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Service: Vererben und vorsorgen

mit Eugenie Zobel, Stiftung Warentest

PlayTestament, Erbschaft, Erben
Service: Vererben und vorsorgen | Video verfügbar bis 25.11.2022 | Bild: WDR

Ein klug formuliertes Testament sichert Angehörige ab, vermeidet Konflikte unter Erben und hilft, Steuern zu sparen. Jährlich werden in Deutschland rund 250 Milliarden Euro an Geld, Sachwerten und Immobilien vererbt. Aber nur jeder dritte Deutsche soll seinen Nachlass geregelt haben. Dabei erfordern die heute verbreiteten Familienformen neue Regelungen.

Patchworkfamilien sind zum Beispiel im Erbrecht nicht vorgesehen. Aber auch für alle anderen heißt es, sich frühzeitig mit dem zu vererbenden Vermögen beschäftigen. Auch der digitale Nachlass, nämlich die Passwörter zu Email-Accounts, sozialen Netzwerken oder auch Musik- und Videoabonnements sollten im letzten Willen bedacht sein, um den Nachkommen die Kündigung zu ermöglichen.

Wie setzt ein Testament die Erbfolge außer Kraft?

Eine letztwillige Verfügung wie Testament oder Erbvertrag braucht jeder, der sein Vermögen nach eigenen Wünschen verteilen will. Ansonsten gelten die Regelungen, die das Bürgerliche Gesetzbuch für den Erbfall vorsieht. Ein Testament setzt die gesetzliche Erbfolge außer Kraft und teilt den Nachlass nach eigenem Belieben auf.

Wie viel erben Ehepartner und Kinder?

Ehepartner sind zwar nicht miteinander verwandt, doch auch sie erben, wenn ein Partner stirbt. Die Erbquote hängt vom ehelichen Güterstand ab und davon, ob der Verstorbene noch lebende Verwandte hat. Beispiel: Im Normalfall (bei Güterstand Zugewinngemeinschaft) erbt der Ehepartner in der Regel die eine Hälfte; Kinder teilen sich die andere Hälfte des Vermögens.

Was gilt bei unverheirateten Paaren?

Für unverheiratete Paare sind Erbverträge die einzige Lösung, einen gemeinsamen letzten Willen zu hinterlassen. Wer sich frühzeitig damit befasst und Fehler vermeidet, sorgt für Gerechtigkeit, beugt Streitereien vor – und erspart den Erben eventuell auch Steuern. Ohne Testament geht der Partner komplett leer aus und nur die leiblichen Kinder oder Angehörigen erben.

Wen kann ich enterben?

Es gibt Pflichtteile für nahe Angehörige (Ehegatten, Kinder, Enkel, Urenkel, sowie Eltern des Verstorbenen), komplett ausschließen kann man sie nicht, nur in Ausnahmefällen. Auch hier gilt die gesetzliche Erbfolge: D.h. zunächst erhält das Kind seinen Pflichtteil, dann rücken Enkel usw. nach. Der Pflichtteil ist halb so groß wie der gesetzliche Erbteil der Person. Um Streitigkeiten zu verhindern, am besten zu Lebzeiten eine Einigung finden, etwa mit einer Pflichtteilsstrafklausel oder einem vertraglichen Pflichtteilsverzicht der Kinder gegen eine Abfindung.

Wie sieht das bei Patchworkfamilien aus?

Im Erbrecht kommen Patchworkfamilien nicht vor. Sind die Partner verheiratet, haben sie zunächst einmal die gleichen Rechte wie andere Verheiratete (etwa die Möglichkeit zum gemeinsamen Testament, Erbrecht für Ehepartner usw.) Es bleiben aber Probleme in der Erbfolge mit den Kindern.

Beispiel: Da die leiblichen Kinder der Frau nicht verwandt mit dem Mann sind, erben sie nichts, wenn er stirbt. Noch komplizierter wird es, wenn das Paar darüber hinaus ein oder mehrere gemeinsame Kinder hat. Man muss hier unbedingt ein Testament oder einen Erbvertrag beim Notar aufsetzen, der den Nachlass regelt.

Darf ein Testament handschriftlich verfasst sein?

Ein Testament ist nur gültig, wenn es leserlich mit der Hand geschrieben und mit Ort, Datum und Unterschrift versehen ist Das ist bloß eine von vielen gesetzlichen Anforderungen an den letzten Willen.
Um nichts und niemanden zu vergessen, ist es ratsam, sein Vermögen zunächst aufzulisten und Erben festzulegen. Je konkreter das formuliert ist, desto besser hilft das, Streit zu vorzubeugen.

Was ist ein "Berliner Testament"?

Verheiratete setzen sich gegenseitig als alleinige Erben ein. Eventuell vorhandene Kinder sind also zunächst enterbt und erben alles, wenn auch der zweite Elternteil verstorben ist. Die Ehepartner wollen sich damit absichern. Die Kinder können aber bei Tod eines Elternteils den Pflichtteil verlangen; ihnen kann im Testament eine Pflichtteilsstrafklausel auferlegt werden.

Wie sollte ich mein Testament aufbewahren?

Eine Möglichkeit, das Testament anschließend sicher zu verwahren, ist, es beim Gericht hinterlegen zu lassen. Setzt man es gemeinsam mit einem Notar auf, übernimmt der das. Grundsätzlich könne man ein Testament aber auch selbst an einem sicheren Ort aufbewahren. Man sollte allerdings sicherstellen, dass es die Hinterbliebenen im Fall des Falles auch finden.

(Quelle: Finanztest, 11/2021, S.12 ff)

Weitere Informationen

• NDR, Ratgeber Verbraucher
https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Nur-jeder-Zehnte-hat-ein-digitales-Testament,erbe118.html

• WDR, Hier und heute, 03.11.2021
https://www1.wdr.de/fernsehen/hier-und-heute/testament-ratgeber-100.html

• WDR Kugelzwei, Markt 09.06.2021
https://www.ardmediathek.de/video/markt/kugelzwei-wie-waere-eine-welt-ohne-vererben-so-wie-man-es-heute-kennt/

• WDR Planet Wissen, 01.03.2021
https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/familie/erben_und_vererben/erben-videos-100.html

• ARD Audiothek, SWR aktuell
https://www.ardaudiothek.de/episode/kontext/fluch-oder-segen-vom-richtigen-erben-und-vererben/swr-aktuell/89726138/

• RBB, Zipp-Service 13.10.2021
https://www.rbb-online.de/zibb/service/geld/Immobilien-vererben-verschenken-Hermann-Josef-Tenhagen-finanztip.html

• Erben und Vererben, Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz
https://www.bmjv.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Erben_Vererben.pdf?__blob=publicationFile&v=28

Stand: 25.11.2021 07:23 Uhr