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Service: Erben und vererben

mit Melina Maria Beu, Fachanwältin für Erbrecht

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Service: Erben und vererben | Video verfügbar bis 03.09.2020 | Bild: WDR

Jährlich werden in Deutschland rund 250 Milliarden Euro an Geld, Sachwerten und Immobilien vererbt. Doch was sollte man beim Vererben oder besser beim Verfassen des Testaments beachten? Wie muss der letzte Wille hinterlegt sein und wann sollte man einen Notar hinzuziehen?

Wer möchte, dass nach dem eigenen Tod die Menschen, die einem nahe stehen, gut versorgt sind, der sollte ein Testament verfassen. Das Gesetz regelt zwar die Erbfolge, doch diese entspricht nicht immer den Vorstellungen des Erblassers.

Testament

Das Testament regelt die Anordnungen und Bestimmungen, die nach dem Todesfall den Nachlass betreffen. Zum Beispiel wer als Haupterbe eingesetzt wird oder wer nur eine bestimmte Sache aus dem Nachlass erhalten soll. Jedermann darf selbst über seinen Nachlass verfügen. Ein Testament kann man selbst erstellen (eigenhändiges Testament). Es muss handschriftlich verfasst und unterschrieben sein und sollte eine Datums- und Ortsangabe enthalten.

Eine weitere Möglichkeit ist es das Testament von einem Notar erstellen zu lassen (öffentliches oder notarielles Testament). Egal welche der Möglichkeiten Sie nutzen, ein Testament kann jederzeit vom Aussteller widerrufen oder geändert werden. Um sicherzustellen, dass ein handschriftliches Testament im Todesfall in die richtigen Hände kommt, sollte es beim Amtsgericht hinterlegt werden.

Gemeinschaftliches Testament/Berliner Testament

Ein gemeinschaftliches Testament können nur Eheleute bzw. eingetragene Lebenspartner erstellen. Die Eheleute/Partner können in einem solchen Testament beide Erbfälle regeln. Verstirbt dann der erste von beiden, wird das Testament für den Längerlebenden bindend. Er kann also kein neues Testament mehr errichten. Wer dies nicht möchte, muss eine besondere Anordnung in das Testament aufnehmen.

Das gemeinschaftliche Testament muss ebenfalls handschriftlich gefertigt und von beiden Partnern unterschrieben werden. Dabei sollte auch unbedingt eine Orts- und Datumsangabe gemacht werden. Auch die Erstellung durch den Notar ist möglich. Ein gemeinschaftliches Testament kann nicht einseitig geändert werden. Will nur ein Partner das Testament ändern, ist die Hilfe durch einen Notar erforderlich. Wird die Ehe geschieden, verliert das gemeinschaftliche Testament fast immer seine Wirksamkeit.

Erbvertrag

In einem Erbvertrag werden zwischen mindestens zwei Vertragsparteien Regelungen für den Todesfall einer Vertragspartei getroffen. Anders als beim gemeinschaftlichen Testament müssen die Vertragsparteien keine Eheleute sein, sondern einen solchen Vertrag kann man mit einem beliebigen Dritten abschließen.

Ein Erbvertrag muss beim Notar geschlossen werden. Eine einseitige Änderung bzw. Rücktritt vom Erbvertrag ist in der Regel nicht möglich, es sei denn, entsprechende Möglichkeiten sind im Vertrag ausdrücklich mit aufgenommen.

Vermächtnis

Will der Erblasser einem Dritten nur einen bestimmten Gegenstand, ein Grundstück, ein Tier oder ein bestimmten Geldbetrag überlassen, kann er dieses im Testament durch ein sogenanntes Vermächtnis bestimmen. Der Vermächtnisnehmer ist kein Erbe.

Lebzeitige Übertragung/Vorweggenommene Erbfolge

Wer schon zu Lebzeiten seine Vermögensnachfolge regeln will, kann dieses im Wege vorweggenommener Erbfolge bereits weitergeben. Dies verhindert Erbstreitigkeiten, wie sie unter Kindern oft vorkommen, wenn sich eines der Kinder ungerecht behandelt fühlt. Oft können hierdurch auch steuerliche Vorteile genutzt oder eine beabsichtigte Reduzierung von Pflichtteilsansprüchen erreicht werden.

Eine solche Ausgestaltung birgt aber auch Risiken. So kann es dazu kommen, dass sich die Eltern mit dem Kind später nicht mehr gut verstehen oder der Kontakt abbricht. Eine Rückgängigmachung der Übertragung ist dann in der Regel nicht mehr möglich.

Patchworkbeziehungen

Besondere Sorgfalt bei der Ausgestaltung des Testaments ist bei sogenannten „Patchwork-Ehen“ angebracht. Dabei leben die Eheleute in zweiter Ehe zusammen, wobei Kinder aus erster Ehe und/oder Kinder aus der neuen Ehe vorhanden sind. Bei solchen Formen des Zusammenlebens ist die Errichtung eines Testaments, welches die entsprechenden Besonderheiten hier berücksichtigt, unbedingt notwendig, da es ansonsten zu ungewollten Benachteiligungen kommen kann. Besondere Erbeinsetzungen, wie die Anordnung einer sogenannten Vor- und Nacherbfolge, erlangen in diesem Zusammenhang oftmals Bedeutung.

Digitaler Nachlass

Wer heute einen Facebook-, Twitter- oder Google-Account hat, sollte regeln, was aus diesem „Digitalen Nachlass“ im Erbfall wird. Ein so genannter digitaler Nachlass ist heute in den meisten Fällen vorhanden.

Erbschaftssteuer/Schenkungssteuer

Erbschaften und Schenkungen unterliegen grundsätzlich der Steuerpflicht. Es gibt unterschiedliche Freibeträge, die sich daran orientieren, wie weit entfernt der Erbe mit dem Erblasser verwandt war.

Liegt der Wert der Erbschaft oder Schenkung innerhalb des Freibetrages, fällt keine Steuer an. Liegt der Wert darüber sind Steuern zu zahlen, die sich an der Höhe des Zugewandten orientieren.
Es gibt besondere Regelungen beim Vererben eines von Eheleuten gemeinsam bewohnten Eigenheims.

Durch eine lebzeitige Schenkung können ebenfalls Vorteile erzielt werden, z.B. durch das mehrfache Ausnutzen von Freibeträgen, steuerlicher Vorteile, die nur für Schenkungen gelten oder durch Einräumung eines Wohnrechts oder Nießbrauchsrechts.

Vorsorgevollmacht/Patientenverfügung

Neben der Vorsorge für den Todesfall ist es wichtig, auch das Risiko alterstypischer Krankheiten (wie Demenz) oder Pflegebedürftigkeit zu beachten. Aber auch im jungen Alter kann z.B. infolge eines Unfalls oder einer schweren Krankheit eine Situation eintreten, in der der Betroffene vorübergehend oder für längere Zeit nicht in der Lage ist, seine Angelegenheiten selbst zu regeln.

Für diese Fälle ist es wichtig, eine Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung errichten. Dabei gilt es aber auch, Risiken solcher Vorsorgemaßnahmen zu beachten. Patientenverfügungen müssen dabei den im letzten Jahr vom Bundesgerichtshof aufgestellten hohen Anforderungen genügen. Experten gehen davon aus, dass viele der heute bestehenden Patientenverfügungen unwirksam sind, weil sie nicht genau genug formuliert sind.

Stand: 03.09.2019 06:35 Uhr

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