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Service: Vorhofflimmern

mit Dr. Mohsen Radjai, Facharzt für Allgemeinmedizin

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Service: Vorhofflimmern | Video verfügbar bis 30.04.2020 | Bild: WDR

Schlagkraft und Schlaggeschwindigkeit des gesunden Herzens sind immer optimal an die Anforderungen des Körpers angepasst. Bei Menschen mit Herzrhythmusstörungen ist die Schlaggeschwindigkeit des Herzens krankhaft verändert. Das Herz schlägt dabei entweder dauerhaft zu langsam, zu schnell und meistens unregelmäßig.

Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist die häufigste Form von Herzrhythmusstörungen. Allein in Deutschland leiden rund 1,8 Mio. Menschen daran. Die Häufigkeit von Vorhofflimmern nimmt mit dem Alter deutlich zu und tritt bei 70 bis 80-jährigen relativ häufig auf.

Charakteristisch ist ein anhaltend unregelmäßiger, meist deutlich beschleunigter Herzschlag. Vorhofflimmern wird oft gar nicht bemerkt – insbesondere das zu Beginn anfallsartig auftretende Vorhofflimmern (paroxysmales Vorhofflimmern). Es ist zwar nicht lebensbedrohlich. Dennoch birgt es schwerwiegende Gefahren: Komplikationen durch Blutgerinnsel (sogenannte thromboembolische Komplikationen), vor allem Schlaganfall und Herzschwäche können die Folgen sein.

Behandlung

Es ist prinzipiell wünschenswert, jedes Vorhofflimmern wieder dauerhaft in den normalen Herzrhythmus, den regelrechten Sinusrhythmus zu überführen. Man bezeichnet dieses Verfahren als Rhythmuskontrolle.
Dazu werden Medikamente, Elektroschock oder gar spezielle Herzkathetertherapien eingesetzt. Mit diesen Verfahren werden Herzzellen so verödet, dass Vorhofflimmern nicht mehr entstehen kann.

Je länger Vorhofflimmern besteht, umso schwieriger ist es, den sogenannten Sinusrhythmus – wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten. Dann bleibt nur noch die Möglichkeit der Frequenzkontrolle, bei der das Vorhofflimmern akzeptiert wird, aber der zu schnelle Rhythmus gebremst wird.

Die Basis der Therapie besteht in der konsequenten Behandlung oft bestehender Begleiterkrankungen und Lebensstilfaktoren: Vorrangig Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus, deutliches Übergewicht, Rauchen, Alkoholkonsum, obstruktives Schlafapnoesyndrom und Stress gelten als entscheidende Risikofaktoren für die Entwicklung und der Erhalt von Vorhofflimmern.

Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen sind also in der Regel, wenn sie nicht angeboren sind, keine eigene Erkrankung, sondern meistens die Folge von Herzkrankheiten oder anderen Einflüssen, die das Herz aus dem Takt bringen (Kalium- und Magnesiummangel, Alkohol oder Nikotin).

Unterschieden wird zwischen folgenden Arten der Herzrhythmusstörungen:

  • harmlose Herzrhythmusstörungen, die als Fehlzündungen eines normalen Herzens angesehen werden können
  • Herzrhythmusstörungen, die durch eine Erkrankung der elektrischen Impulsgeber hervorgerufen werden (z.B. AV-Block und das Sinusknoten-Syndrom)
  • Herzrhythmusstörungen, die Folge einer Herzkrankheit sind (diese sind am häufigsten und am bedeutsamsten)
  • Herzrhythmusstörungen, die Folge anderer Krankheiten sind (z.B. Schilddrüsenüberfunktion)

Behandlung

Die beste Strategie gegen Herzrhythmusstörungen ist die Ausschaltung von Faktoren, die Herzrhythmusstörungen begünstigen, und die Behandlung der Grundkrankheit, die die Herzrhythmusstörung verursacht.
Früher wurden viele Herzrhythmusstörungen für bedrohlich gehalten. Heute behandelt man Herzrhythmusstörungen nur noch, wenn dies zwingend erforderlich ist, dann aber konsequent und nur vom Fachmann.
Die Entscheidung für eine Behandlung ist Sache des Kardiologen, die regelmäßige Verlaufskontrolle kann auch durch den Internisten bzw. Hausarzt erfolgen.

Medikamente können die Herzrhythmusstörung unterdrücken oder zumindest dafür sorgen, dass sie seltener, kürzer oder erträglicher auftritt. Dafür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Aber ihre Wirkung im Einzelfall ist nicht sicher vorauszusehen. Da die Patienten unterschiedlich auf die Medikamente ansprechen, ist Geduld erforderlich und unter Umständen auch mehrfacher Medikamentenwechsel, bis das richtige Medikament und die richtige Dosierung gefunden sind.

Herzschwäche

Diese Rhythmusstörungen können allein oder in Kombination auftreten und zu einer Herzinsuffizienz führen. Die häufigsten Ursachen für eine Herzschwäche sind neben Herzrhythmusstörungen, Krankheiten, die den Herzmuskel auf Dauer schädigen, z.B. Herzkranzgefäßerkrankung, Bluthochdruck, Herzklappenerkrankungen, Herzmuskelentzündungen, angeborene Herzfehler oder Alkoholmissbrauch.
In Bezug auf Herzschwäche ist davon auszugehen, dass Vorhofflimmern die Herzpumpleistung um bis zu 20 Prozent reduzieren kann. Bei vorgeschädigten Herzen kann das kritisch werden.

Weitere Informationen

Literatur

Altenberger, J.; Bauer, W.: Herzschwäche: Ursachen - Diagnose - Therapie
Taschenbuch 2017; 96 S., ISBN-10: 3990521608

Radaj, M; Müller U.; Bleiben Sie herzgesund, Herzlichst Dr. Mo
2015; 160 S., ISBN: 9783830482390

Stand: 30.04.2019 07:26 Uhr

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