilnehmern möglich.

Die meisten Festnetztelefone verfügen über eine „R“-Taste (Rückfrage-Taste). Wird diese Taste während eines Gesprächs gedrückt, kann eine weitere Telefonnummer angewählt und mit der "R"-Taste, gefolgt von der Zifferntaste "3" hinzugeschaltet werden. So lässt sich eine Konferenzschaltung mit drei Teilnehmern führen."

Das funktioniert auch beim Smartphone mit der Funktion „Anruf Hinzufügen“. Anders als beim Festnetz ist es auch möglich, mit mehr Teilnehmern zu konferieren. Manche Anbieter ermöglichen Konferenzen auch in größerer Runde – allerdings in der Regel gegen einen Aufpreis.

Videotelefonate

Über Messenger wie "WhatsApp" lassen sich auch Videoanrufe im Handumdrehen auf dem Smartphone starten. Dazu einfach im Chat oben rechts auf das Kamerasymbol tippen, schon beginnt das Videotelefonat. Ganz ähnlich funktioniert es beim Messenger "Signal" und dem von "Facebook".

Bei Apple ist die Videotelefonie "FaceTime" ins System integriert. Dafür muss diese Funktion einmalig in den Einstellungen aktiviert werden. Diese Videotelefonie ist ausschließlich zwischen Apple-Geräten möglich.

Google betreibt die Video-Chat-App: "Google Duo". Das geht auch ohne Google-Account. Die Registrierung funktioniert über die Telefonnummer.

Darüber hinaus gibt es Messenger und Videotelefonie-Möglichkeiten, für die keine Anmeldung und Preisgabe persönlicher Daten nötig ist. Grundsätzlich sollte man sich – wie bei der Nutzung jeder Software und Onlinedienste – über die Datenschutzbestimmungen des jeweiligen Programms informieren.

Videokonferenzen und Zusammenarbeit

Wer eine Konferenz mit mehreren Teilnehmern halten möchte, kann Dienste wie Microsoft Teams oder Skype zurückgreifen. Microsoft Teams ist eine Plattform, die Chat, Besprechungen, Notizen und Anhänge kombiniert. Der kostenpflichtige Dienst ist in die Office-365-Office-Suite integriert. Er erlaubt die Zusammenarbeit mit mehreren tausend Teilnehmer, weswegen es auch von Firmen eingesetzt wird.

Auch "Zoom" – ein Anbieter für digitale Meetings – wird im privaten Bereich genutzt. Hier sind Videokonferenzen bis zu 40 Minuten kostenlos. Datenschützer warnen allerdings vor der Anwendung: „Aus Datenschutzsicht ist dieses Tool durchaus kritisch zu sehen", sagte der Hamburger Landes-Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar dem „Handelsblatt“ (31.3.20). Die Software biete eine Funktion, mit der Konferenzleiter die Aufmerksamkeit der Teilnehmer überwachen können. Zudem finde während der Nutzung der App ein "nicht unerheblicher Datenabfluss" statt. 

Möglich sind auch kombinierte Video- und Telefonkonferenzen. So kann beispielsweise der Opa eine Telefonnummer wählen, einen Code über die Tasten des Telefons eingeben – und akustisch und auch ohne Smartphone - an einer laufenden Videokonferenz der Enkel teilnehmen.

Kostenfrei und Open Source

Wer nicht auf die Systeme kommerzieller Anbietern zurückgreifen möchte, kann bespielsweise den Dienst „Jitsi Meet“ nutzen. „Jitsi“ ist eine quelloffene Software, die Videokonferenzen mit einem oder mehreren Teilnehmern ermöglicht. Sie funktioniert im Web-Browser oder über die gleichnamige App (verfügbar im F-Droid-Store, für Android und iOS). Das Besondere: Für die Nutzung muss man keine persönlichen Daten angeben und sich nicht registrieren.

Eine weitere kostenlose Plattform für Video-Meetings ist "Whereby". Es funktioniert mit Google Chrome, Firefox und Opera und ist als App für Android iOS-Geräte erhältlich. "Whereby" unterstützt auch ältere Betriebssysteme.

Datenschutz und IT-Sicherheit

Wer gerade zurzeit Messenger-Dienste und Video-Chat-Anwendungen verstärkt nutzen und neue Programme installieren oder ausprobieren möchte, sollte den Schutz seiner persönlichen Daten bedenken. Viele Dienste, auch die der großen Plattformen, kosten zwar kein Geld, aber die eigenen Daten – zum Beispiel, weil man sich für die Nutzung registrieren oder Kontakte aus dem eigenen Adressbuch für die Anwendung freigeben muss.

Einige Anbieter bieten zurzeit an, ihre Dienste für einen begrenzten Zeitraum kostenlos zu nutzen. Auch hier sollte man vorher abwägen, in wieweit man auf solche Angebote zurückgreifen möchte. Und in wieweit der Schutz eigener Daten und Privatsphäre durch die betreffenden Plattformen gewährt wird. Der Verein "Digitalcourage" hat mehrere Anbieter unter diesem Aspekt untersucht und eine Liste für Verbraucher zusammengestellt.

Weitere Informationen

Verein Digitalcourage: Vernetzt bleiben trotz Corona – datensparsame Tools fürs Homeoffice
https://digitalcourage.de/blog/2020/corona-homeoffice-tipps

Mike Kuketz – Nicht-Kommerzieller Blog für IT-Sicherheit und Datenschutz
Regelmäßige Informationen über die Datensicherheit und Privatsphärenschutz von Messenger-Diensten und Anbieter von Videokonferenzen
https://www.kuketz-blog.de/

NDR: In Corona-Zeiten mit Video-Chats in Kontakt bleiben (25.3.20)
https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/In-Corona-Zeiten-mit-Video-Chats-in-Kontakt-bleiben,videochat156.html

Digitalkompass zur Corona-Krise: Diese digitalen Angebote helfen Ihnen im Alltag - Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und Deutschland sicher im Netz e.V. in Partnerschaft mit der Verbraucher Initiative mit Förderung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz.
https://www.digital-kompass.de/

§  Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit Baden-Württemberg: Datenschutzfreundliche technische Möglichkeiten der Kommunikation (27.3.20) 
https://www.baden-wuerttemberg.datenschutz.de/datenschutzfreundliche-technische-moeglichkeiten-der-kommunikation/

Stand: 31.03.2020 06:51 Uhr