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Service: Das richtige Fitnessstudio

mit Stephan Geisler, Sportwissenschaftler

PlayFitnessstudio, Training
Service: Das richtige Fitnessstudio | Video verfügbar bis 03.02.2021 | Bild: WDR

Weltweit gibt es über 200.000 Fitnessclubs mit steigender Tendenz. In Deutschland sind es fast 10.000 und damit sind wir in Europa Spitzenreiter. In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Zahl der Mitglieder in Fitnessstudios fast verdreifacht. Hierzulande trainieren mehr als elf Millionen Menschen in einem Fitnessclub.

Ein Problem gibt es allerdings: Es gibt in der Fitnessbranche kaum Regelungen oder staatliche Vorgaben, die festlegen, wer überhaupt Fitness anbieten darf. Im Prinzip kann jede*r ein Fitnessstudio eröffnen oder als Trainer*in arbeiten, ohne irgendeinen Nachweis über eine Qualifikation zu erbringen. Lediglich im Bereich des Präventionsgesetzes §20 gibt es Vorgaben, wenn Trainer*innen Kurse bei Kostenträgern als abrechnungsfähig darstellen wollen (Quelle: Geisler, DZSM, 02/2020).

Die Wahl des Fitnessstudios sollten Sie immer erst nach einem Probetraining treffen und dabei folgende Fragen im Kopf haben:

Was erwarte ich von einem Fitnessstudio?

Wer gesundheitlich vorgeschädigt ist, also Rückenschmerzen, Herzprobleme oder andere gesundheitliche Schwierigkeiten hat, sollte nach einem gesundheitlich orientierten Fitnessstudio suchen, oder eines, das an eine Reha-Einrichtung angegliedert ist. Wem es um Muskelaufbau geht, kann sich an den Geräten orientieren und auch durchaus in einem „Fitnessdiscounter“ trainieren. Freizeitsportler*innen sollten darauf achten, dass es mehrere Angebote gibt. Zum Beispiel: Kletterwände, Urbanfitness in Parks, Cycling-Einheiten oder Schwimmhallen.

Wie erkenne ich die Qualität der Trainer*in?

Leider gibt es keine Richtlinien, was Trainer*innen können müssen oder wer sich Trainer*in nennen darf. Deshalb ist es wichtig, dass Sie fragen, welche Qualifikation der Trainer oder die Trainerin hat. Angeraten wäre, dass mindestens eine Person im Studio Sportwissenschaft studiert hat oder Physiotherapeut*in ist. Ebenso wichtig: Alle sollten trainerlizensiert und nicht nur studiointern geschult sein. Weiteres Gütekriterium: Hört der/die Trainer*in zu? Geht sie/er auf Ziele, Wünsche und gesundheitliche Probleme ein?

Welches Angebot möchte ich?

Das Angebot muss zu Zielen und Wünschen passen. Sind viele junge Eltern im Studio, sollte es auch eine Kinderbetreuung geben. Wenn Sie kraftorientiert trainieren, aber keine Freihanteln vorhanden sind, dann macht das in diesem Studio keinen Sinn. Wer gerne schwimmt, braucht ein Schwimmbad. Gleiches gilt für das Kursangebot. Rückenpräventionskurse gemäß dem Präventionsgesetz erfordern Trainer*innen, die die Vorgaben erfüllen.

Wer wettkampforientiert trainiert, muss ein Crossfit-Studio suchen. Wer beruflich oder generell viel unterwegs ist, sollte eine Kette wählen, die in vielen Städten vertreten ist. Wer soziale Kontakte knüpfen möchte, sollte Kurse belegen oder ein Studio wählen, das Gruppeneinweisungen macht, damit die Teilnehmer sich untereinander kennenlernen können.

Das Wichtigste: Sie müssen sich wohlfühlen. Trainer*in und Clubmitglieder deshalb genau anschauen. Wenn Sie etwas als unangenehm wahrnehmen, sollten Sie lieber ein anderes Studio wählen.

Wie teuer ist das?

Die Kosten richten sich nach dem Angebot. Es geht bei den so genannten Discounterfitnessstudios bei monatlich 15 Euro los und steigert sich bis zu 100 Euro im Monat, die in den Premium-Fitnessstudios fällig werden. Wichtig sind die Vertragsmodalitäten: Keine "Knebel-Verträge" abschließen, lieber maximal eine Vertragslänge von zwölf Monaten wählen. Ebenso sollte die Kündigungsfrist nicht mehr als drei Monate betragen.

Wie weit sollte das Fitnessstudio entfernt sein

Möglichst nah am Wohnort. Erfahrungsgemäß fällt es den meisten leichter, dann auch wirklich ins Studio zu gehen. Wenn das Studio nah am Arbeitsplatz liegt, kann man einfacher nach der Arbeit oder in der Mittagspause zum Training gehen.

Mehr Infos

Weitere Informationen

Deloitte. Der deutsche Fitnessmarkt – Studie 2019
https://www2.deloitte.com/de/de/pages/presse/contents/Der-deutsche-Fitnessmarkt-2019.html

Pedersen BK, Saltin B. Exercise as medicine – evidence for prescribing exercise as therapy in 26 different chronic diseases
Scand J Med Sci Sports. 2015; Suppl.3: 1-72.

Geisler, S. : Fitness meets Science – Von der Zanderei bis zur Fitnesswissenschaft
Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin (DZSM), Februar 2020

Stand: 14.02.2020 15:19 Uhr

Sendetermin

Mo., 03.02.20 | 05:30 Uhr
Das Erste