SENDETERMIN Di., 13.10.20 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Pilze sammeln

mit Reinhard Wegner Pilzsachverständiger

PlayJohannes Büchs, Reinhard Wegener
Service: Pilze sammeln | Video verfügbar bis 13.10.2021 | Bild: WDR

Wo und wie viele Pilze darf ich sammeln?

Im Wald ist Pilzesammeln für Privatpersonen grundsätzlich erlaubt. Allerdings höchstens zwei Kilo, für den Eigenbedarf. In Naturschutzgebieten und Nationalparks ist das Sammeln von Pilzen grundsätzlich verboten.

Besonders geschützte Pilzarten wie Stein-, Birkenpilze, Rotkappen, Pfifferlinge und alle Morchelarten dürfen nur "in geringen Mengen" für den Eigengebrauch gesammelt werden. Die erlaubten Mengen unterscheiden sich je nach Region. Bei Verstößen müssen Sammler mit Anzeigen und Bußgeldern rechnen.

Pilze im Ökosystem Wald

Im Wald spielen Pilze eine wichtige Rolle. Sie zersetzen totes Holz und Pflanzenreste und sorgen so für die Stoffkreisläufe im Wald. Manche Pilze gehen eine Symbiose mit Baumwurzeln ein und liefern den Bäumen Nährstoffe und Wasser. Durch Baumsterben oder hohe Temperaturen verschwinden immer mehr Pilzgebiete.

Deshalb sollten Sammler zurückhaltend sein: Lassen Sie zu kleine Pilze stehen und nehmen Sie nur die mit, die Sie wirklich essen wollen. Auch alte, weiche Pilze sollten stehenbleiben: Durch verdorbenes, giftige Eiweiß und Gold- oder Silberschimmel werden sie ungenießbar und können Vergiftungen auslösen.

Worauf muss ich beim Pilzesammeln achten?

Pilze sollten Sie in einem luftdurchlässigen Korb sammeln. In Plastiktüten können Pilze gären und dadurch verderben und Giftstoffe bilden.

Grundsätzlich sollten Sie nur bekannte Pilze sammeln und essen. Auch Pilzbücher oder das Internet helfen oft nicht weiter, weil Original und Abbildung für ungeübte Sammler nicht immer eindeutig zuzuordnen sind. Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGFM) warnt Pilzsammler deswegen auch, sich auf Apps zu verlassen.

Wichtig: Beim geringsten Zweifel sollten Sammler lieber auf eine Pilzmahlzeit verzichten.

Welche Pilze sind genießbar und welche giftig?

In Europa sind rund einhundert giftige oder giftverdächtige Arten von Großpilzen bekannt. Nur ein einziger verzehrter Pilz dieser Art kann ausreichen, um im schlimmsten Fall zum Tode zu führen. Daher: Finger weg von Pilzen, die Sie nicht kennen!

Zu Giftpilzen gehören in Mitteleuropa unter anderem der grüne und spitzhütige Knollenblätterpilz, Gifthäubling, orangenfuchsige und spitzbuckelige Schleierlinge, Frühjahrslorchel, Pantherpilz und Fliegenpilz.

Es gibt kein allgemeines Kriterium zur Unterscheidung von Speise- und Giftpilzen. Zu den Röhrenpilzen, die unter dem Hut eine Art Schwamm haben, gehören jedoch nur sehr wenige giftige und keine tödlichen Arten.

Verwechslungsgefahr

Oft unterscheiden sich giftige von genießbaren Pilzen nur in Details. Deshalb ist es wichtig, nur vollständig entwickelte Pilze zu begutachten. Nur bei ihnen sind alle charakteristischen Merkmale ausgeprägt. Verwechslungsgefahr besteht etwa beim grünen Knollenblätterpilz und Champignons oder Täublingen sowie bei Frühjahrslorchel und Speisemorchel. Gleiches gilt für Panther- und Perlpilz sowie Gift- und Wiesenchampignon.

