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Service: Private Solaranlagen

mit Hermann-Josef Tenhagen, Finanztip

PlaySolaranlage, Photovoltaik
Service: Private Solaranlagen  | Video verfügbar bis 01.09.2021 | Bild: WDR

Eigener Solarstrom macht Sie unabhängig – und ist günstiger als jeder Stromtarif. Für Elektrizität vom Stromanbieter zahlen Sie das Doppelte bis Dreifache. Mit einer Solaranlage auf dem Dach können Sie etwa ein Drittel Ihres Bedarfs decken. Mit einem Batteriespeicher verdoppelt sich dieser Anteil. Auch ein Balkon reicht aus. Mit einer Mini-Anlage erzeugen Sie schon ein Zehntel Ihres Strombedarfs.

Wohnen Sie im Eigenheim, lohnt sich eine Solarstromanlage fast immer. Sind Sie Mieter eines Hauses, können Sie das Dach für Ihre Anlage pachten – oder Ihr Vermieter baut die Anlage und verpachtet diese an Sie. Wollen Sie eine Mini-Anlage auf dem Balkon aufstellen, müssen Sie die Vorschriften Ihres Netzbetreibers beachten.

Die Kosten für Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) sind drastisch gesunken – seit 2006 um mehr als 75 Prozent. Günstige, kleine Dachanlagen kosten etwa 1.000 Euro bis 1.400 pro Kilowatt Leistung (netto). Bei diesen Kosten lässt sich in Deutschland Strom für etwa 10 bis 14 Cent pro Kilowattstunde erzeugen. Mindestens 20 Jahre sind Photovoltaik-Anlagen in der Regel in Betrieb. Nach zehn bis zwölf Jahren sollte die Anlage die Investitionskosten wieder eingespielt haben – weil Sie durch den Eigenverbrauch Stromkosten sparen und weil Sie nicht benötigte Energie ins Stromnetz einspeisen können, die vergütet wird. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert Ihnen einen festen Preis für jede eingespeiste Kilowattstunde über 20 Jahre.

Stärker lohnt es sich, den Solarstrom selbst zu verbrauchen. Im Schnitt zahlt jeder Haushalt in Deutschland 31 Cent pro Kilowattstunde Strom. Dass der gelieferte Strom im Vergleich zum selbst erzeugten zwei- bis dreimal so teuer ist, liegt an Steuern, Umlagen, Abgaben und Entgelten. Auf Ihren Eigenverbrauch fallen dagegen weder Abgaben noch Stromsteuer noch Netzentgelte noch vier von fünf Umlagen an; bei Anlagen bis maximal 10 Kilowatt Leistung auch keine EEG-Umlage, solange sie höchstens 10.000 Kilowattstunden produzieren.

Mindestens 25 Prozent selbst nutzen, Rest einspeisen

Eine Photovoltaik-Anlage kann niemals Ihren kompletten Bedarf decken. Aber zu durchschnittlich 25 Prozent können Sie sich mit eigenem Solarstrom versorgen. Ihren übrigen Strombedarf decken Sie weiter über das Stromnetz. Sie können Ihren Eigenverbrauch mit einem so genannten Energiemanager erhöhen. Das ist ein kleines Gerät, das den Stromverbrauch an die Erzeugung anpasst.

Falls Sie noch mehr eigenen Solarstrom nutzen möchten, müssen Sie in einen Batteriespeicher investieren. Mit diesem lässt sich der Eigenverbrauch verdoppeln, wenn nicht sogar verdreifachen. 60 bis 70 Prozent Ihres Strombedarfs können Sie dann gewöhnlich über Ihre Solaranlage decken. Allerdings kosten Batteriespeicher noch mehrere Tausend Euro. Verschiedene Förderprogramme auf Landesebene und von Kommunen helfen, die Investitionskosten zu senken.

Als Immobilieneigentümer: Photovoltaik-Anlage kaufen oder mieten?

