SENDETERMIN Mo., 20.06.22 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Plastik vermeiden

mit Anna Schunck, Nachhaltigkeits-Influencerin

PlayUmweltaktivistin Anna Schunck, Reporter Philip Wortmann
Service: Plastik vermeiden | Video verfügbar bis 20.06.2023 | Bild: WDR

Kunststoffe sind allgegenwertig: Sie stecken in Plastiktüten, Verpackungen, Smartphones und Armaturenbrettern, in Spielzeug, Kosmetik oder Kleidung. Jedes Jahr werden weltweit 400 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. Zum größten Teil Einwegprodukte und Verpackungen. Unser Plastikverbrauch hat erheblichen Einfluss auf die Umwelt und das Klima. So gelangen weltweit bis zu 13 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle jedes Jahr über die Flüsse ins Meer. Wenn sich daran nichts ändert, könnte im Jahr 2050 mehr Plastik im Meer schwimmen als Fische.

Plastikrecycling und Wiederverwertung

Allein in Deutschland fallen jährlich fast 6 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Ein Großteil davon wird über die Gelbe Tonne entsorgt. Doch nur ein Bruchteil davon kann derzeit recycelt werden. Laut dem „Plastikatlas“ vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurden in Deutschland im Jahr 2018 gerade mal knapp 16 Prozent zu neuem Material recycelt. Seitdem steigt diese Quote jährlich leicht an.

Ein großer Teil wird verbrannt oder ins Ausland exportiert. Darüber hinaus finden sich in der Gelben Tonne immer wieder Abfälle (von der Babywindel bis zur Corona-Schutzmaske), die dort nicht hineingehören - was die Arbeit in den Sortieranlagen erschwert und zum Teil das Recycling ganzer Chargen sogar unmöglich macht.

Gesundheitliche Gefahren durch Mikroplastik

Seit den fünfziger Jahren sind schätzungsweise 86 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen gelandet. Nicht nur in Form von Plastikmüll, sondern auch als so genanntes Mikro- oder Liquidplastik, das in vielen Putz- und Waschmitteln sowie gängigen Kosmetikartikeln steckt. Kleinste Plastikpartikel finden sich dadurch mittlerweile nicht nur im Speisefisch, sondern über das Gießwasser auch in Obst und Gemüse sowie in unseren Böden. Plastik schadet nicht nur der Umwelt, sondern kann auch gesundheitliche Beeinträchtigungen auslösen. Neueste Studien zeigen: Das Mikro- und Liquidplastik lagert sich sogar in unserem Blut ab.

Bio-Plastik weckt falsche Hoffnungen

Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sollen die Lösung sein. Doch "Bio"-Plastik hat grundsätzlich keine bessere Ökobilanz als herkömmliche Kunststoffe. Sie enthalten genauso viele teilweise schädliche Chemikalien wie herkömmliches Plastik, so dass die Kompostierung mit Risiken für Mensch und Umwelt verbunden ist. Darüber hinaus fördert die Vorstellung, man könne "Bio"-Plastik einfach wegwerfen, weil es ja verrotten würde, die Wegwerf- und Verschwendungskultur.

Plastikverpackungen vermeiden

Verpackungen aus Plastik machen ein Drittel des Kunststoffverbrauchs in Deutschland aus. Jeder von uns kann daher beim Einkauf dazu beitragen, diese Mengen deutlich zu reduzieren. Für viele Gegenstände aus Kunststoff gibt es umweltfreundliche Alternativen. Besonders Wegwerfartikel und aufwändige Geschenkverpackungen kann jeder im Alltag vermeiden.

So können Sie Ihren persönlichen Plastikverbrauch reduzieren:

• Verzichten Sie beim Kauf möglichst auf Verpackungen und kaufen sie gezielt unverpackte Lebensmittel ein.

• Nutzen Sie - wann immer es geht - Mehrwegsysteme, wie zum Beispiel Joghurt im Mehrwegglas oder Getränke in Mehrwegflaschen.

