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Service: Sicher telefonieren

mit Jörg Brunsmann, Digital-Experte

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Service: Sicher telefonieren | Video verfügbar bis 15.04.2020 | Bild: WDR

Bisher gab es neben der "Datenautobahn" Internet zwei "Landstraßen", also weitere Kanäle: einen für analoge Telefonie und einen zweiten für ISDN, einen digitalen Standard für Telefonnetze. Die großen Telefonanbieter haben bereits vor Jahren beschlossen, diese nicht weiter zu pflegen und auszubauen, sondern auf VoIP umzustellen: "Voice over IP" bedeutet Telefonieren übers Internet.

Alle Telefonanschlüsse sind betroffen

Egal ob analog oder ISDN - alle Telefonanschlüsse werden auf VoIP umgestellt. Bei der Telekom ist das fast abgeschlossen, Vodafone will seine bisherigen ISDN- und analogen Telefonanschlüsse bis 2022 umstellen. Da analoge und ISDN-Anschlüsse nur von Telekom oder Vodafone bereitgestellt werden, kommt also langfristig kein Festnetz-Kunde an der Umstellung vorbei.

Das ändert sich für Telefonkunden

Die Telefonnummer bleibt, doch die Telefondose fällt weg. Der Anschluss muss in der Regel neu installiert werden, denn das Telefon wird nach der Umstellung am Internet-Router angeschlossen. Alte Telefone, Anrufbeantworter, Faxgeräte oder Multifunktionsdrucker können in den meisten Fällen weiter verwendet werden. Wer sich nicht damit auskennt, welcher Stecker wohin kommt und wie der Router eingerichtet werden muss, steht vor einem Problem. Die Telefon-Firmen bieten Hilfe bei der Umstellung an - zum Beispiel auf entsprechenden Seiten im Internet.

Qualität und Zuverlässigkeit bei IP-Telefonie

Normales Telefonieren bereitet am neuen IP-Anschluss in aller Regel keine Probleme. Auch ältere Geräte funktionieren, allerdings nicht mehr ganz so zuverlässig wie früher: bisher funktionierte das Telefon auch dann noch, wenn im Haus der Strom ausgefallen war - denn der Strom fürs Telefon kam über die Telefonleitung.

Bei IP-Anschlüssen ist das anders: Fällt im Haus der Strom aus, läuft auch der für die IP-Telefonie benötigte Router nicht mehr, und das Telefon ist "tot". In Notfällen kann das zum Problem werden: vor allem für spezielle Geräte, die an das Telefonnetz angeschlossen werden - beispielsweise Notruf- oder Alarmanlagen. Für den Notfall sollten Sie daher ein geladenes Mobiltelefon in Reichweite haben.

Sicherheit bei IP-Telefonie

Standardmäßig werden die Daten von IP-Telefongesprächen unverschlüsselt über das Internet übertragen. Eine Verschlüsselung ist zwar möglich, wird häufig aber nicht aktiviert. Damit ist es relativ leicht, Gespräche abzuhören, wenn Hacker sich in den Datenstrom einklinken.

Probleme der IP-Telefonie

Ein Sicherheitsproblem von VoIP ist die recht einfache Möglichkeit, die im Display angezeigte Rufnummer zu ändern, so dass dem Angerufenen im Display eine gefälschte Nummer angezeigt wird (Call ID Spoofingt). Dies machen sich immer mehr Betrüger zunutze und täuschen bei Anrufen eine fremde Identität vor. Bei Verbraucherzentralen und Bundesnetzagentur häufen sich Meldungen über solche Betrugsfälle. Seien Sie also bei unerwarteten Anrufen misstrauisch, auch wenn Ihnen die Nummer des Anrufers vertraut vorkommt.

Da durch die Umstellung auf VoIP Telefonate deutlich billiger geworden sind, ist es egal, ob man innerhalb Deutschlands oder um die halbe Welt telefoniert. Auch das nutzen Betrüger mit sogenannten Ping Calls aus: Bei diesen Anrufen wird nach dem ersten Klingeln aufgelegt, so dass man keine Chance hat, ans Telefon zu gehen. Genau das ist gewollt, denn wer unbedacht auf die Rückruf-Taste drückt, wählt eine teure Sonderrufnummer an. Mit dieser Masche verdienen Betrüger viel Geld.

Zugenommen haben auch Werbeanrufe. Was bei der E-Mail "Spam“ heißt, wird beim Telefon "Spam over Internet Telephony", kurz "SPIT“, genannt: Computer rufen vollautomatisch Tausende von Telefonnummern an, um dort eine Werbenachricht abzuspielen. Wer so einen Anruf bekommt, sollte am besten direkt auflegen. Moderne Router bieten die Möglichkeit, unerwünschte Nummern zu sperren.

Sicherheitstipps

Bei VoIP laufen alle Telefonate über das Internet. Der DSL-Router spielt dabei eine wesentliche Rolle und ist zugleich der größte Schwachpunkt: die meisten Router bieten dem Besitzer des Anschlusses die Möglichkeit eines Fernzugriffs über das Internet - der Zugang wird über ein Passwort geschützt. Gelingt es Hackern, in den Router einzudringen, können sie auf Ihre Kosten telefonieren und einen erheblichen Schaden anrichten. Sorgen Sie daher für regelmäßige Sicherheitsupdates und wählen Sie immer ein sicheres Passwort für den Router.

Weitere Informationen

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) 
Godesberger Allee 185-189
53175 Bonn


Telefon: 0228 99 95 82-0
Telefax: 0228 99 10 95 82-5400

E-Mail: poststelle@bsi.bund.de 
Internet: www.bsi.bund.de

Telefon-Anschluss nur noch mit VoIP: Tipps von der Verbraucherzentrale


www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/mobilfunk-und-festnetz/telekomanschluss-nur-noch-mit-voip-tipps-fuer-kunden

Stand: 15.04.2019 13:09 Uhr

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