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Service: Umgang mit Fake News

mit Dennis Horn, Multimedia-Experte

PlayFake News, Symbolbild
Service: Umgang mit Fake News | Video verfügbar bis 31.03.2023 | Bild: dpa

Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit, heißt es. Das wird in Zeiten von Social Media zu einer Herausforderung für uns alle. Doch nicht erst seit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine gibt es Falschmeldungen und Propaganda: Auch zu anderen Themen wie Corona oder Impfungen kursieren immer wieder irreführende oder falsche Informationen. Ebenso bei Terroranschlägen oder schweren Unglücken gehören mittlerweile Falschmeldungen in den sozialen Netzwerken und gestreute Gerüchte zum Alltag.

Soziale Medien

Dank der sozialen Medien kann heute jeder von überall aus mit anderen in Kontakt treten und Informationen teilen. Durch diese Netzwerke sind wir auch mit Nachrichtenagenturen verknüpft und erhalten wichtige Informationen viel schneller als früher. Doch wo viel geteilt wird, verbreiteten sich auch Falschinformationen so schnell wie nie.

Gerade in unsicheren Zeiten oder Notsituationen suchen Menschen nach Informationen und Orientierung. Das wird ausgenutzt, um zu beeinflussen und Aufmerksamkeit zu generieren. Oft stecken finanzielle Interessen dahinter - oder politische - mit dem Ziel, unsere Gesellschaft zu spalten und Hass zu verbreiten. Und manchmal ist es auch einfach wie ein dummer Witz. Bei diesen sogenannten "Fake News" handelt es sich um bewusst irreführende Behauptungen, die gezielt verbreitet werden.

Vorsicht beim Teilen von Informationen

Jeder von uns sollte die eigenen Quellen gut checken und keine Videos, Screenshots, oder andere Inhalte teilen, von denen wir nicht wissen, woher sie stammen. Je reichweitenstärker unsere eigenen Accounts sind, desto stärker sollten wir darauf achten, was Menschen in unseren Kommentaren von sich geben und ob sie unsere Reichweiten nutzen, um Desinformationen zu verbreiten. Dies ist eine klassische Social-Media-Propagandastrategie.

Gerade Fotos und Videos verbreiten sich zurzeit mit einer großen Geschwindigkeit. Zehntausende teilen sie, ohne darüber nachzudenken, was sie damit anrichten, und Millionen Menschen sehen sie. Deshalb: beim geringsten Zweifel an der Echtheit nicht teilen. Experten raten immer wieder dazu, ungesicherte Inhalte nicht weiterzuleiten, um denen nicht zu helfen, die sie verbreiten, sondern diese Arbeit den Journalistinnen und Journalisten zu überlassen, deren Job es ist, Quellen zu verifizieren und erst dann Fotos und Videos zu veröffentlichen.

Es bringt nichts, zu posten, dass man vorsichtig sein sollte, was man teilt - und es dann im Anhang trotzdem zu teilen, weil es ja "krass wäre, wenn es stimmt".

Informationen und Quellen prüfen

Fake News haben oft typische Muster, die professionellen journalistischen Standards wider-sprechen. So ist Vorsicht geboten, wenn Meldungen besonders reißerisch formuliert sind und eine emotionale Sprache verwenden.
Um Fake News zu erkennen, sollten die Inhalte kritisch überprüft werden. Das bedeutet Meldungen nicht einfach ungelesen zu teilen, ohne die Quelle genauer untersucht zu haben.

Folgende Fragen können dabei helfen:

  • Haben die Accounts einen blauen Haken, sind es also offizielle Accounts? Wer steckt dahinter? Wer steht im Impressum?
  • Wann wurde es hochgeladen? Wer hat es zum ersten Mal gepostet?
  • Kann der Verbreiter der Nachricht einer nachweislich seriösen Quelle zugeordnet werden?
  • Melden auch andere journalistische Quellen dieselben Fakten?

Eigene Recherche

Es gibt auch Tools, mit denen Fotos und Videos geprüft werden können. Die Bilderrückwärts-suche von Google oder von Anbietern wie TinyEye zeigt beispielsweise, ob Fotos oder Videos schon mal im Netz verwendet wurden. Heutzutage können auch Videos lügen, die auf den ersten Blick vertrauenswürdig wirken, etwa Videos mit Aussagen von Politikern. Modernste Technologien machen es möglich, Tonspuren und die Lippenbewegungen des Sprechers zu manipulieren. Solche gefälschten Videos werden Deepfakes genannt. Sie sind eine besondere Bedrohung, da sie sehr authentisch wirken und teilweise nur schwer zu entlarven sind.

Seriöse Quellen nutzen

Grundsätzlich ist die Quelle ein wichtiger Hinweis dafür, ob Bilder oder Informationen vertrauenswürdig sind oder nicht. So gelten Nachrichtenagenturen wie beispielsweise dpa, AFP oder AP als vertrauenswürdig, da sie das Material vor der Veröffentlichung prüfen. Bei Bildern und Videos werden in der Regel Quelle, Datum und Aufnahmeort angegeben. Auch andere große Medien prüfen vor der Veröffentlichung Bildmaterial.

Allerdings können auch Agenturen und Medien Fehler machen. Solche sollten dann transparent korrigiert werden. Auch in den sozialen Medien gibt es zuverlässige Quellen. Die Online-Redaktion der Wochenzeitschrift Zeit hat zum Beispiel bei Twitter eine Liste mit Accounts von Journalistinnen und Journalisten erstellt, die über den Krieg in der Ukraine berichten:

https://twitter.com/i/lists/1486391104782098436

Auch von anderen Anbietern gibt es solche Listen. Doch selbst Journalistinnen und Journalisten können aufgrund der großen Menge von Fake News nicht immer eine hundertprozentige Sicherheit geben. In diesen Fällen wird das aber in der Regel transparent gemacht und darauf hingewiesen, dass die Echtheit der Informationen nicht bestätigt werden kann. Besondere Vorsicht ist bei ausländischen Medien geboten, die unter staatlicher Kontrolle stehen und nicht unabhängig und frei berichten können.

Der ARD-Faktenfinder, oder der Faktencheck des Recherche Netzwerks CORRECTIV listen regelmäßig Beispiele von Fake News auf und bieten Hilfe beim Überprüfen von Falschmeldungen.

Weitere Informationen

• Tagesschau Faktenfinder: Fake News erkennen
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/fakenews-erkennen-101.html

• BR: Faktenfuchs – Was steckt hinter Fake News, Gerüchten und Hetze? https://www.br.de/nachrichten/faktenfuchs-faktencheck

• NDR: Mit der Rückwärtssuche Fakes entlarven
https://www.ndr.de/ratgeber/Google-Bildersuche-Mit-der-Rueckwaertssuche-Fakes-entlarven,bildersuche104.html

• Recherchenetzwerk CORRECTIV: Faktencheck
https://correctiv.org/faktencheck/

• Ukraine-Krieg: So erkennen Sie Fake News
https://www.bmbf.de/bmbf/shareddocs/kurzmeldungen/de/2022/03/ukraine-krieg-fake-news-erkennen.html

• Österreichischer Verein mit dem Ziel der Aufklärung über Internetmissbrauch
https://www.mimikama.at/

• Volksverpetzer - Der Anti-Fake-News-Blog
https://www.volksverpetzer.de/

Stand: 08.04.2022 12:10 Uhr

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