SENDETERMIN Mi., 04.08.21 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Geldanlage bei Niedrigzinsen

mit Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur "finanztip"

PlaySparschwein, Geldscheine
Service: Geldanlagen bei Niedrigzinsen | Video verfügbar bis 04.08.2022 | Bild: WDR

Der Blick auf die Sparzinsen macht immer schlechtere Laune. 0,0 Prozent sind längst Standard. Immer mehr private Sparer finden mittlerweile ein Minuszeichen auf ihrer Zinsabrechnung. Viele Banken verlangen von ihren Neukunden inzwischen sogar Negativ- oder Strafzinsen. Und weil das nicht sein darf, nennen sie es "Verwahrentgelt" .

Damit scheint die alte Idee der Bank am Ende: Wir Sparer geben unser Geld und dafür kriegen wir die Zinsen. Viele erinnern sich noch gut an Zinsen von 3 oder 4 Prozent und wie der Spargroschen mehr und mehr wurde. Ein Faktor wird in dieser Rechnung gerne übersehen: Die Inflation.

Experten reden daher lieber vom Realzins. Das ist der Zins, der nach Abzug der Inflation übrigbleibt. In der Geschichte der Bundesrepublik gab es mehrere Phasen, in denen die realen Zinsen aufgrund hoher Inflation deutlich im Minus waren. So zum Beispiel während des Ölpreisschocks Anfang der 1970er-Jahre, aber auch Anfang der 1990er-Jahre nach der Wiedervereinigung.

Die realen Zinsen für Erspartes sind seit 2004 fast durchgehend im Minus – insbesondere nach der Finanzkrise von 2008 und der daraus resultierenden anhaltenden Senkung des Leitzinses. Was kann man also jetzt tun um sein Geld vernünftig anzulegen?

Erspartes aufteilen

Teilen Sie Ihr Geld gedanklich in drei Teile: Als erstes das Tagesgeld für die unerwarteten, hohen Rechnungen. Hier parken Sie drei Monatseinkommen, damit brauchen Sie nie wieder in den Dispo und vermeiden hohe Dispozinsen von 10 Prozent. Die Zinsen auf dem Tagesgeldkonto liegen allerdings aktuell höchstens bei mageren 0,2 Prozent.

Dann das Festgeld: Nutzen Sie das für sichere, größere Ausgaben in einigen Jahren, etwa das neue Auto oder die neue Küche. Hier können Sie aktuell auch nur 0,6 Prozent Zinsen für drei Jahre erzielen, aber das Hauptmotiv ist ja, dass Sie das Geld fürs Auto dann sicher zu Verfügung haben statt dann einen Kredit aufnehmen zu müssen. In der Zwischenzeit kommen Sie an dieses Geld allerdings nicht heran.

Aktien und Investmentfonds

Wer Geld länger anlegen will und risikobereiter ist, kann über Aktien oder Investmentfonds nachdenken. Marktbreite, weltweite Aktienindexfonds haben in den vergangenen Jahrzehnten über 15 Jahre noch nie Verluste gebracht, im Schnitt aber über 7 Prozent Rendite. Wichtig ist hierbei die Ruhe und der langfristige Blick. Im vergangenen Jahr sind die Aktienmärkte wegen Corona zum Beispiel in einem Monat um ein Drittel eingebrochen, inzwischen aber schon lange wieder bei höheren Kursen. Trotzdem können solche Verluste auch einige Jahre anhalten, deshalb ist die Langfristperspektive immer entscheidend.

Breite Streuung: Bei solchen Aktienindexfonds ist man automatisch gleichzeitig an tausenden Aktienkonzernen weltweit beteiligt – und eben nicht nur an einer Firma und deren Aktie. Besonders empfehlenswert sind internationale Aktienindexfonds, die den weltweiten Index MSCI nachbilden. Der Vorteil: Weltweit anlegende Fonds schwanken weniger, Indexfonds verhalten sich wie der Gesamtmarkt, man muss die Ideen des Management nicht regelmäßig kontrollieren und die Verwaltungskosten sind deutlich niedriger.

Edelmetalle

Gerade in Zeiten schlechter Zinsen greifen viele Anleger immer wieder klassisch auf Gold, Silber oder Platin zurück. Aber sie sollten vorsichtig sein, denn Edelmetalle sind eine riskante Form der Geldanlage. Gewinne gibt es nur, wenn der Kurs des Edelmetalls steigt – Zinsen oder Dividenden sind nicht zu erwarten. Wer also in Edelmetalle investiert, sollte dies nur mit einem kleinen Anteil seines Gesamtvermögens tun.

