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Service: Sorgerecht

mit Sabine Kleidon, Rechtsanwältin

PlaySorgerecht, Trennung, Kinder, Symbolbild
Service: Sorgerecht | Video verfügbar bis 08.03.2020 | Bild: WDR

Neben dem Wunsch, für ein gemeinsames Kind da zu sein, haben Eltern auch die Pflicht und das Recht, für ihr minderjähriges Kind zu sorgen. Das Sorgerecht umfasst alle wichtigen Angelegenheiten, die das weitere Leben des Kindes betreffen, z.B. Bestimmung des Namens, Anmeldung in Kita oder Schule, Aufenthaltsbestimmungs- und Umgangsrecht.

Normalerweise tragen beide Eltern die Sorge gemeinsam. Das Kindeswohl steht dabei immer im Vordergrund. Das gemeinsame Sorgerecht besteht, wenn die Eltern zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes miteinander verheiratet sind, nach der Geburt einander heiraten oder das Familiengericht ihnen die elterliche Sorge gemeinsam überträgt. Manchmal ist es zum Wohle des Kindes jedoch besser, die elterliche Sorge auf nur einen Elternteil zu übertragen.

Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung werden immer mehr Kinder und Jugendliche nicht nur in einer, sondern in mehreren Familien aufwachsen: Es gibt Stiefvaterfamilien, Stiefmutterfamilien, Familien mit gemeinsamen Kindern und Stiefkindern, solche, in denen die Kinder dauerhaft leben und solche, bei denen die Kinder nur zeitweise zu Besuch sind. Je nach Konstellation kommt dann entweder das sogenannte kleine Sorgerecht oder das große Sorgerecht zum Tragen.

Kleines Sorgerecht

Bei einem sogenannten "echten" Stiefelternverhältnis, d.h. der Ehepartner hat das alleinige Sorgerecht für das leibliche Kind, hat das Stiefelternteil das Recht, in Alltagsangelegenheiten für das Kind betreffend mitzuentscheiden (BGB §1687b). Dazu zählen z.B. die Freizeitgestaltung, Hobbys sowie Schulangelegenheiten (Teilnahme am Schulausflug, Unterzeichnung von Noten und Zeugnissen). Allerdings muss hier Einvernehmen mit dem sorgeberechtigten Partner bestehen.

Gemeinsames elterliches Sorgerecht

Haben die getrennten, leiblichen Eltern das gemeinsame Sorgerecht, gilt das kleine Sorgerecht nicht. Damit der Stiefelternteil dennoch Entscheidungen treffen darf, muss eine entsprechende Vollmacht erteilt werden. Diese gilt aber nicht für wesentliche Entscheidungen (z.B. Schulanmeldung); diese bedürfen immer auch der Zustimmung des mitsorgeberechtigten Elternteils.

Zu den Angelegenheiten, die im Rahmen des gemeinsamen Sorgerechts von beiden Elternteilen entschieden werden müssen, zählen z.B. Anmeldung in einer Kindertagesstätte oder Schule, Auswahl der Schule, Ausbildung, religiöse Erziehung, Aufenthaltsbestimmungsrecht, Umgangsrecht, medizinische Eingriffe mit der Gefahr von erheblichen Komplikationen (Operationen oder sonstige schwerere Erkrankungen).

Dagegen können Entscheidungen, die das tägliche Leben betreffen und keine Auswirkungen auf die künftige Entwicklung des Kindes haben, von dem Elternteil, bei dem sich das Kind gerade aufhält, allein getroffen werden, z.B. Fragen des Schulalltags (Zustimmung zu Ausflügen), Essensfragen, Bestimmung der Schlafenszeit, Fernsehkonsum, Umgang mit Freunden der Kinder, gewöhnliche medizinische Versorgung (Kinderkrankheiten, Behandlungen bei leichteren Verletzungen, Zahnbehandlungen), Taschengeld und die Verwaltung kleinerer Geldgeschenke.

Jedem Elternteil steht zudem ein sogenanntes Notvertretungsrecht zu. Dieses setzt voraus, dass dem Kind erhebliche (insbesondere gesundheitliche oder wirtschaftliche) Nachteile drohen. In diesen Fällen kann auf die Einholung der Zustimmung des anderen Elternteils verzichtet werden.

Stand: 14.02.2020 10:04 Uhr

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