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Service: Gutes Deutsch

mit Prof. Dr. Henning Lobin, Leibniz-Institut für Deutsche Sprache

Playzwei Kinder lesen im Duden, deutsche Sprache
Service | Video verfügbar bis 16.02.2022 | Bild: dpa / Frank May

Sprache verändert sich, gesprochen und geschrieben. Gesellschaftliche Entwicklungen beeinflussen Sprache genauso wie neue Kommunikationsmöglichkeiten. Mails und Kurznachrichten ersetzen Geschäftsbriefe, Emojis manchmal ganze Sätze. Wörter entstehen neu oder werden nicht mehr gebraucht, um auch sprachlich Zeichen für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung zu setzen. Wie drücke ich mich richtig aus? Wo gilt welche Grammatik – und wo ist sie im Alltag weniger wichtig?

Drei Fragen der Kommunikation

Aus Sicht von Sprachwissenschaftlern des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim stellen sich für den "guten Ton", gesprochen oder geschrieben, immer nur drei Fragen:

  1. Mit wem kommuniziere ich? Was erwarte ich von dieser Person und was erwartet sie von mir? Und in welchem Verhältnis stehen die Personen zueinander?
  2. Auf welche Art wird kommuniziert? Schriftlich oder mündlich? In welchem Format, also Brief, Gespräch, E-Mail oder WhatsApp? Und welche formalen Bedingungen sollte man beim jeweiligen Format einhalten?
  3. Mit wem kommuniziere ich?

Grundsätzlich gilt in Deutschland sprachliche Freiheit. Denn bei uns gibt es keine Behörde, kein Institut oder keine Akademie die die "offiziellen" Wörter im Deutschen und eine "offizielle" Grammatik festlegt.

Allerdings legt der Rat für deutsche Rechtschreibung, in dem alle sieben deutschsprachigen Länder bzw. Regionen vertreten sind (Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien, Südtirol, Liechtenstein, Luxemburg), eine offizielle Rechtschreibvariante für deutsche Wörter fest. Sie ist in Deutschland, aber nur für Schulen und Behörden verbindlich.

Was muss ich bei der digitalen Kommunikation beachten?

Gerade hier hat sich sprachlich in den letzten Jahren viel getan. Inzwischen ist eine E-Mail fast zum "Standard-Brief" geworden. Hier hat sich ein formeller Charakter etabliert. In der Mail erwartet man Grußformel, Anrede und Signatur. Sie liegt damit im Rang eines Geschäftsbriefs und sollte formell sein, was die Sprachwahl beinhaltet.

Lockerer kann Kommunikation in SMS oder Messengern sein, das Umfeld ist eher privat. Dementsprechend rücken Genauigkeit der Rechtschreibung oder formelle Anrede in den Hintergrund. Emojis ersetzen Wörter oder Sätze. Sie gehören zwar eigentlich nicht zur Sprache, verstärken aber Emotionen. Die zeigt man in der Regel nur den Menschen gegenüber, die man näher kennt. Man sollte sie eher um privateren Rahmen verwenden.

Wie schreibe ich korrekt?

In formellen Briefen oder E-Mails wird korrekte Rechtschreibung erwartet. Im privaten Umfeld kann man sie (gerade bei Messengern oder SMS) eher vernachlässigen. Dennoch wird sie in der Regel erwartet.

Wenn es um die Ansprache konkreter Personen geht, gilt grundsätzlich das Gebot der Höflichkeit. Wie möchte mein Gegenüber angesprochen werden? Halte ich mich nicht an die ungeschriebenen Regeln der Höflichkeit, kann mir das zwar niemand verbieten. Allerdings muss ich dann die Folgen in Kauf nehmen..

Wie schreibe ich geschlechtergerecht?

Auch in diesem Fall geht es eigentlich um Höflichkeit. Man sollte sich überlegen, wer wie angesprochen werden will und dies zur Grundlage des Sprachverhaltens machen. Frauen wollen vielleicht lieber als Frauen angesprochen werden ("Liebe Kundin") und nicht in der männlichen Form ("Lieber Kunde"). Ob man das auch bei anderen Geschlechtern so vermitteln will, kann und muss jeder selbst entscheiden.

So vielfältig wie die Meinungen und Lebensbedingungen sind, so vielfältig wird auch Sprache verwendet. Wichtig ist, Verständnis für sprachliche Vielfalt zu entwickeln und dann den eigenen Weg zu finden.

Weitere Informationen

• Deutscher Rechtschreibrat: Regeln und Wörterverzeichnis
https://www.rechtschreibrat.com/regeln-und-woerterverzeichnis/

• ARD alpha: Sinn und Aspekte der Grammatik (20.04.20)
https://www.ardmediathek.de/alpha/video/alpha-lernen-oder-deutsch/sinn-und-aspekte-der-grammatik/ard-alpha/

• Verein Gesellschaft für Deutsche Sprache: Sprachberatung
https://gfds.de/sprachberatung-3/

• WhatsApp, Facebook: So beeinflussen soziale Medien die deutsche Sprache (28.05.19)
https://www.swr3.de/aktuell/whatsapp-facebook-so-beeinflussen-soziale-medien-die-deutsche-sprache-102.html

Stand: 16.02.2021 08:11 Uhr

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