Riester und andere staatliche Fördermodelle der Altersvorsorge

Riester-Verträge können sich wegen der staatlichen Zulagen für Verbraucher mit Kindern lohnen. Besserverdiener profitieren bei Riester zusätzlich von Steuervorteilen. Neben der Riester-Förderung existieren auch noch andere staatliche Fördermodelle für die Altersvorsorge. Etwa für die betriebliche Altersvorsorge. Hier müssen die Chefs seit diesem Jahr zwingend einen Zuschuss zahlen.

Vorsicht bei hohen Zinsversprechen

Besondere Vorsicht gilt bei hohen Zinsversprechen. Beispiel: Beteiligungen an Wind- und Solarparks, am Bau von Gewerbeimmobilien, an Schiffsfonds oder an Waldinvestments. Das sind unternehmerische Investments. In der Regel gilt: Hohe Renditen gibt es nur für hohes Risiko. Im schlimmsten Fall droht der Totalverlust. Vertrauen Sie niemandem blind. Informieren Sie sich aus verschiedenen Quellen und kaufen Sie nur Anlageprodukte, die Sie auch verstehen!

Nachhaltige Anlagemöglichkeiten

Wer sein Geld in Aktien anlegt wünscht sich zwar Rendite und wenig Risiko, andererseits will man natürlich auch keine skrupellosen Konzerne unterstützen oder die Zerstörung der Natur mitfinanzieren. Der naheliegende Gedanke wäre also nur in Firmen zu investieren, deren Vorgehens-und Arbeitsweise man selbst kennt.


Das bringt zwei Herausforderungen mit sich:
1. Muss man die Unternehmen selbst auf ethische Kriterien abklopfen, was eine Menge Arbeit bedeutet.
2. Setzt man dann nur auf wenige Unternehmen und erhöht aufgrund der geringen Streuung der Aktien die Gefahr Verluste zu erleiden. Besser man setzt auf „nachhaltige“ Fonds. Das Problem: Der Begriff Nachhaltigkeit ist nicht geschützt. Banken und Fondsgesellschaften haben bislang keine einheitliche, eindeutige Definition dafür, was der Begriff der nachhaltigen Geldanlagen genau umfasst.

Und dann gibt es auch noch zwei sehr unterschiedliche Arten von Fonds. Zum einen Beteiligung an großen Projekten wie Wind- und Solarparks oder die Aufforstung neuer Wälder. Anleger entschließen sich, hier quasi als Unternehmer, das Geld langfristig zu investieren, können es kurzfristig aber nur schwer wieder zurückholen. Nach Angaben von „Finanztip“ sind solche Projekte meist riskant und zur langfristigen Geldanlagen allenfalls für wohlhabende Anleger geeignet, die auch einen Totalverlust verkraften können.

Besser ist es, sich über breit gestreute Aktienfonds an nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen zu beteiligen. Auf diese Weise verteilt sich das Anlagerisiko auf eine Vielzahl von Unternehmen und Branchen. Ein Totalverlustrisiko gibt es praktisch nicht. Achten Sie aber darauf, dass der Investmentfonds von vorneherein umstrittene Branchen (z.B. Alkohol, Tabak, Gentechnik oder Kriegswaffen) ausschließt. Solche Fonds gibt es inzwischen auch als Indexfonds mit niedrigen jährlichen Kosten.

Allerdings, wie oben erwähnt, gibt es keine einheitliche Definition für nachhaltige Geldanlagen. Damit bleibt es für den Verbraucher mindestens am Anfang die Aufgabe, den Fonds auszusuchen, der den eigenen Vorstellung von Nachhaltigkeit. Einen passenden Fonds zu finden – egal ob konventionell oder nachhaltig – ist immer noch mit mehr Arbeit verbunden als die klassischen Anlagen. Wichtig: Interessenten sollten sich genau überlegen, was für sie persönlich der Begriff der "Nachhaltigkeit" bedeutet und sich genau informieren welche Unternehmen sich im Portfolio befinden.

Weitere Informationen

• Bundesverband der Verbraucherzentralen
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/niedrigzinsen-wie-soll-man-sein-geld-heute-noch-anlegen-11534

• Allgemeine Informationen zum Thema Geldanlage bei Niedrigzinsen
https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Tipps-zur-Geldanlage-bei-niedrigen-Zinsen,zinsfalle100.html

• WDR5 zum Thema Nachhaltige Anlageformen
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-profit-aktuell/audio-nachhaltige-geldanlage-und-wo-bleibt-die-rendite-102.html
https://www.swr.de/swraktuell/radio/abzocke-der-banken-wie-vermeidet-man-negativzinsen-bei-der-geldanlage-100.html

• Informationen zum Thema Neo-Broker
https://www.swr.de/buffet/leben/geldanlage-neo-broker-kostenguenstig-und-einfach-aktien-kaufen/-/id=257304/did=25410674/nid=257304/6n7t63/index.html

Stand: 01.06.2022 22:50 Uhr