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Service: Hormone

mit Sheila De Liz, Gynäkologin, Bloggerin und Buchautorin

PlayHormone, Tabletten
Service: Hormone  | Video verfügbar bis 07.12.2021 | Bild: WDR

Stress und Angst können den Hormonhaushalt durcheinanderbringen. Hautunreinheiten, Hitzewallungen oder Abgeschlagenheit können die Folgen sein. Immer hormonell bedingt sind Pubertät und Wechseljahre, die zum Beispiel mit Gewichtszunahme oder Stimmungsschwankungen einhergehen. Bei diesen Beschwerden stellt sich bei Frau oder Mann die Frage, ob sie nicht "einfach" mit Hormonen zu behandeln sind.

Hormone

Hormone werden von endokrinen Drüsen, z.B. der Schilddrüse oder der Hirnanhangdrüse, aber auch von bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, "endokrin" ausgeschüttet, das heißt nach "innen" in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben "exokrine" Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach "außen" ab.

Wechseljahre

Die Eierstöcke bilden immer weniger des Hormons Östrogen und es kommt zu Unregelmäßigkeiten im Zyklus. Nach der letzten Monatsblutung ist die Menopause erreicht.

Hitzewallungen und Schweißausbrüche gehören neben weiteren Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und Gewichtszunahme dazu. Die ersten Veränderungen in Sachen Wechseljahre treten bereits mit Ende 30 auf, auch wenn man noch eine regelmäßige Monatsblutung hat, meint Sheila De Liz.

Das mache sich dann meist dadurch bemerkbar, dass der Schlaf schlechter werde oder die Frau plötzlich zum Beispiel Migräne bekomme. Auch Herzrhythmusstörungen oder Gelenkschmerzen könnten bei Frauen in diesem Alter hormonelle Ursachen haben.

Studien zufolge nehmen Frauen in den Wechseljahren zwischen 2,5 und 5 Kilogramm zu – bei vielen ist es aber auch deutlich mehr. Das liegt dann aber nicht nur an den Hormonen. Gründe liegen auch im sinkenden Energiebedarf und dem Rückgang an Bewegung.

Wechseljahre bei Männern

Auch Männer können darunter leiden. Bei Männern verursacht die hormonelle Umstellung ähnliche Symptome: eine Verminderung der Sexualfunktion, Abnahme der Muskelmasse, Zunahme des Bauchfetts, vermehrten Haarausfall und eine depressive Gemütslage, bei Männern vollzieht sich diese Veränderung aber allmählich und nicht so abrupt wie bei den Frauen. (Quelle: https://www.netdoktor.de/wechseljahre/beim-mann/)

Verursacher

Östrogen, Progesteron und Testosteron sind Ursache all dieser Probleme. Sind diese Hormone im Körper ausgeglichen, gibt es kein Problem. Verändert sich das Gleichgewicht, wirkt sich das häufig auf alle Lebensbereiche aus.

Menopause

Unser Bild von der Menopause sei hoffnungslos veraltet. Das meint die Gynäkologin Sheila de Liz. Sie möchte das ändern – und aufklären. Sie meint, die Wechseljahre seien eine Chance für den Neuanfang. Sollten die Beschwerden zu schlimm werden, können sie behandelt werden.

Die weiblichen Hormone sinken und das verändert den Körper der Frau immens. Lagern Frauen bis dahin hormonbedingt das Fett eher an den Hüften, am Po und an den Oberschenken an, bilden sich nun vermehrt Fettpolster am Bauch, vergleichbar mit dem männlichen Bierbauch.

Behandlung Wechseljahre

Wechseljahre sind keine Krankheit: Es ist normal, dass im mittleren Alter die Hormonspiegel sinken. Zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden werden zahlreiche pflanzliche Präparate angeboten. Ihr Nutzen ist bisher nicht belegt. Am besten untersucht sind Produkte der Traubensilberkerze sowie Produkte, die pflanzliche Östrogene enthalten, sogenannte Phytoöstrogene. Sie sind beispielsweise in Präparaten auf Sojabasis enthalten. Nach dem Absetzen können die Beschwerden wieder zurückkehren.