Wer unsicher ist, sollte sich an eine Pilzberatungsstelle wenden.

Vergiftungen durch Speisepilze möglich

Laut Deutscher Gesellschaft für Mykologie (DGFM) und der Giftinformationszentren entstehen Pilzvergiftungen am häufigsten durch verdorbene Pilze. Die verspeisten Pilze waren dann entweder zu alt, oder sie wurden zu lange oder falsch gelagert – etwa in Plastik. Auch rohe Speisepilze als Salat, eine zu kurze Garzeit oder häufigeres Aufwärmen einer Pilzmahlzeit können dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge eine "unechte" Pilzvergiftung auslösen.

Nur Zuchtchampignons, Steinpilze und einige wenige andere Arten sind roh genießbar. Deshalb sollte jede Pilzmahlzeit mindestens 15 Minuten gegart werden. Auch zu viele Pilze können, womöglich in Verbindung mit Alkohol, zur Unverträglichkeit führen. Pilzgerichte können nach Aufbewahrung im Kühlschrank noch einmal aufgewärmt werden.

Woran erkenne ich eine Pilzvergiftung?

Bei einer möglicherweise lebensgefährliche Pilzvergiftungen zeigen sich erste Beschwerden frühestens nach sechs bis acht Stunden, oft viel später. Beim Knollenblätterpilz etwa können Symptome auch erst nach bis zu 24 Stunden auftreten. Wenn das Gift Wirkung zeigt, hat es sich bereits im ganzen Körper verteilt.

Vergiftungssymptome sind heftiges wiederholtes Erbrechen, krampfhafte Blähungen und Übelkeit. In schweren Fällen kann es zur Schädigung von Leber oder Nieren bis zum Organversagen kommen. Oft treten Pilzallergien oder -unverträglichkeiten auf.

Was muss ich bei einer Pilzvergiftung machen?

Bei ersten Anzeichen einer Pilzvergiftung sollten Sie schnellstens einen Arzt aufsuchen oder sich an den Giftnotruf wenden, in akuten Fällen an den Rettungsdienst 112. Eine Übersicht über die Giftnotrufe in Deutschland bieten beispielweise die Deutsche Gesellschaft für Mykologie oder die Verbraucherschutzstelle Niedersachsen online.

Reste der gesammelten Pilze, der Mahlzeit und eventuell auch Erbrochenes können bei der Bestimmung helfen. Keinesfalls sollten Sie Milch trinken oder Kohletabletten gegen Durchfall einnehmen: Milch kann die Giftaufnahme begünstigen. Auch auf eigene Faust Erbrechen auszulösen kann gefährlich sein, weil Erbrochenes in die Lunge gelangen kann.

Weitere Informationen

Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Giftnotruf
https://www.dgfm-ev.de/pilzesammeln-und-vergiftungen/vergiftungen/giftnotruf

Verbraucherschutzstelle Niedersachsen: Übersicht zum Thema Pilze, mit Giftnotrufstellen
https://www.verbraucherschutzstelle.de/pilze.html

NDR Verbraucher: Pilze sammeln – Welche eignen sich? (14.09.20)
https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Essbare-Pilze-sammeln-erkennen,pilze656.html

SWR: Was Sie über das Sammeln von Pilzen wissen müssen
https://www.swr.de/home/pilze-bestimmen-pilzvergiftung-vorbeugen-100.html

MDR Garten: Pilze sammeln – Was ist erlaubt, was ist verboten? (22.11.19)
https://www.mdr.de/mdr-garten/geniessen/pilze-sammeln-was-ist-erlaubt-100.html

Bundesinstitut für Risikobewertung BfR: PDF-Broschüre "Risiko Pilze“ (2005)
https://www.bfr.bund.de/cm/350/risiko_pilze.pdf

Stand: 13.10.2020 09:52 Uhr