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Service: Inflation und Verbraucher

mit Hermann-Josef Tenhagen, Finanztip

PlayInflation, Symbolbild
Service: Inflation und Verbraucher | Video verfügbar bis 14.02.2023 | Bild: WDR

"Haben die schon wieder den Preis erhöht? " Diese Frage stellt man sich zur Zeit ständig. Im Supermarkt, an der Tankstelle, im Restaurant. Der Grund: die Inflation. Doch die ist kein Naturgesetz. Preise werden vom Markt erhöht oder auch reduziert. Was bedeutet die aktuell hohe Inflation für Verbraucher, und wie kann man gegensteuern?

Inflationsrate in Deutschland

Um einen Anhaltspunkt dafür zu haben, wie sich Preise im Zeitverlauf entwickeln, sammelt das Statistische Bundesamt fortlaufend Preise für 650 verschiedene Waren und Dienstleistungen. Das Preisschild für diesen Warenkorb (der sogenannte Verbraucherpreisindex) wird auf monatlicher und jährlicher Basis veröffentlicht. In der Berechnung haben die einzelnen Waren und Dienstleistungen ein unterschiedliches Gewicht, bemessen an den tatsächlichen Ausgaben einer Stichprobe von rund 80.000 Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Aus diesem Vergleich gegenüber dem Vorjahr ergibt sich die Teuerungs- oder Inflationsrate. 2019 und 2020 lag die monatliche Inflationsrate in Deutschland zunächst meist zwischen 1 und 2 Prozent. Seit dem Sommer 2021 bewegt sie sich um die Marke von 4 Prozent. Da die Inflationsrate ein Durchschnittswert ist, können bestimmte Produkte deutlich stärker zulegen, andere werden über die Zeit günstiger.

Die Rolle der Europäischen Zentralbank

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt setzt den Leitzins fest. Zu diesem Zinssatz können sich die einzelnen Banken Geld bei der Zentralbank leihen – er ist ein wichtiger Hebel der EZB, um ihren Kernauftrag zu erfüllen: Die Zentralbank soll die Preisstabilität in der Eurozone sicherstellen und damit die Kaufkraft des Euro erhalten. Vereinfacht gesagt führt ein höherer Leitzins dazu, dass Banken und damit auch Unternehmen in ihren Handlungen gebremst werden. Denn es wird teurer für sie, Kredite für neue Investitionen aufzunehmen. So soll die Preisentwicklung gedämpft werden.

Umgekehrt ist die Idee hinter niedrigen Leitzinsen: Unternehmen können sich günstiger Geld bei der EZB besorgen und investieren mehr; auch Konsumenten geben ihr Geld lieber aus, als es zu niedrigen Zinsen anzulegen. Das soll die Wirtschaft ankurbeln und damit auch der Inflation einen Schubs nach oben geben.

Als Ziel strebt die EZB eine Teuerung von "mittelfristig 2 Prozent" an. Viele andere Zentralbanken der Industrieländer haben ein ähnliches Inflationsziel. Die Idee dahinter: Mit einer Inflationsrate auf diesem eher niedrigen Level können Verbraucher und Unternehmen zurechtkommen. Sowohl ein Abrutschen in den negativen Bereich, also in eine Deflation, bei der alles im Schnitt immer billiger würde, als auch eine sogenannte galoppierende oder Hyperinflation sollen vermieden werden.

Was bedeutet die relativ hohe Inflation für mich?

In November betrug die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahr 5,2 Prozent. Viele Medien schlugen Alarm. Vom höchsten Wert seit 1992 war die Rede. Dabei sieht die Inflation gerade viel höher aus, als sie eigentlich ist.

Das liegt an Sondereffekten der Corona-Pandemie. Zum Beispiel an der Senkung der Mehrwertsteuer von Juli bis September 2020. Vergleicht man jetzt also die Verbraucherpreise mit dem Vorjahr, ist klar, dass die Preise schon deshalb teurer sind, weil wieder die alten Steuersätze gelten.

Zweiter Sondereffekt: Die stark schwankenden Energiepreise. Im Herbst des Vorjahres lagen die Preise auf einem Rekordtief, weil die Wirtschaft durch Corona ausgebremst war. Die Inflationsrate bezieht sich also aktuell auf diesen Tiefstand. Experten sagen: Es wird keine Horror-Inflation geben. Die Rate wird nach dieser Einschätzung nicht über längere Zeit bei 5 Prozent bleiben. Trotzdem macht sich das "hohe" Niveau jetzt im Portemonnaie bemerkbar.

