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Service: Die heilende Wirkung des Fastens

mit Prof. Andreas Michalsen, Naturheilkunde, Charité Berlin

PlayBrot, Wasser, Apfel, Symbolbild Fasten
Service: Die heilende Wirkung des Fastens | Video verfügbar bis 06.03.2020 | Bild: WDR

In allen Weltreligionen wird gefastet. Fasten gilt als Zeit der Einkehr und Besinnung und ist durch den freiwilligen Verzicht ein Ausdruck von Glauben und Demut. Zudem werden die Sinne geschärft und der Körper in einen wachen, klaren und euphorischen Zustand versetzt.

Neben den geistigen und spirituellen Effekten hat Fasten positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Das zeigen die Ergebnisse der weltweit ersten interdisziplinären Studie zum Fasten, die von der Charité Berlin in Zusammenarbeit mit der Universität Münster durchgeführt wurde.

Verschiedene Formen des Fastens

Grundsätzlich wird zwischen Intervallfasten und Heilfasten unterschieden.

Beim Intervallfasten wird – anders als beim Heilfasten – nicht tagelang gehungert, sondern nur in einem bestimmten Zeit-Fenster. Die Hungerphasen zwischen den Mahlzeiten werden ausgedehnt.

Eine beliebte Variante des Intervallfastens ist 16:8: dabei wird nur innerhalb von acht Stunden gegessen, die restlichen 16 Stunden wird gefastet. Empfehlenswert ist daher, früh zu Abend zu essen und spät zu frühstücken. Ein Teil der Fastenperiode fällt somit in die Nacht.

Beim klassischen Heilfasten wird für eine bestimmte Zeit auf Nahrung verzichtet. Das können mehrere Tage bis Wochen sein. Dabei ist auf reichliche Flüssigkeitszufuhr sowie ausreichend Bewegung und Entspannung zu achten. Das Heilfasten nach Buchinger gilt als die am häufigsten angewandte Fastenmethode. Dabei werden ausschließlich Gemüsebrühe, gesunde Säfte und Tees getrunken.

Religiöses Fasten

Fasten ist fester Bestandteil aller Religionen. Die christliche Fastenzeit dauert von Aschermittwoch bis Ostern. Juden haben sechs allgemeine Fastentage, der wichtigste ist Jom Kippur. Im Islam gibt es einen eigenen Fastenmonat, den Ramadan.

Buddhistische Mönche und Nonnen verzichten täglich nach zwölf Uhr mittags auf jegliche Nahrung und haben monatliche Fastentage. In der Bahá’í-Religion wird 19 Tage vor Frühlingsanfang gefastet.
Anders als beim klassischen Heilfasten sollen die Gläubigen in der Regel von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken verzichten. Hierbei handelt es sich um ein klassisches Intervallfasten, bei dem die Hungerphasen zwischen den Mahlzeiten ausgedehnt werden.

Allerdings wird beim religiösen Fasten auch nicht getrunken. Das galt bisher als nicht gesund. Die Ergebnisse der Bahá’í-Studie zeigen aber, dass dies - anders als bisher vermutet – beim Fasten tatsächlich günstige Effekte haben kann. Sowohl auf die Nieren als auch auf die Zellen.

Gesundheitliche Effekte des Fastens

Sowohl das Heilfasten als auch das Intervallfasten sind präventiv und therapeutisch hochwirksam. Das bedeutet: Fasten kann bestehende Krankheitssymptome mildern oder heilen sowie der Entstehung vieler Krankheiten vorbeugen.

In vielen Fachkliniken wird Heilfasten seit Jahren vor allem zur Behandlung von Rheuma und chronischen Schmerzerkrankungen mit Erfolg eingesetzt. Bei Diabetes, Bluthochdruck, Fettleber und erhöhten Blutfetten hilft es sehr erfolgreich.

Auch bei Nahrungsunverträglichkeiten, beim Reizdarmsyndrom, bei entzündlichen Darmerkrankungen, Allergien und sogar bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose kann es deutlich Beschwerden lindern und den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Im Immanuel Krankenhaus Berlin wird derzeit das Fasten auch als ergänzende Therapie bei Krebs unter Chemotherapie erforscht. 

Fasten und Abnehmen

Wenn wir eine Diät machen, möchte der Körper kein Gewicht verlieren und reduziert daher den Energieverbrauch. Essen wir nach der Diät wieder normal, kommt es oft zum sogenannten Jo-Jo-Effekt und die Kilos sind wieder drauf.

Beim Intervallfasten schaltet der Körper nicht in den Sparmodus! Das heißt, der Jo-Jo-Effekt tritt beim Intervall-Fasten nicht auf.
Auch beim Heilfasten zeigt sich, dass Menschen die längere Zeit gefastet haben, ihre alten Ernährungsgewohnheiten und ihren Geschmackssinn so sehr verändert haben, dass – bis auf wenige Ausnahmen – ein Jo-Jo-Effekt ausbleibt. Das macht Fasten zum Abnehmen erfolgreicher als alle Diäten!

Wie lange kann man fasten? 

Fasten bedeutet zunächst einmal nur, nichts zu essen. Logischerweise fasten wir also immer dann, wenn wir nichts essen. Nicht von ungefähr bedeutet das englische Wort für Frühstück "breakfast", Fastenbrechen.

Wie lange gefastet wird, ist ganz individuell. Ein gesunder Mensch kann unter medizinischer Kontrolle bis zu 40 Tage fasten. Die meisten Fastenkuren sind zwischen fünf und vierzehn Tage lang.

Intervallfasten kann dagegen regelmäßig ausgeübt werden. In den Religionen findet es einmal im Jahr in unterschiedlicher Länge statt.

Überraschende Ergebnisse aus der Tierforschung

Bei allen Lebewesen, vom Regenwurm bis Affen, hat sich gezeigt: Wenn diese Tiere intervallfastend gefüttert werden, verlängert sich ihre Lebenszeit im Schnitt zwischen 15 und 50 Prozent. Ein Menschenkönnte demnach 130 oder 140 Jahre alt werden. Ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen muss noch erforscht werden.

Fest steht aber schon heute: Regelmäßiges Fasten ist gesund und kann vielleicht sogar unsere Lebensspanne verlängern

Weitere Informationen

Literatur:

Professor Dr. Andreas Michalsen: Mit Ernährung heilen - Besser essen, einfach fasten, länger leben
Insel Verlag 2019, 24,95 Euro
ISBN:3458177906 
EAN: 9783458177906

Stand: 06.03.2019 07:22 Uhr

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