Welche Hormone werden eingesetzt?

Seit einigen Jahren werden zudem "bioidentische" oder "natürliche" Hormone beworben. Sie werden aus pflanzlichen Ausgangsstoffen, zum Beispiel der Yamswurzel, hergestellt . Sie haben die gleiche biochemische Struktur wie menschliche Hormone. Solche Hormone werden zum Teil als Fertigpräparate angeboten, zum Teil auch in der Apotheke einer französischen Kohortenstudie zu vernachlässigen. (Fournier.A; Berrino F., "Risk for breast cancer associated with different hormone replacement therapies - results from the E3N Cohort Study" 2008. Siehe auch: Stute, P.: "Is breast cancer risk the same for all progesterones?" Arch. Gynecol. Obstetr. 2014)

Männer und Hormone

Bei Männern haben Hormone Einfluss auf die Stimmung. Serotonin oder Cortisol führen zu schlechter Laune. Testosteron verursacht eher eine draufgängerische Stimmung.
Männer haben auch wie Frauen einen Tag-Nacht-Rhythmus und wenn der zum Beispiel durch Nachtarbeit gestört wird, können sie genauso übergewichtig und depressiv werden.

Laut Studien haben beide Geschlechter ebenso häufig Probleme mit der Psyche. Sie brechen sich nur anders Bahn: Frauen haben häufiger Angststörungen und Depressionen, Männer eher Süchte oder Aggressionsstörungen. Setzen Bodybuilder ihre Steroide ab, bekommen sie deshalb zum Teil Depressionen – manchmal auch schon während sie die Steroide noch nehmen, weil die Hormone aus dem Gleichgewicht sind.

Männer haben hormonelle Schwankungen, auf jeden Fall im Verlauf des Tages, des Jahres und über das Leben hinweg. Die Spermienqualität ist zum Beispiel früh am Morgen am besten.

Weitere Informationen

• Risk for breast cancer associated with different hormone replacement therapies - results from the E3N Cohort Study
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2211383/

• Feministisches Frauen Gesundheitszentrum, Broschüre zu den Wechseljahren
https://www.ffgz.de/index.php?id=251

• Gesundheitsinformation.de
https://www.gesundheitsinformation.de/hormontherapie-gegen-wechseljahrsbeschwerden.2171.de.html?part=behandlung-o2

• Eine Broschüre zum Thema gibt es unter
http://www.endokrinologie.net/files/download/hormontag/hormontag-2016.pdf

• HR-Ratgeber
https://www.hr-fernsehen.de/sendungen-a-z/die-ratgeber/sendungen/die-ratgeber--bioidentische-hormone,sendung-99808.html

• HR Hessenschau
https://www.hessenschau.de/gesellschaft/ohne-scham-und-tabus-frauenaerztin-de-liz-will-ueber-frauen-und-ihren-sex-aufklaeren,sheila_de_liz_wiesbaden-100.html

• Deutschlandfunk Kultur
https://www.deutschlandfunkkultur.de/buecher-ueber-die-wechseljahre-es-gibt-nichts-zu-verstecken.1270.de.html?dram:article_id=484867

• SWR1 Kultur
https://www.swr.de/swr1/bw/swr1leute/sheila-de-liz-106.html

• ARD Audiothek
https://www.ardaudiothek.de/leute/dr-sheila-de-liz-gynaekologin/80303548

• Deutschlandfunk Kultur:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/gynaekologin-sheila-de-liz-ueber-wechseljahre-da-herrscht.976.de.html?dram:article_id=485847

• Deutschlandfunk Kultur
https://www.deutschlandfunkkultur.de/menopause-die-suche-nach-dem-richtigen-weg-durch-die.976.de.html?dram:article_id=448368

Stand: 07.12.2020 07:27 Uhr