• Bringen Sie eigene Taschen oder Beutel mit, auch im Vergleich zu neuen Tragetaschen aus Recycling-Material ist das die umweltfreundlichere Wahl. Am besten einfach in jeder Handtasche einen Jutebeutel platzieren oder Extra-Tragetaschen in Fahrradtaschen oder im Auto haben.

• Meiden Sie Wasser aus Einmal-Plastikflaschen. Trinken Sie stattdessen Wasser aus der Leitung. Das spart nicht nur Kunststoffmüll, sondern auch viel Geld: Leitungswasser ist mindestens 100-mal günstiger als Wasser aus Plastikflaschen. Für unterwegs können Sie eine Trinkflasche aus Aluminium nutzen.

• Für Party oder Picknick gibt es Geschirr aus wiederverwendbarem Kunststoff. Achten Sie auch beim Kauf auf die Bezeichnung PE oder PP, denn diese Kunststoffe kommen ohne gesundheitsgefährdende Weichmacher aus.

• Für den Kaffee unterwegs, aber auch für Essen zum Mitnehmen gibt es in der Gastronomie immer öfter spezielle Mehrwegsysteme. Oder Sie fragen nach, ob Ihr eigener Mehrwegbecher oder -behälter befüllt werden kann.

• Wasser im Produkt führt zu unnötigem Verpackungsmüll. Wer beispielsweise Seife am Stück statt Flüssigseife oder Duschgel verwendet, oder Waschpulverkonzentrat an Stelle von Flüssigwaschmitteln, spart Müll.

• Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Wolle, Hanf oder Tencel kaufen. Synthetische Stoffe wie Polyester, Polyacryl und Nylon bestehen aus Kunststoff, können ebenso schwer abgebaut werden wie jedes andere Plastik und geben zudem auch beim Waschen Mikroplastikpartikel ab. Rund 35 Prozent des gesamten Mikroplastikaufkommens stammt deshalb aus unseren Waschmaschinen.

• Teile, die nicht aus Naturfasern sind, am besten im so genannten Guppyfriend-Waschbeutel waschen – und möglichst lange tragen statt achtlos auszusortieren.

• Haushaltswaren oder Schreibutensilien aus Kunststoffen können oft durch ebenso langlebige Produkte aus Metall, Holz, Porzellan oder Glas ersetzt werden.

• Greifen Sie zu zertifizierter Naturkosmetik, oder studieren Sie vor dem Kauf sorgfältig die Inhaltsstoffe, um zu verhindern, dass noch mehr Mikroplastik in die Umwelt gelangt.

• Überprüfen Sie Ihre Produkte schnell und einfach mit Hilfe von Apps wie Codecheck, dem ToxFox vom BUND oder Yuka: App öffnen, Strichcode einscannen und Plastik und andere Inhaltsstoffe direkt angezeigt bekommen.

• Trennen Sie Ihren Müll gewissenhaft, Kunststoffe möglichst von anderen Materialien separieren – beispielsweise den Deckel vom Joghurtbecher entfernen und dann beides über die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack entsorgen.

Weitere Informationen

• Verbraucherzentrale: So kann jeder Plastik im Alltag vermeiden
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/wohnen/so-kann-jeder-plastik-im-alltag-vermeiden-7553

• Plastik im Alltag vermeiden Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz
https://www.bmuv.de/weniger-ist-mehr/plastik-im-alltag-vermeiden

• Wege aus der Plastikkrise
https://exit-plastik.de

• Der Plastikatlas 2019
https://www.boell.de/de/2019/05/14/plastikatlas

• "Bio"-Plastik weckt falsche Hoffnungen Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
https://www.bund.net/themen/chemie/achtung-plastik/alternative-bioplastik/

• "Plastik Planet" – Film der Bundeszentrale für Politische Bildung
https://www.bpb.de/mediathek/video/187448/plastic-planet/

Stand: 20.06.2022 18:05 Uhr

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