SENDETERMIN Fr., 15.05.20 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Fahrrad fahren

mit Uta Lützner, Zweiradmechanikermeisterin

PlayFahrradtour
Service: Fahrrad fahren | Video verfügbar bis 15.05.2021 | Bild: dpa

Bald kommt der Sommer, und bei dem schönen Frühlingswetter fahren jetzt schon viele Menschen Fahrrad – im Alltag oder für Touren in der Freizeit. Wer sein Rad lange nicht benutzt hat, sollte es vor der ersten Fahrt sorgfältig reinigen und gründlich überprüfen. Das kann Pannen unterwegs verhindern. Kleinere Mängel kann jeder leicht selbst reparieren. Auch wenn das Rad den Winter über im Keller stand, sollte es überprüft werden. Denn feuchte Raumluft kann der Kette zusetzen.

Ausstattung

  • Grundsätzlich sollte das Fahrrad natürlich gemäß der Straßenverkehrsordnung StVZO ausgestattet sein: Scheinwerfer und weißer Reflektor vorne Rücklicht und zwei rote Reflektoren
  • zwei oder mehr gleichmäßig am Rad verteilte, gelbe Speichenreflektoren oder ein weiß reflektierender Ring am Reifen
  • zulässig sind auch weiß reflektierende Felgen oder Speichen
  • nach vorne und hinten wirkende gelbe Pedalreflektoren
  • eine helltönende Glocke
  • zwei voneinander unabhängige Bremsen (z.B. Felgenbremse vorn, Rücktrittbremse hinten)

Ausrüstung

  • feste Schuhe mit steifer Sohle (keine Strandschlappen)
  • praktische Kleidung, Radhandschuhe, Kopfbedeckung zum Schutz vor Kälte oder Sonne, Helm, Radbrille als Sonnen- und Insektenschutz
  • Packtaschen, Korb (am besten fest montiert auf dem Gepäckträger) Schloss, Luftpumpe Reifenheber, Flickzeug, Einweghandschuhe, Reserveschlauch/Blitzventile, Faltwerkzeug

Fahrradcheck

Zunächst steht ein ausgiebiger Frühlingsputz an, am besten mit Seifenwasser und Schwamm oder einem speziellen Fahrradreiniger. Benutzen Sie keine Dampf- oder Hochdruckreiniger, denn sie können den Lagern zusetzen. Ist das Fahrrad sauber, sollte es einer ausgiebigen Sicht- und Funktionskontrolle unterzogen werden. Die wichtigsten Überprüfungen:

1. Reifen: Sie sollten zumindest ein bisschen Profil aufweisen, um auf nassen Straßen über ausreichend Haftung zu verfügen. Am wichtigsten ist hier jedoch die Kontrolle auf Schäden (Schnitte, lose Drähte oder Fäden, sichtbares Gewebe) und Fremdkörper, die eventuell feststecken. Denn ein plötzlicher Luftverlust oder platzender Reifen können zu einem Sturz führen. Der Luftdruck sollte entsprechend den Angaben des Herstellers (siehe Reifenflanke, "inflate to", Angabe meist in bar und psi) eingestellt werden. Achten sie darauf, dass auch das Ventil gerade sitzt.

Der Luftdruck sollte entsprechend den Herstellerangaben ( siehe Reifenflanke inflate to Angabe in bar und psi ) auf den Maximalwert eingestellt werden. Gut aufgepumpte Reifen drücken Fremdörper auf der Straße eher weg, als sie einzubetten!

Reifen, die bei korrektem Druck an der Flanke Beulen aufweisen, nicht gleichmäßig sitzen oder zu platzen drohen, sollten ausgetauscht werden.
Reifen, die den Test nicht bestanden haben, sollten unbedingt ausgewechselt werden. Günstige Fahrradreifen sind für weniger als 15 Euro zu haben.

2. Felgen und Räder: Überprüfen Sie beide auf Beschädigungen. Achten Sie darauf, ob die Felgen „dünn gebremst“ sind. Auch hochwertige Felgen haben Verschleißindikatoren (z.B. eine dünne Rille, die nicht weggebremst sein darf). Alle Speichen sollten vorhanden und ausreichend gespannt sein – sie sollten sich beim Hineingreifen praktisch nicht gegeneinander bewegen lassen. Hat das Rad einen Höhen- oder Seitenschlag ("Ei“, "Achter“)? Sind die Schutzbleche unbeschädigt? Haben die Lager kein Spiel und laufen ohne Geräusche?

3. Bremsen: Diese sollten Sie sehr gründlich überprüfen. Wenn Bremsen versagen, können Stürze und Verletzungen die Folge sein. Verfügen die Bremsbeläge über ausreichend Gummi und sind die Vertiefungen noch zu erkennen? Bremsen sie noch ausreichend, ohne zu schleifen und zu quietschen? Laufen die Züge leicht? Die Außenzüge sollten unbeschädigt und die Innenzüge weder verrostetet noch gespleißt sein. Im Zweifel sollten Sie die Beläge austauschen und die Bremse neu einstellen. Diese Reparatur kann auch selbst vorgenommen werden.