Seit 2012 gibt es Angebote Photovoltaik-Anlagen auf privaten Dächern zu errichten und die Anlagen an die Eigentümer zu vermieten. Durch das Mieten der Anlage werden Sie zu ihrem Betreiber. Sie können den Strom selbst nutzen, Überschüsse ins Stromnetz einspeisen und die EEG-Vergütung beziehen.
Für die Installation und zumeist auch die Wartung der Anlage zahlen Sie an den Vermieter eine monatliche Gebühr. Energieversorger vermieten Ihnen eine Anlage zudem häufig nur dann, wenn Sie im Gegenzug den restlichen Strom von diesem Versorger beziehen. Als Mieter einer Anlage muss man sich zwar um kaum etwas kümmern, diesen Service lassen sich die Anbieter aber auch entsprechend bezahlen.

Wie nutzen Sie Photovoltaik im gemieteten Haus?

Wohnen Sie in einem Haus, das Sie mieten, können Sie genauso Solarstrom vom Dach nutzen. Unterschiedliche Konzepte sind möglich. Sie wohnen in einem Einfamilienhaus zur Miete? Dann können Sie die Dachfläche von Ihrem Vermieter pachten und selbst eine Photovoltaik-Anlage installieren lassen und den Solarstrom direkt verbrauchen. Oder Ihr Vermieter errichtet die Anlage selbst und vermietet diese an Sie. Dann werden Sie zum Betreiber der Anlage. In beiden Fällen fallen bei der Nutzung des Stroms keine Umlagen, Abgaben, Netzentgelte und Steuern an, wenn die Anlage nicht mehr als 10 Kilowatt Leistung hat und höchstens 10.000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt. Wohnen Sie in einem Zweifamilienhaus zur Miete? Dann können Sie auch das Dach pachten und dort eine Photovoltaik-Anlage betreiben. Einen Teil des Stroms können Sie an die zweite Partei im Haus liefern. Neben den Erzeugungskosten müssen Sie auf den gelieferten Strom auch die EEG-Umlage berechnen.

Wie können Sie in einer Mietwohnung direkt Solarstrom nutzen?

Auf großen Wohnhäusern ist viel Platz für Photovoltaik-Anlagen. Auch dort ist es möglich, dass der Betreiber den Bewohnern im Haus den Strom liefert. Bekannt geworden ist dieses Konzept als Mieterstrom. Dabei liefert Ihnen der Solaranlagenbetreiber nicht nur einen Teil der benötigten Energie, sondern deckt in der Regel Ihren ganzen Bedarf – mit selbst erzeugtem Solarstrom und mit Strom aus dem öffentlichen Netz. Durch diese Mischkalkulation ist Mieterstrom stets teurer als direkt verbrauchter Solarstrom, aber häufig günstiger als der rein über das öffentliche Netz gelieferte Strom.

Wie erzeugen Sie Solarstrom auf Ihrem Balkon?

Mit einer Kleinstanlage – auch Plug-In-Anlage, Balkon-Modul, steckerfertige Anlage oder Stecker-Solar-Anlage genannt – können Sie auf dem Balkon Solarstrom erzeugen. Sie bringen die Anlage am Balkongeländer an oder stellen sie auf den Balkon und schließen sie an eine Steckdose an – im Idealfall brauchen Sie dazu keinen Elektriker. Prüfen Sie Ihren Mietvertrag auf Zulässigkeit. Rund 400 Euro (brutto) kosten Systeme mit 275 Watt Leistung – 40 bis 70 Euro Stromkosten können Sie damit im Jahr sparen.

Wo besteht eine Pflicht zur Installation von Solarstromanlagen?

Hamburg ist das erste Bundesland, dass die Installation von Photovoltaik-Anlagen vorschreibt. Wer ab 2023 ein neues Haus baut, muss eine Solarstromanlage auf dem Dach errichten und betreiben (§ 16 Abs. 2 HmbKliSchG). Die Photovoltaik-Pflicht gilt auch für Altbauten, wenn die äußerste Schicht des Daches ab 2025 komplett erneuert wird. Ausgenommen sind Eigentümer lediglich, wenn sie statt einer Solarstromanlage eine solarthermische Anlage errichten oder wenn es technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist, eine PV-Anlage zu montieren. In Baden-Württemberg ist eine Photovoltaik-Pflicht auf Neubauten ab 2022 vorgesehen, sofern die Fläche zu mindestens 95 Prozent gewerblich genutzt wird. Auch die Landesregierungen von Berlin und Bayern überlegen, eine Photovoltaik-Pflicht einzuführen.

Stand: 01.09.2020 06:52 Uhr

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