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Service: Nebenkostenabrechnung

mit Michael Sittig, Redakteur Stiftung Warentest

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Service: Nebenkostenabrechnung  | Video verfügbar bis 01.03.2022 | Bild: WDR

Keine Panik

Das Wichtigste ist, jetzt erst einmal ruhig zu bleiben und die Abrechnung ganz genau zu überprüfen: Der hessische Mieterbund geht davon aus, dass jede zweite Abrechnung irgendeinen Fehler aufweist. Deshalb sei es wichtig, dass man die Nachzahlung nicht einfach so hinnehme. Ein Jahr hat man Zeit, um Einspruch gegen die Abrechnung einzulegen, aber Achtung: Solange man die Nachzahlung nicht bezahlt, gerät man in einen Mietverzug. Eine gute Möglichkeit kann hier sein, die Rechnung erst einmal unter Vorbehalt zu bezahlen. Hierfür genügt ein Brief an den Vermieter oder die Vermieterin.

Hilfe suchen

Wer einmal eine Betriebskostenabrechnung in der Hand hatte, weiß, dass sie nicht unbedingt erhellend ist. Hier nicht durchzusteigen ist nichts, wofür man sich schämen müsste. "So eine Abrechnung ist nicht trivial. Für Laien ist es schwierig, da durchzublicken", sagt Michael Sittig von Stiftung Warentest.
17 Posten umfasst der Betriebskostenkatalog. Dabei handelt es sich um alle neben der Miete entstehenden Kosten der Hausbewirtschaftung, die der Vermieter auf seine Mieter umlegen darf. Der Tipp hier: Hilfe bei Fachleuten suchen. Zum Beispiel bei einem der vielen Mieterschutzbünden. Die Mitgliedschaft ist nicht teuer (ca. 100 Euro im Jahr, Rechtsschutzversicherung inklusive).

Typische Fehler

Zurücklehnen können sich alle, deren Abrechnung nicht innerhalb der Jahresfrist eingeht. Der Vermieter muss innerhalb von zwölf Monaten nach Ende des Abrechnungszeitraums abrechnen. "Dieser Zeitraum ist im Mietvertrag geregelt und fällt in der Regel mit dem Kalenderjahr zusammen. Ist ein Jahr vergangen, hat der Vermieter also bis zum 31. Dezember des darauffolgenden Jahres Zeit, um abzurechnen", sagt der Experte. Diese Frist gilt nur als gewahrt, wenn der Brief rechtzeitig im Briefkasten des Mieters liegt. Kommt er zu spät, ist keine Nachzahlung fällig!

In der Betriebskostenverordnung steht auch, was nicht zu den Nebenkosten gehört: Die Verwaltungskosten sowie die Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten, sprich die Reparaturkosten, zum Beispiel für einen Aufzug im Haus.

Recht auf Belegeinsicht

Manchmal passiert es, dass zwar alle Posten auf der Abrechnung rechtens sind, die jeweiligen Kosten für einzelne Dienste, wie beispielsweise die Gebäudereinigung, aber außergewöhnlich hoch erscheinen. Als Mieterin oder Mieter hat man das Recht, die Belege für die jeweiligen Positionen einzusehen. Allerdings muss der Vermieter hierfür keine Kopien der Belege erstellen.

Er kann auch fordern, sie vor Ort in Augenschein zu nehmen. In solch einem Fall sollte man nicht alleine zum Vermieter gehen, sondern sich einen "Zeugen" mitnehmen und vor Ort die Rechnungen dokumentieren, zum Beispiel mithilfe von Fotos der Rechnungen. Erlaubt der Vermieter dies nicht, sollte man sich handschriftliche Notizen machen.

Hohe Kosten durch Mängel in der Wohnung

Explodiert die Nebenkostenabrechnung, weil eine defekte Heizung hohe Kosten verursacht, wird es kompliziert. Der Impuls „das zahle ich nicht, weil der oder die Wohnungseigentümerin das längst hätte reparieren lassen müssen“, ist zwar nachvollziehbar, reicht aber nicht aus, um die Abrechnung anzufechten. In so einem Fall muss ein Gutachter feststellen, dass wirklich etwas mit der Heizung nicht stimmt. Für den Mieter oder die Mieterin oft ein teurer und nervenaufreibender Prozess, der mitunter vor Gericht endet.

Darum werden die Kosten so oft zu niedrig angesetzt

Der Verdacht, dass bei den Nebenkosten getrickst wird, um gerade in Ballungsgebieten die Mietpreise attraktiver erscheinen zu lassen, liegt nahe. Laut hessischem Mieterbund seien das aber Einzelfälle. Das Problem, das tatsächlich dahintersteckt: Viele Wohnungen werden von Privatleuten vermietet, die es oft selbst nicht ganz genau wissen. So landen Posten auf der Abrechnung, die eigentlich nicht drauf gehören.

Auch sei es für private Wohnungseigentümerinnen und -eigentümer oft schwierig, den Verbrauch richtig einzuschätzen, sagt der hessische Mieterbund. Wenn nach einem Single beispielsweise ein Paar die Wohnung beziehe, könne es schon zu Abweichungen kommen, weil beim Abschlag nicht beachtet worden sei, dass zwei Menschen eben mehr Wasser verbrauchen, als eine Einzelperson.

Drei Tipps für Mieterinnen und Mieter

Verspätete Forderung nicht bezahlen
Der Vermieter darf in der Regel nur zwölf Monate nach Ende eines Abrechnungszeitraums (meist das Kalenderjahr) eine Nachzahlung verlangen. Wer die Betriebskostenabrechnung später bekommt, muss diese nicht mehr bezahlen. Die Auszahlung eines Guthabens kann man aber immer noch verlangen.

Rechnungen vergleichen
Ist man unsicher, sollte man die Rechnung immer mit der vom Vorjahr vergleichen. Sind irgendwelche Kosten sehr stark angestiegen, zum Beispiel für die Gartenpflege oder die Gebäudereinigung, sollte man den Vermieter darauf ansprechen. Der Vermieter muss zwar nicht immer den billigsten Dienstleister auswählen, aber er muss wirtschaftlich handeln.

Wohnfläche messen
Manchmal stimmt die im Mietvertrag angegebene Größe der Wohnung nicht mit der Realität überein. Da sich aber genau daran oft die Kosten bemessen, sollte man hier nachprüfen.

Weitere Informationen

https://www.test.de/Nebenkostenabrechnung-So-pruefen-Mieter-die-Betriebskostenabrechnung-4234442-0/

https://www.dmb-hessen.de/home.html 


Stand: 01.03.2021 08:10 Uhr

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