Hier sind einige Tipps um den Preisanstieg abzufedern.

Suchen Sie nach einem günstigen Girokonto

Wenn Sie noch hohe Gebühren für Ihr Girokonto bezahlen, sollten Sie ggf. wechseln. Ob eine andere Bank mit günstigeren Konditionen zu Ihnen passt, lässt sich mit diversen Girokontenrechnern im Netz überprüfen. Der Wechsel gestaltet sich meist recht einfach, da die neue Bank oft einen Wechselservice anbietet. Die Ersparnis kann bis zu 150 Euro im Jahr ausmachen.

Günstige Strom- und Gasanbieter

Nie waren Strom und Gas so teuer wie im Moment. Die Preise können aber immer noch stark variieren je nach Verbrauch, Vertrag und Anbieter. Daher ist ein Vergleich immer noch sinnvoll. Nutzen Sie die diversen Vergleichsrechner im Netz um ggf. Einsparpotential herauszufinden. Manchmal lohnt sich auch ein Anruf beim örtlichen Versorger. Beim Neuabschluss der Verträge von Strom und Gas sind immer noch Einsparungen von mehreren hundert Euro im Jahr möglich. Hierbei muss auch immer der so genannte Wechselbonus mit berechnet werden.

Sollte man sein Geld in Aktien investieren?

Bei niedrigen oder negativen Zinsen sind Aktien eine Option. Für langfristige Sparziele sind ETFs eine einfache und günstige Möglichkeit, um Vermögen anzusparen. Wer sein Geld hier investiert und eine Zeitspanne von 10 bis 15 Jahren plant, hat damit ein sehr geringes Risiko durch Börsenschwankungen.

Überprüfen Sie Ihre Handytarife

Die allermeisten von uns wechseln viel zu selten ihren Handytarif! Und das obwohl sich die Preise ständig ändern und man als Neukunde oft viel bessere Konditionen bekommt. Auch hier lohnt sich ein Blick ins Netz und auf die diversen Tarifrechner in diesem Bereich. Auch hier lässt sich viel Geld sparen.

Überprüfen Sie Ihre laufenden Kredite

Die Zinsen sind gerade im Keller. Das heißt, dass Sie jetzt alles tun sollten, um von den guten Konditionen für Ihre laufenden Kredite zu profitieren. Man hat als Kunde jederzeit das Recht seinen alten, teureren Kredit zu kündigen und zu einer anderen Bank mit geringeren Zinsen umzuschulden. Zusätzlich wird man auf diesem Weg auch eine teure und überflüssige Restschuldversicherung los.
Informieren Sie sich auch in Ihrer Baufinanzierung, ob man mit einer Umschuldung vor Ablauf ggf. die derzeit niedrigen Zinsen in die nächsten Jahre mitnehmen kann. Das Stichwort heißt hier Forward-Darlehen. Ein Gespräch mit der Bank kann da hilfreich sein.

Überprüfen Sie Ihre Kfz-Versicherungen

Die Suche nach einer günstigen Autoversicherung kann anstrengend sein. Sie kann sich aber lohnen. Überprüfen Sie jedes Jahr im Herbst (Stichtag ist der 30.11.) ihre jeweiligen Verträge. Auch wenn Sie den Wechsel in vergangenen Jahr verpasst haben, merken Sie sich den Termin bereits jetzt für den Herbst vor. Hier sind mehrere hundert Euro Einsparungen möglich.

Weitere Informationen

• WDR, Was können Sparer bei der derzeitigen Inflation tun?
https://www1.wdr.de/verbraucher/geld/inflation-108.html

• Tagesschau: Informationen zur derzeitig hohen Inflationsrate
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/inflation-161.html

• WDR, Tipps zur Geldanlage
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr/economista/audio--sos-inflation-wie-kann-ich-mein-geld-davor-schuetzen-100.html

• WDR, Informationen zur Preissteigerung
https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-profit-aktuell/audio-inflation---welche-preise-besonders-gestiegen-sind-100.html

Stand: 14.02.2022 07:14 Uhr