SENDETERMIN Do, 19.04.18 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Schlecht schlafen

mit Michael Feld, Schlafmediziner

PlayJens Eberl, Michael Feld
Service: Schlecht schlafen | Bild: WDR

20 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Schlafstörungen. Mehr als zehn Millionen Deutsche leiden sogar so heftig, dass sie sich in ärztliche Behandlung begeben müssen. Studien zufolge leiden bis zu 37 % der Kinder unter Schlafstörungen.

Stress, Fehlverhalten am Tag und falsche Erwartungshaltungen an den Schlaf sind die häufigsten Ursachen für Schlaflosigkeit. Schlafstörungen haben jedoch kein einheitliches Krankheitsbild. So werden in der Schlafmedizin weit über 80 verschiedene Formen gegeneinander abgegrenzt.

Störungen des Schlafs lassen sich grob in vier Gruppen einteilen und können unterschiedliche Ursachen haben. Eine behandlungsbedürftige Schlafstörung liegt erst vor, wenn es zu einer dauerhaften Tagesmüdigkeit kommt, die sich über vier Wochen hinzieht.

Ein- und Durchschlafstörungen

Bei Ein- und Durchschlafstörungen liegen oftmals psychische Gründe vor, aber auch ein falscher Umgang mit dem Schlafbedürfnis kann die Ursache sein. Selbstverständlich muss auch immer eine bisher nicht erkannte körperliche Ursache ausgeschlossen werden. Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen stören den Schlaf oft erheblich.

Übermäßige Tagesmüdigkeit

Viele Menschen leiden unter Tagesmüdigkeit, obwohl sie ausreichend schlafen. Manchmal kommt es sogar vor, dass sie während der Arbeit oder im Straßenverkehr ungewollt einnicken.
Meist findet sich eine körperliche Ursache, die dazu führt, dass der Schlaf wiederholt kurz unterbrochen wird. Diese kurzen Unterbrechungen werden vom Schläfer nicht wahrgenommen, sie sorgen aber dafür, dass kein Tiefschlaf auftreten kann und der Schlaf deshalb nicht erholsam ist.
Hauptursache hierfür sind meist die sogenannten Schlafapnoen - wiederholte kurze Atemaussetzer während des Schlafes.

Oft sind auch Schnarcher betroffen. Erfolgt keine Behandlung drohen schwere Erkrankungen wie Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen bis hin zu Depressionen, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Bluthochdruck.

Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus

Ist der Schlaf an sich zwar in Ordnung, tritt aber zur falschen Zeit auf, liegt eine Schlaf-Wach-Rhythmusstörung vor. So bringen zum Beispiel Langstreckenflüge den normalen Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinander und führen zum sogenannten "Jet-lag".
Auch bei Schichtarbeit kommt es zu Verschiebungen der Schlafphase, die oft eine Behandlung notwendig machen.
Dies trifft auch auf weitere Störungen der "inneren Uhr" zu: So kann es bei extremen Morgen- oder Abendtypen zu deutlicher morgendlicher oder abendlicher Müdigkeit kommen.

Schlafgebundene Störungen

Unter dem Begriff Parasomnien werden alle Erkrankungen zusammengefasst, bei denen während des Schlafes oder beim Übergang vom Schlafen zum Wachsein eine Störung auftritt. Am bekanntesten ist das Schlafwandeln, das seine Ursache in einem unvollständigen Erwachen hat. Andere typische Begleitstörungen des Schlafes sind nächtliches Aufschrecken, Zähneknirschen oder Alpträume.

Tipps für eine gute Schlafhygiene

• Gehen Sie möglichst immer zur gleichen Zeit ins Bett, damit Sie einen Rhythmus entwickeln.
• Stehen Sie zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende und im Urlaub.
• Wenn Sie nicht einschlafen können, stehen Sie nach 10 Minuten auf und lenken Sie sich mit einer Beschäftigung ab, die Sie sofort wieder beenden können: z.B. lesen.
• Schlafen Sie nicht außerhalb des Bettes ein und gehen Sie erst dann wieder ins Bett, wenn Sie sich schläfrig fühlen.
• Machen Sie sich von dem Gedanken frei, schlafen zu müssen. Wenn Sie entspannen, kommt der Schlaf von ganz allein. Lernen Sie Entspannungsübungen.
• Sorgen Sie für eine nicht zu hohe Temperatur im Schlafzimmer (ca. 18°C)
• Im Bett nicht lesen, fernsehen oder essen und keine beruflichen Unterlagen bearbeiten.
• Nehmen Sie vier bis sechs Stunden vor dem Schlafengehen keine koffeinhaltigen, alkoholischen Getränke oder Medikamente zu sich.
• Rauchen Sie grundsätzlich nicht vor dem Schlafengehen und schon gar nicht im Bett.
• Nehmen Sie vor dem Schlafengehen keine schweren Mahlzeiten ein. Eine leichte Nachtmahlzeit kann hingegen schlaffördernd wirken. Diese sollten Sie nicht später als zwei Stunden vor dem zu Bett gehen einnehmen.
• Betreiben Sie zwei Stunden vor dem Schlafengehen keinen körperlich anstrengenden Sport mehr.

Sollte sich nach vier bis sechs Wochen der Anwendung der beschriebenen Techniken Ihr Schlaf nicht bessern, ist es an der Zeit, einen erfahrenen Spezialisten in einem schlafmedizinischen Labor aufzusuchen. Greifen Sie auf keinen Fall zur Schlaftablette, ohne vorher mit einem Fachmann gesprochen zu haben!

Weitere Informationen

Schlaf Coaching
www.sailfield.com/coaching

Planet Wissen: Gesunder Schlaf
www.planet-wissen.de/gesellschaft/schlaf/zeitrhytmus_des_menschen/gesunderschlaf

• Ratgeber-Downloads zum Thema Schlafstörungen der deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)
www.initiative-gesunder-schlaf.de

Literatur

Dr. Michael Feld: Dr. Felds große Schlafschule: Endlich wieder durchschlafen und erholt aufwachen
GU Verlag, 19,99 Euro

Prof. Dr. Jürgen Zulley: Mein Buch vom guten Schlaf
Zabert Sandmann Verlag,19,95 Euro

Stand: 09.10.2018 21:57 Uhr

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