SENDETERMIN Di, 08.01.19 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Patientenverfügung

mit Hermann-Josef Tenhagen, Finanztip

PlayService: Patientenverfügung
Service: Patientenverfügung | Video verfügbar bis 08.01.2020 | Bild: WDR

Eine Patientenverfügung gehört zu den wichtigsten Vorsorgevollmachten und regelt, wie eine ärztliche Behandlung aussehen soll, wenn der Betroffene dies nicht mehr selbst entscheiden kann. Auch Verträge schließen oder kündigen und Bankgeschäfte können damit auf eine Vertrauensperson übertragen werden.

Schwerpunkt Patientenverfügung

Nehmen wir an, Sie werden vom Auto angefahren und fallen ins Koma. Viele glauben, dass Ehegatten oder Kinder automatisch befugt sind, in Ihrem Interesse zu entscheiden. Das ist nicht so.

Und das, obwohl viele dringende Dinge zu erledigen sind: Die richtige Behandlung auswählen, eine Reha beantragen, Verträge schließen oder kündigen. Dafür muss ein Gericht einen Betreuer festlegen. Die Behörden würden eine geeignete Person auch in der Familie suchen. Aber das kostet Zeit und Geld. Ein weiterer Nachteil: Ein Betreuer würde vom Gericht stark kontrolliert werden.

Vorsorge-Vollmacht

Wer jemanden hat, dem er bedingungslos vertraut, dem kann er eine Vorsorgevollmacht ausstellen. Der Bevollmächtigte kann Sie dann in allen wichtigen Fragen vertreten - auch in finanziellen. Die Vollmacht muss dazu im Original vorgelegt werden. Sie können auch mehrere Vertraute bevollmächtigen.

Und Sie sollten genau regeln, welche Vollmachten Sie im Detail an wen vergeben. Falls Sie zum Beispiel eine Angehörige haben, die Ärztin ist, können Sie sie mit den medizinischen Vollmachten betrauen. Und jemand anderen mit den finanziellen.

Wichtig: Wer eine Vollmacht hat, kann für Sie entscheiden, ohne dass immer geprüft wird, ob Sie wirklich krank sind!

Betreuer

Bestimmen Sie einen Betreuer. Anders als ein Bevollmächtigter unterliegt ein Betreuer immer der gerichtlichen Aufsicht. Wählen Sie diese Variante, wenn Sie niemanden haben, dem Sie hundertprozentig vertrauen.

Kontovollmacht

Nicht alle Banken akzeptieren eine Vorsorgevollmacht. Einige verlangen, dass die Vollmacht notariell beglaubigt ist. Oder dass ein spezielles Bank-Formular ausgefüllt wird. Klären Sie das mit Ihrer Bank.

Arzt-Behandlungen im Notfall

Falls Sie krank und nicht fähig sind, sich zu äußern, kann auch ein Bevollmächtigter nicht alles entscheiden. Um vom medizinischen Standard abzuweichen, braucht der Bevollmächtigte Ihre Patientenverfügung. Darin legen Sie fest, welche Behandlungen Sie wünschen und welche nicht. Ob Sie zum Beispiel immer lebensverlängernde Maßnahmen wünschen – oder unter Umständen nicht.

Nutzen Sie zur Orientierung das Muster des Bundesjustizministeriums. Lassen Sie sich rechtlich und medizinisch von Fachleuten Ihres Vertrauens beraten, bevor Sie die Patientenverfügung ausfüllen. Besprechen Sie die Punkte auch mit Ihrem Hausarzt.

Lassen Sie sich von Experten helfen

Sie können Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung jeweils mit Musterdokumenten des Bundesjustizministeriums aufsetzen (Vorsorge, Betreuung, Patientenverfügung).
Das Ministerium selbst versteht das Muster als Anregung und rät, sich beim Erstellen von einer fachkundigen Person beraten zu lassen, denn die Gerichte akzeptieren keine zu allgemeinen Formulierungen.
Sie können schon für wenig Geld Rechtsdienstleister in Anspruch nehmen. Einige Rechtsschutzversicherungen bieten ein kostenloses Vorsorgepaket an.

Machen Sie ein (einfaches) Testament

Beschäftigen Sie sich mit der gesetzlichen Erbfolge. Falls diese Ihnen nicht zusagt, machen Sie ein Testament. Das ist auch interessant für Ehepaare. Denn sobald ein Partner stirbt, erben die Kinder nach der gesetzlichen Erbfolge die Hälfte. Das kann vor allem dann schwierig werden, wenn das Vermögen im Wesentlichen eine Immobilie ist, der verbliebene Gatte diese dann verkaufen muss, um den Erbteil der Kinder auszuzahlen. Eine einfache und rechtlich unkomplizierte Abhilfe schafft das Berliner Testament. Darin setzen sich die Partner gegenseitig als Alleinerben ein, und die Kinder als Schlusserben nach dem Tod beider Eltern.

Alle Jahre wieder: Überprüfen Sie Ihre Entscheidungen

Mit der Vorsorge entscheiden Sie über viele wichtige Aspekte Ihres Lebens. Wahrscheinlich ändern Sie mit der Zeit Ihre Meinung zu den Fragen oder den betroffenen Angehörigen. Gehen Sie also alle paar Jahre Ihre Unterlagen durch. Und unterschreiben Sie noch mal das Dokument mit dem neuen Datum, auch wenn sich nichts geändert hat. In jedem Fall sollten Sie Ihren Angehörigen und Vertrauten Ihre Dokumente zugänglich machen.

Weitere Informationen

Online-Verbraucherratgeber Finanztip

Stand: 08.01.2019 07:08 Uhr

1 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.