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Service: Neue Mittel gegen Migräne

mit Dr. Bettina Sauer, Medizinjournalistin und Apothekerin

PlayFrau hält sich den Kopf, starke Kopfschmerzen, Migräne
Service: Neue Mittel gegen Migräne | Video verfügbar bis 22.03.2020 | Bild: WDR

Migräne betrifft ungefähr 10 bis 15 Prozent der Menschen in Deutschland und zählt zu den Volkskrankheiten. Bis zu dreimal so viele Frauen wie Männer leiden darunter, teilweise sogar schon Kinder. Die Klassifikation der Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) definiert die Erkrankung als wiederkehrend auftretende Kopfschmerzen mit Übelkeit, Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen und/oder Licht. Grundsätzlich wird zwischen "Migräne ohne Aura" und "Migräne mit Aura" unterschieden, außerdem werden verschiedene Unterformen definiert.

Symptome der Migräne

Im Mittelpunkt steht für die meisten Patienten ein heftiger, pochend-pulsierender Kopfschmerz, der typischerweise mit Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit einhergeht. Ein Migräneanfall kann zwischen etwa 4 und 72 Stunden dauern. Ungefähr 10 Prozent der Patienten durchleben vor der eigentlichen Attacke eine sogenannte Aura mit neurologischen Symptomen wie Lichtblitzen, Flecken oder Flimmern vor den Augen.

Ursachen der Migräne

Zugrunde liegt der Erkrankung offenbar eine erblich bedingte Übererregbarkeit des Gehirns. In der Folge können verschiedene Auslöser eine Attacke verursachen. Typische Provokationsfaktoren der Migräne können die Periode, vorheriger Alkoholgenuss, Aufenthalt in verrauchten Räumen, Änderung des Tagesrhythmus, stressreiche Situationen oder Abfall des Koffein-Spiegels sein. Wer individuelle Auslösefaktoren findet und meidet, kann möglicherweise Attacken vorbeugen. Auch weitere Verhaltenstipps helfen, beispielsweise moderater Ausdauersport, Entspannungsübungen und ein geregelter Tagesablauf.

Medikamente zur akuten Behandlung


Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können rezeptfreie Schmerzmittel reichen. Hier bewertet die Stiftung Warentest Präparate mit Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Paracetamol als geeignet. Vorsicht hingegen bei Kombipräparaten: Die Kombination von Wirkstoffen hat gegenüber Einzelwirkstoffen keinen therapeutischen Vorteil, erhöht aber das Risiko für Nebenwirkungen.

Erweist sich eine solche Migränebehandlung als unzureichend, sollte eines der Triptane eingesetzt werden. Alle erhältlichen Wirkstoffe wie Sumatriptan, Almotriptan, Eletriptan sind geeignet; die meisten sind rezeptpflichtig und unterscheiden sich etwas in ihren Effekten.
Um sehr ausgeprägte Übelkeit bei Migräne zu dämpfen, ist der rezeptpflichtige Wirkstoff Metoclopramid geeignet. Wird er 15 bis 30 Minuten vor dem Schmerzmittel eingenommen, kann er zudem die Aufnahme des Schmerzmittels in den Körper verbessern.

Medikamente zur Vorbeugung

Vor allem bei häufiger Migräne kommen vorbeugende Medikamente in Frage. Das verringert die Zahl der Attacken und ihre Intensität. Darüber hinaus werden Kopfschmerzen vermieden, die infolge der häufigen Einnahme von Schmerzmitteln und Triptanen entstehen können. Am besten – als geeignet – bewertet die Stiftung Warentest die Betablocker Metoprolol und Propranolol. Es sind aber auch andere Wirkstoffe möglich.

Wichtig: Nicht jeder Patient spricht auf jedes Präparat gleichermaßen an. Und leider verschwinden die Attacken meist nicht vollständig. Um den Erfolg nach einigen Wochen zu beurteilen, hilft ein Kopfschmerztagebuch.

Migräne-Spritzen – begrenzte Wirkung

Migräne-Spritzen sollen viel gezielter als herkömmliche Vorbeugemedikamente die Ursache der Migräne unterdrücken. Sie blockieren Auswirkungen eines Stoffs, der im Nervensystem gebildet wird und beim Entstehen der Erkrankung eine große Rolle spielt: Calcitonin Gene-Related Peptide, kurz CGRP. Mehrere Firmen forschen an dem Prinzip. Seit November ist die erste dieser Spritzen in deutschen Apotheken verfügbar. Patienten spritzen sie sich normalerweise alle vier Wochen selbst.

Die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest haben die Studien zum Thema gesichtet. Fazit: Die neuen Mittel wirken – aber in Grenzen. Der neue Wirkstoff etwa kann Migräneattacken je nach Häufigkeit im Vergleich zu Placebos durchschnittlich um etwa ein bis drei Tage pro Monat verringern. Insgesamt entspricht der Erfolg dem von herkömmlichen Vorbeugemitteln. Direkte Vergleichsstudien fehlen bislang jedoch. Auch zu den Nebenwirkungen ist noch vieles unklar.

Denkbar ist die Spritze bei häufigen, ernsten Attacken und wenn mehrere andere Vorbeugemittel versagen. In diesem Fall ist der Nutzen der Therapie besonders hoch.

Stand: 27.03.2019 15:41 Uhr

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