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Service: Schlaganfall – Symptome und Behandlung

mit Uta Meyding-Lamadé, Fachärztin für Neurologie

PlaySchlaganfall, Stroke Unit
Service: Schlaganfall | Video verfügbar bis 10.05.2022 | Bild: WDR

In Deutschland erleiden jedes Jahr mehr als 270.000 Menschen einen Schlaganfall , darunter auch Kinder. Rund 20 Prozent der direkt von einem Schlaganfall betroffenen Patienten sterben innerhalb von vier Wochen, über 40 Prozent innerhalb eines Jahres. Damit gehört der Schlaganfall laut statistischem Bundesamt (destatis) zu den zehn häufigsten Todesursachen in Deutschland.

Schlaganfall und Risiko

Frauen haben statistisch gesehen ein höheres Risiko für einen Schlaganfall – was vor allem daran liegt, dass Frauen einige Jahre älter werden als Männer und das Risiko im Alter ansteigt. Außerdem haben sie oft andere Symptome, so dass ihre Erkrankung nicht immer erkannt wird. Ebenso kann ein Schlaganfall Folge der Anti-Baby-Pille sein, was vor allem für jüngere Frauen ein Risiko birgt. Wird ein Schlaganfall zu spät behandelt und erkannt, verursacht er schwerwiegende, lebenslange Behinderungen.

Symptome

Der Schlaganfall tut nicht weh und erwischt die Betroffenen oft ohne Vorwarnung. Zu den häufigsten Symptomen zählen Bewusstseinsstörungen, halbseitige Lähmungen, Taubheitsgefühle, Gangunsicherheit (das Gefühl, auf eine Seite gezogen zu werden), Ausfallerscheinungen des Sprech- oder Sehvermögens (Doppelbilder) sowie Schluckstörungen.
Im Gesicht können sich die Lähmungen durch einen herunterhängenden Mundwinkel oder eine gekrümmte Zunge bemerkbar machen. Nicht selten gibt es auch schon Warnsymptome vor einem großen Schlaganfall wie z. B. vorübergehende Sehstörungen auf einem Auge.
Bei Frauen können auch untypische Symptome auftreten: Gliederschmerzen, Verwirrtheit, Übelkeit, Schluckbeschwerden oder Kurzatmigkeit wurden häufig beobachtet.

Ursachen

Ein Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung des Gehirns. In ca. 80% der Fälle wird der Schlaganfall durch einen Verschluss einer Arterie im Gehirn ausgelöst, hierdurch erhalten die Nervenzellen des Gehirns zu wenig Blut und Sauerstoff. Durch den Gefäßverschluss, der den "typischen" Schlaganfall auslöst, gehen ca. 1,9 Millionen Nervenzellen pro Minute zugrunde.

Bei einem Blutgerinnsel kann durch einen Blutpfropf ein Hirngefäß verschlossen werden und so die Blut- und Sauerstoffversorgung einer Hirnregion unterbinden, aber das Blutgerinnsel kann sich auch im Herzen, etwa bei Vorhofflimmern, oder in einer „verkalkten“ Halsschlagader gebildet haben und mit dem Blutstrom ins Gehirn wandern.

Bei einer Arteriosklerose können durch Ablagerungen an der Innenwand hirnversorgende Gefäße oder Hirngefäße verengen, oder verschließen. Dann erhält das zu versorgende Hirnareal zu wenig Blut und Sauerstoff, was zu Lähmungen, Sprach- oder Sehverlust führen kann. Nicht nur Blutgerinnsel und Arteriosklerose können Ursache sein, auch Erreger wie Bakterien oder Viren können Schlaganfälle auslösen – das muss in einem spezialisierten Schlaganfallzentrum sorgfältig abgeklärt werden.

Vorbeugung

Mit zunehmendem Alter steigt die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden. Neben Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen (zum Beispiel einem erhöhten Cholesterinspiegel) fördern auch Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen das Schlaganfall-Risiko. Bei Frauen kann sich die Einnahme Anti-Baby-Pille zusätzlich negativ auswirken.

Wer das Risiko für einen Schlaganfall so gering wie möglich halten möchte, sollte sich viel bewegen, auf das Rauchen verzichten und sich mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten gesund ernähren. Auch die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks und der Blutwerte vom Arzt ist zu empfehlen. Die Krankenkassen bieten hierzu Vorsorgeuntersuchungen an, auf die gesetzliche Versicherte ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre kostenfrei Anspruch haben.

Das richtige Verhalten

Da ein Schlaganfall nicht mit Schmerzen verbunden ist, neigen Betroffene, Angehörige – aber manchmal auch Ärzte – dazu, erst einmal abzuwarten. Ein fataler Fehler, denn in der Akutphase des Schlaganfalls zählt jede Minute. Treten verdächtige Symptome auf, sollte keine Zeit mit einem Anruf oder Besuch beim Hausarzt verschwendet, sondern sofort die Notrufnummer 112 gewählt werden! Die Gefahr, an einem Schlaganfall zu sterben, kann durch die schnelle Behandlung in einer spezialisierten Schlaganfallstation ("Stroke Unit") halbiert werden.

Ebenso kann bei rechtzeitiger Behandlung das Ausmaß einer bleibenden Behinderung drastisch reduziert werden. Obgleich Deutschland ein annähernd flächendeckendes Netz von Schlaganfallspezialstationen, sogenannter spezialisierter Stroke Units durchzogen ist, werden dennoch lediglich ca. die Hälfte aller Schlaganfallpatienten hier behandelt.

Akut-Behandlung

Liegt der Beginn der Symptome weniger als viereinhalb Stunden zurück, wird versucht, den Gefäßverschluss mit einer so genannten Lysetherapie (spezielles, blutverdünnendes Medikament) wieder aufzulösen. In vielen Fällen bilden sich so die Beschwerden zurück, teilweise können Patienten sogar beschwerdefrei aus dieser Behandlung herausgehen. Aber nicht jeder Schlaganfall bildet sich wieder komplett zurück. Trotz schneller Hilfe gibt es immer wieder sehr schwere Verläufe.

"FAST"-Methode

Damit lassen sich fünf Symptome im Vorfeld eines Schlaganfalles abklären.
Face
: Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin
Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt oder dreht sich.
Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
Time: Jede Minute zählt! Zögern Sie also nicht, wählen Sie unverzüglich die 112 und schildern Sie die Symptome.

Weitere Informationen

• Nachrichten WDR
https://www1.wdr.de/nachrichten/themen/coronavirus/astrazeneca-impfung-thrombose-100.html

• Nachrichten Westfalen WDR
https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/schlaganfall-stiftung-guetersloh-warnt-100.html

• Planet Wissen, WDR
https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/krankheiten/schlaganfall/index.html

• Ratgeber Gesundheit, NDR
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Schlaganfall-Anzeichen-erkennen-und-richtig-behandeln,schwerpunktschlaganfall101.html

• Ratgeber Gesundheit, NDR
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/schwerpunktschlaganfall101_page-4.html

• Brisant, ARD
https://www.mdr.de/brisant/ratgeber/schlaganfall-symptome-ursachen-100.html

• Ratgeber Gesundheit, MDR
https://www.mdr.de/ratgeber/gesundheit/warnsignale-koerper-zeichen-schmerzen-risiko-gefaehrlich-sos-symptome-100.html

• Hauptsache gesund, MDR
https://www.mdr.de/tv/programm/sendung925714.html

• Schlaganfallhilfe
http://www.schlaganfall-hilfe.de

Stand: 10.05.2021 07:42 Uhr

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