SENDETERMIN Fr., 04.02.22 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Nachhaltiges Gärtnern

mit Dorothée Waechter, Gartenbau-Ingenieurin

PlayService: Nachhaltiges Gärtnern
Service: Nachhaltiges Gärtnern | Video verfügbar bis 04.02.2023 | Bild: WDR

Nachhaltigkeit ist auch beim Gärtnern ein Thema und es gibt viele Möglichkeiten der Umsetzung: Kaufentscheidungen umsichtiger treffen, zugunsten der Umwelt auf verrottbare oder wiederverwertbare Verpackungen und Geräte setzen und vor allem das Wissen über die natürlichen Kreisläufe nutzen. Mehr Nachhaltigkeit bedeutet nicht, den Garten von heute auf morgen umzugestalten, sondern vielmehr in kleinen Schritten dafür zu sorgen, dass die Umwelt geschont wird.

Pflanzeneinkauf und Pflanzenauswahl

Nachhaltigkeit lässt sich bereits beim Einkauf umsetzen. Zunächst geht es darum, nicht jedem Angebot zu folgen, sondern die Frage zu stellen, ob diese oder jene Pflanze tatsächlich benötigt wird. Vieles braucht auch gar nicht gekauft zu werden, sondern lässt sich aus gesammelten Samen selbst anziehen. Das gilt für Gemüse (z.B. Tomaten) ebenso wie für Blumen (z.B. Ringelblumen).

Darüber hinaus sollten die Pflanzen passend für den jeweiligen Bereich ausgewählt werden. Für sonnige, trockene Standorte gibt es jede Menge Stauden, wie beispielsweise Fetthennen, Thymian und Rosmarin. Dagegen sollte auch der Schatten mit entsprechenden Schönheiten wie Christrosen, Funkien, Purpurglöckchen und Storchschnabel bepflanzt werden.

Bestimmte Pflanzen stehen in der Kritik, weil sie aus fremden Ländern kommen, der Tierwelt zu wenig bieten oder anfällig für Krankheiten sind. Teilweise sind das gute Argumente gegen diese Sorten, doch Gärtnern ist ein Hobby. Man sollte verantwortungsbewusst, aber nicht radikal handeln. Das bedeutet beispielsweise, den schlecht tragenden Apfelbaum durch eine schmackhafte, gesunde Sorte zu ersetzen, den Kirschlorbeer als Sichtschutz zu verwenden und ganz bewusst auf Wildstauden im Garten zu setzen.

Verzicht auf Kunststoff und Plastik

Produkte aus Plastik und Kunststoffen sind beliebt, weil sie kostengünstig produziert werden, alle Formen und Farben annehmen und weil sie leicht sind. Töpfe aus Kunststoff trocknen weniger schnell aus als solche aus Ton. Doch die Umwelt wird belastet.

Ein erster Schritt zu mehr Nachhaltigkeit besteht in der Verwendung von recycelten Kunststoffprodukten, der zweite Schritt ist der Verzicht. Für die Anzucht beispielsweise dienen Klopapierrollen und Eierkartons. Sie werden mit eingepflanzt und verrotten dann. Eisstiele aus Holz werden zu Pflanzenschildern. Unkraut wird in Weidenkörben und Schnittgut in Jutesäcken gesammelt und eine Gießkanne aus Metall erfüllt auch ihren Zweck und hält ewig.

Ressourcen schonen

Ein sparsamer Umgang mit den Naturgütern steht im Fokus des biologischen Gärtnerns. Wer Pflanzen kauft, die mit wenig Wasser auskommen, verbraucht auch weniger. Gesammeltes Regenwasser steht kostenlos als Gießwasser zur Verfügung. Ist der Erdboden gemulcht, verdunstet weniger Wasser. Gesunde Gartenabfälle können kompostiert und so in Humus verwandelt werden. Wer ausreichend Kompost hat, kann ihn als Dünger und zum Aufbessern der Bodenstruktur in Beeten und Gefäßen verwenden.

Balkonbesitzer können pflanzliche Abfälle in einem Wurmkomposter recyceln, der sich auch leicht selber bauen lässt.
Beim Spaziergang gefundene Pferdeäpfel sind eine hervorragende Nährstoffquelle, insbesondere für Rosen. Sie regen das Bodenleben an und stehen für eine gesunde Entwicklung von Rosen und anderen Pflanzen mit einem hohen Nährstoffbedarf. Bei anderen Kotarten, z.B. von Schafen oder Vögeln, ist Vorsicht geboten. Sie müssen sehr sparsam dosiert werden, weil es sonst zu Schäden durch Überdüngung kommt.

Die tierischen Regulatoren fördern

An erster Stelle stehen Insekten und Vögel als Regulatoren im Garten. Sie brauchen Brutmöglichkeiten und Nahrung. Dabei sollte bei den Pflanzen auf Vielfalt gesetzt werden, denn das erhöht auch die Lebensqualität vieler Insekten. Zudem sollte der Garten nicht zu stark versiegelt und geputzt sein. Fugen und Ritzen sind Lebensräume ebenso wie ein Reisighaufen oder eine Natursteinmauer.

In diesen Tagen sollten beispielsweise schon Frühblüher in den Beeten sein. Dazu zählen Schneeglöckchen und Winterlinge ebenso wie Winterblüte, Kornelkirsche oder Salweiden. Sie bieten den frühen Insekten und Schmetterlingen Nektar und Pollen.

Grundsätzlich sind langblühende, ungefüllte Blumen zu bevorzugen, wobei es auch hier Ausnahmen gibt, wer für eine gefüllte Ranunkel schwärmt, der sollte sie auch pflanzen. Dazu werden Vergissmeinnicht, Lungenkraut und Hornveilchen gesetzt, damit ein nachhaltiger Ausgleich vorhanden ist. Ebenso wichtig sind die Nistmöglichkeiten für Singvögel. Sie werden jetzt gereinigt und wieder aufgehängt.

Links

Weitere Informationen

• NDR – NaturNah:
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/naturnah/Gaertnern-mit-Profi-Hilfe,sendung1004774.html

•NDR – Die Naturreportage:
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_nordreportage/Schoene-Gaerten-in-trockenen-Zeiten,dienordreportage1426.html

• NDR – Themenschwerpunkt Wasser
https://www.ndr.de/Themenschwerpunkt-Kampf-ums-Wasser-Unsere-kostbare-Ressource,wasser744.html

• SWR – Natürlich
https://www.swrfernsehen.de/natuerlich/umweltfreundlicher-gartenbau-100.html

• BR
https://www.br.de/mediathek/video/nachhaltig-gaertnern-dunmore-country-school-av:604272274282fc001341d81b

• BR – Querbeet
https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/querbeet/querbeet-urban-gardening-tum-muenchen-100.html

Stand: 04.02.2022 07:16 Uhr