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Service: Runter mit dem Dispo

mit Hermann-Josef Tenhagen, Finanztip

PlayDispo-Kredit
Service: Runter mit dem Dispo  | Video verfügbar bis 04.01.2022 | Bild: dpa

Fast neun Millionen Deutsche haben, nach einer Erhebung des Kreditvergleichsportals Smava, das Weihnachtsfest mit ihrem Dispokredit finanziert. Wer sein Konto dauerhaft überzieht muss dafür hohe Zinsen zahlen. Gerade auch Volksbanken und Sparkassen bitten ihre Kunden mit hohen Zinssätzen zur Kasse.

Geld leihen kostet Geld

Manche Banken räumen ihren Kunden automatisch einen Dispokredit ein. Andere schauen sich die Geldeingänge der letzten 3 Monate an. Da die Banken ihr Geld unter anderem mit Zinsen auf Kredite verdienen, haben sie ein Interesse daran, ihren Kunden einen möglichst hohen Dispokredit zu gewähren, zum Beispiel bis zu drei Monatsgehälter.

Wer den Dispo in Anspruch nimmt, zahlt dafür Zinsen. Nach Untersuchungen der Zeitschrift "Finanztest" Oktober 2020 beträgt der Dispozins der Banken durchschnittlich 9,68 Prozent im Jahr. Je nach Bank können es aber auch mehr sein, im Einzelfall bis zu 14 Prozent. Noch teurer wird es, wenn der Dispo überzogen wird. Grundsätzlich darf die Bank keine zusätzlichen Bearbeitungsgebühren für den Dispo in Rechnung stellen.

Dauerhaft in den Miesen

Ein Dispositionskredit soll helfen, kleinere finanzielle Engpässe kurzfristig zu überbrücken. Eine Expertenbefragung der Verbraucherzentralen unter Schuldnerberatungsstellen, ergab jedoch, dass über 90 Prozent der Ratsuchenden in den Schuldnerberatungsstellen ihr Girokonto länger als zwölf Monate überziehen. Vier von zehn Betroffenen sind mit 3.000 Euro und mehr im Minus. Legt man den durchschnittlichen Zinssatz zugrunde, bedeutet dies eine Belastung von 360 Euro im Jahr. Ein Ratenkredit würde bei durchschnittlichem Zinssatz nur mit ungefähr der Hälfte zu Buche schlagen.

Alternativen zum Dispositionskredit

Wer seinen Dispositionskredit länger als 12 Monate in Anspruch nimmt, sollte nach Möglichkeit die Kreditsumme umschulden; am Besten in einen Ratenkredit. Möglich ist auch die Inanspruchnahme eines sogenannten Rahmenkredits: Dabei räumt die Bank dem Kreditnehmer einen bestimmten Verfügungsrahmen ein (wie bei einem Dispo-Kredit). Die Zinsen sind jedoch vielfach wesentlich günstiger. Zudem werden in den allermeisten Fällen monatliche Raten festgelegt. Der Kreditnehmer kann jeweils bis zum Limit über seinen Verfügungsrahmen verfügen. Die bessere, weil übersichtlichere Möglichkeit der Umschuldung, ist jedoch der Ratenkredit.

Darauf sollten Sie bei einer Umschuldung achten

In den letzten Jahren sind die Zinsen stark gesunken. Mit einer Umschuldung können Sie daher viel Geld sparen. Achten Sie darauf, dass die Zinsen wesentlich geringer sind, als die des Dispo-Kredits.

Vorsicht auch vor Restschuldversicherungen (RSV)! – Diese verkaufen Banken gern parallel mit Ratenkrediten. Damit werden die Kosten des Ratenkredits oft verdoppelt. Eigentlich soll die Versicherung die Kreditraten zahlen, falls der Kunde nicht mehr kann, beispielsweise wenn er erkrankt, seine Arbeit verliert oder stirbt. Klingt gut, in vielen Fällen wird aber wegen Ausschlussklauseln im Vertrag nicht gezahlt.

Ganz sicher aber zahlt die Versicherung eine Vermittlungsprovision an die Bank: bis zu 70 Prozent der Kosten des Versicherungsschutzes gehen für solche Provisionen drauf, hat die Finanzaufsicht BaFin ermittelt.

Weitere Informationen

Hilfe und Beratung bekommen Sie bei den Verbraucherzentralen und im Falle einer Ver- bzw. Überschuldungssituation bei den anerkannten Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstellen der Verbraucherzentralen und der Freien Wohlfahrtspflege.

http://www.verbraucherzentrale.de

http://www.meine-schulden.de

Stand: 04.01.2021 07:46 Uhr