SENDETERMIN Do., 11.11.21 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Loslassen

mit Romy Hausmann, Buchautorin und Bloggerin

PlayLoslassen, Abschied, Symbolbild
Service: Loslassen | Video verfügbar bis 11.11.2022 | Bild: WDR

Die Trennung vom Partner, der Verlust eines geliebten Menschen, der Wechsel des Arbeitsplatzes oder ein Umzug - alles hat mit großen und kleinen Abschieden und loslassen zu tun. Die Fähigkeit loszulassen ist eine der wichtigsten Lektionen des Lebens: Je besser uns das gelingt, desto freier und gelassener können wir leben.

Was uns davon abhält, loszulassen

Einfach gehen, wenn man genug hat, wenn das Feuer erloschen und die Zeit abgelaufen ist. Nicht immer im Leben ist Weitermachen eine Option. Da ist die Beziehung, die nirgendwo hinführt. Der Mitarbeiter, der gekündigt werden muss, oder der Job, den man selbst kündigen will. Es ist Zeit zu gehen, wenn jeder Tag nur noch ein Kampf ist. Und auch wenn es wehtut und Angst macht. Alles ist Veränderung. Nichts bleibt. Und Abschiede gehören unweigerlich dazu. Das Leben selbst macht es uns vor, indem es mit dem Tod endet. Daran können wir nichts ändern, wir können nur Frieden damit schließen.

Trotzdem tun sich viele Menschen schwer loszulassen. Sie machen keinen sauberen Schnitt, bis sie merken, dass dadurch ein Neuanfang schwierig, manchmal sogar unmöglich ist. Wir Menschen sind Sammler, Loslassen ist nicht unsere größte Stärke. "Loslassen" assoziieren wir zuerst einmal mit Verlust und Verlust kann doch nichts Positives sein – denken wir zumindest.

Die Chance, neu anzufangen

Ohne das Alte zu beenden, kann es keinen Neuanfang geben. Unbekanntes im Leben macht oft nur Angst, solange wir es nicht ein paar Mal durchgespielt haben. Uns Hilfe geholt, mit Menschen geredet haben, die bereits einmal einen Neuanfang gewagt haben.

Vor allem ist es wichtig, nicht unsauber zu gehen. Sprechen Sie es aus. Schreiben Sie die Kündigung. Seien Sie ehrlich zu den Menschen, die Ihren Abschied betreffen und lassen Sie los. Auch wenn der Abschied wehtut. Noch schmerzhafter ist nur ein verschwendetes Leben.

Loslassen heißt vor allem auch zulassen

Oft versuchen wir, den Schmerz mit wilden Ablenkungsprogrammen zu verdrängen. Doch das hat möglicherweise nur einen kurzfristigen Effekt, und schlimmstenfalls kommt der Schmerz dann mit doppelter Wucht zurück.

Besser ist es, die negativen Gefühle anzunehmen, sie durchzustehen, sich das Leiden auch ruhig zu erlauben. Weinen Sie, wenn Ihnen danach ist. Verkriechen Sie sich im Bett, schalten Sie die Welt aus und einen traurigen Film an.

Das bedeutet nicht, dass Sie schwach oder ein/e Drama Queen/King sind. Negative Gefühle verlangen genauso viel Aufmerksamkeit wie positive und Schmerz braucht – wie bei einer Krankheit – Ruhe und Zeit, um auskuriert zu werden. Nur dann ist ein Neuanfang möglich.

Ein Spaziergang im Wald

In einer Umgebung, die mit dem Jahreszeitenwechsel stetig beweist, dass Veränderungen etwas ganz Natürliches sind, finden wir Trost. Die Bäume blühen, werfen ihre Blätter ab, werden kahl und knochig – aber nur bis zum nächsten Frühjahr. Sie leben uns vor, dass es immer weitergeht und ein Ende oft nur gefühlt wirklich endgültig ist.

Ein schriftliches Resümee

Egal, welche Veränderung Ihnen zu diesem Zeitpunkt zu schaffen macht, nehmen Sie sich ein Blatt Papier und ziehen Sie Resümee: Sie haben in Ihrem Leben schon andere Situationen überstanden, die Ihnen Angst machten oder die sich aussichtslos angefühlt haben. All diese Situationen gebündelt auf einem Stück Papier zu sehen, wird Ihnen Ihre Stärke ins Bewusstsein rufen.

Ängste konkretisieren

Manchmal verrennen wir uns in einem grundsätzlichen Gefühl von Angst oder Panik. Aber vor was genau haben wir eigentlich Angst? Die konkreten Punkte zu finden und aufzuschreiben, hilft beim lösungsorientierten Denken. Wenn A eintritt, was könnte ich tun? Wenn B eintritt, was dann? Situationen im Vorfeld geistig durchzuspielen, nimmt uns etwas von der Hilflosigkeit und gibt uns ein Stück weit das Gefühl von Kontrolle zurück.

Gespräche

Oft stecken wir selbst viel zu sehr in unserem eigenen Dilemma fest, um einen klaren Blick zu bewahren. Gespräche mit Außenstehenden können helfen, die Situation wieder in einen objektiveren Winkel zu rücken und neue Impulse geben.

Scheuen Sie sich auch bitte niemals, professionelle Hilfe zu suchen. Ein Umzug oder eine berufliche Veränderung sind etwas anderes als zum Beispiel ein Familienmitglied zu verlieren. Sie sind nicht schwach, wenn Sie sich entscheiden, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen – im Gegenteil.

Weitere Informationen

• Die Kunst wegzugehen: Wie man lernt, Abschied zu nehmen
https://mymonk.de/weggehen/

• Podcast: Wann Du etwas aufgeben solltest (und wann nicht)
https://mymonk.de/folge8/

• Abschied nehmen: Eine lebenslange Aufgabe mit Chancen und Risiken
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwjMhOrsjfzzAhWLOewKHa4DDNQQFnoECBwQAQ&url=http%3A%2F%2Fforum-seelsorge.de%2Fdownloads%2FKlessmann_Abschied&usg=AOvVaw20rwI04ItQTh517Hkx_sI9

Stand: 11.11.2021 07:41 Uhr

Sendetermin

Do., 11.11.21 | 05:30 Uhr
Das Erste