4. Antrieb: Ist die Fahrradkette über die kalten Monate braun geworden? Wenn ja, hat Rost der Kette zugesetzt, dann sollten unbewegliche Kettenglieder beweglich gemacht (Kriechöl) oder die Kette ausgetauscht werden. Wer sie nach jeder Regenfahrt trocknet und alle paar Wochen mit Kettenöl fettet, kann sie über mehrere Jahre fahren.

Checken Sie auch, ob die Gänge sauber schalten. Die Zahnräder (Ritzel und Kettenblätter) sollten unverschlissen sein und symmetrische Zahnkonturen aufweisen. Achten Sie auf ungewohnte Geräusche und darauf, ob die Pedale sich leicht und leise drehen.

5. Beleuchtung: Funktionieren Dynamo und alle Lampen? Lieben die Kabel so eng am Rahmen an, dass sie nicht abgerissen werden können? Achten Sie hier darauf, dass sie für einen Volleinschlag des Lenkers ausreichend Spiel haben.

6. Sattel: Die Decke des Sattels sollte unbeschädigt sein.

7. Federung: Arbeitet die Federung, ohne zu haken? Ist am Öldruckdämpfer (sofern vorhanden) Öl ausgetreten? Stimmt der Luftdruck bei Luftdruckfederungen? Sind die Standrohre (Rohre einer Federgabel, die beim Einfedern in die so genannten „Tauchrohre“ hineingeschoben werden) und die Dichtungen sauber? Schutzhüllen können Verschmutzung vermindern und die Lebensdauer der Federung verlängern. Es sollte regelmäßig kontrolliert werden, ob sich unter den Hüllen Schmutz sammelt, das gilt auch für Gabeln, die ab Werk mit Schutzhüllen (meist Faltenbälge) ausgerüstet sind.

8. Rahmen: Hat der Fahrradrahmen Rostflecken? Rostumwandler kann auf leichten Rost aufgetragen werden, er beinhaltet eine Grundierung. Anschließend kann mit (klarem) Lack überlackiert werden. Bei viel Rost am Rahmen und schweren Beschädigungen könnte ein neues Fahrrad sinnvoll sein.

9. Schrauben: Sitzen alle Schrauben am Rad fest?

10. Lenker: Ist der Lenker festmontiert (verdrehsicher) und frei von Einkerbungen? Am besten bauen Sie den Lenker aus, um ihn gründlich zu begutachten. Oft brechen Lenker direkt an der Nahtstelle zum Vorbau. Dieses Problem ist aber nur beim Demontieren zu erkennen. Hat der Lenker kein Spiel im Rahmen? Blockieren Sie mittels Bremse das Vorderrad und schieben Sie dann das Fahrrad leicht vor und zurück. Wenn Sie nun am Übergang der Gabel in den Rahmen Lagerspiel spüren, sollte der Steuersatz überprüft werden. Lenker sind Verschleißteile und sollten je nach Beanspruchung nach einigen tausend Kilometern Fahrt ausgetauscht werden.

Fahrradkauf

Wer ein Fahrrad kaufen möchte, sollte sich einen Überblick über Modelle und Marken verschaffen. Fachhändler bieten im Vergleich zu Online-Shops den Vorteil kompetenter Beratung. Im Laden kann man Räder anschauen, anfassen und probefahren. Um das passende Fahrrad zu finden, sollte man sich nicht nur auf das Urteil des Verkäufers verlassen, sondern für sich im Vorfeld einige Fragen klären.

  • Was will/kann ich ausgeben?
  • Für was brauche ich das Rad?
  • Wie fit bin ich?
  • Eignet sich vielleicht eher ein E-Bike?

Weitere Informationen

• RBB Zibb Service: Der Frühjahrscheck fürs Fahrrad (4.5.20)
https://www.rbb-online.de/zibb/service/technik/fahrrad-check.html

• Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club
http://www.adfc.de

• WDR-Schwerpunkt Fahrradfahren: Informationen und Wissenswertes rund um Fahrräder
https://www1.wdr.de/verbraucher/uebersicht-fahrraeder-100.html

• Bundesverkehrsministerium: Radverkehr in Deutschland Zahlen, Daten, Fakten
https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Publikationen/K/radverkehr-in-zahlen.pdf?__blob=publicationFile

https://de.statista.com/themen/173/fahrrad/

https://www.pd-f.de/2019/04/24/8830_fahrrad-kaufen-leicht-gemacht-tipps-worauf-man-achten-sollte/

• Stiftung Warentest: Fahrradreparaturen - Auch für E-Bikes
ISBN: 978-3-86851-481-0, 24,90 Euro.
https://www.test.de/shop/freizeit-verkehr/fahrradreparaturen-sp0374/

Stand: 15.05.2020 07:12 Uhr

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