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Service: Vorsicht Zecken!

mit Prof. Heinz Mehlhorn, Parasitologe

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Service: Vorsicht Zecken! | Video verfügbar bis 17.05.2020 | Bild: WDR

Zecken sind weltweit verbreitete blutsaugende Parasiten, die sich vom Blut ihrer Wirte ernähren. Normalerweise sind Zecken ungefährlich, es sei denn, sie sind mit Krankheitserregern infiziert. Ist eine Zecke infiziert, kann ein harmloser Zeckenstich zur Gefahr für den Menschen werden, denn im Darm oder in den Speicheldrüsen der Zecke können Bakterien oder Viren sitzen, die durch den Stich übertragen werden können.

Zecken besitzen stechend-saugende Mundwerkzeuge, womit sie die Haut aufschneiden und sich mit dem stachelbesetzten Saugrüssel in der Haut verankern. Wegen der betäubenden Wirkung des Zecken-Speichels ist der Stich schmerzlos und wird nicht gespürt.

In Deutschland gibt es vor allem zwei durch Zecken übertragbare Krankheiten: die von Bakterien ausgelöste Borreliose und die durch Viren übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

FSME

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis handelt es sich um eine Viruskrankheit, die mit einer fieberhaften Erkrankung unter Beteiligung der Hirnhäute, in schweren Fällen auch des Gehirns und Rückenmarks einhergehen kann.

Auf eine Infektion reagiert der Körper mit grippeähnlichen Anzeichen, wie Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Bei zahlreichen Patienten ist die Krankheit danach überstanden.
Bei einem Teil der Erkrankten befällt der Erreger jedoch das zentrale Nervensystem und kann zu Hirnhautentzündung führen. Dann besteht Lebensgefahr.
Auch bei einem weniger dramatischen Verlauf können Folgeschäden wie Lähmungen zurückbleiben.

FSME-Impfung

Gegen FSME gibt es eine Impfung, die zweimal aufgefrischt werden muss. Zwischen der ersten und der zweiten Spritze sollten etwa vier Wochen verstreichen. Ein voll wirksamer Schutz gegen FSME ist erst zwei Wochen nach der zweiten Injektion aufgebaut. Ein Langzeitschutz, der drei bis fünf Jahre wirkt, kann nur mit einer dritten Impfung nach 9-12 Monaten erreicht werden. Diese wird rund neun bis zwölf Monate nach der ersten erforderlich.

Für eilig Verreisende gibt es bei beiden deutschen Impfstoffen (Encepur, FSME-Immun) je ein Schnellverfahren: z.B. 1. Impfung sofort, 2. Impfung am Tag 7, 3. Impfung am Tag 21, 4. Auffrischung nach 3 Jahren (Die Impfung wird vom Arzt vorgenommen).

Borreliose

Während das FSME-Virus beim Stich einer Zecke (sofern diese damit infiziert ist) sofort auf den Menschen übertragen wird, wird der bakterielle Erreger der so genannten Borreliose in der Regel erst nach 4-8 Stunden übertragen, weil die Bakterien aus dem Darm erst in die Speicheldrüse wandern, wenn die Zecke begonnen hat zu saugen.
Eine Borreliose-Erkrankung kann daher durch frühzeitiges Entfernen der Zecke verhindert werden. Wird die Infektion nicht rechtzeitig erkannt, kann es zu schweren Folgeschäden kommen.

Verbreitungsgebiete infizierter Zecken

Die Borreliose findet sich in ganz Deutschland. Oft sind 30 Prozent der Zecken infiziert. Während in Bundesländern nördlich von Bayern und Baden-Württemberg Zecken meist nicht infiziert sind, tragen aber viele von ihnen in Süddeutschland den FSME-Virus. Unter www.zecken.de finden sie eine Karte mit den Verbreitungsgebieten. Infizierte Zecken finden sich aber auch bereits weiter nördlich (z.B. in Berlin).

Zecken entfernen

Vorsicht bei Hausrezepten zur Zeckenentfernung

Sie reichen vom Abbrennen der Zecke bis zum Beträufeln mit Öl. Manche wollen gar die Zecke mit Klebstoff entfernen. Doch solche Verfahren schaden mehr als sie nützen. Die Zecke entleert dadurch ihren Darminhalt direkt in die Stichstelle. Hierdurch geraten die Erreger der Borreliose oder andere Erreger sofort in die Blutbahn des Menschen.

So entfernen Sie Zecken richtig

Entfernen Sie die Zecke mit Hilfe einer spitzen L-förmigen Pinzette, mit der Sie den in die Haut versenkten Saugrüssel erfassen oder mit einem Skalpell. Das Skalpell sollte nur von einem Arzt und nur dann benutzt werden, wenn das Greifen mit einer Pinzette nicht möglich ist.
Greifen Sie den Zeckenrüssel so nah an der Haut, wie es Ihnen möglich ist. Dann ziehen Sie die Zecke langsam von der Einstichstelle weg. Der Zug sollte mindestens 60 Sekunden anhaltend sein. Dann löst sich die Zecke meistens von allein aus der Haut.

WICHTIG!

Zecken weder mit Öl noch mit Klebstoff behandeln!
80% der Infektionen werden hierdurch verursacht! Achten Sie besonders auf die kleinen Larven und Nymphen, sie sind sehr klein und hellbraun. Sie sind leicht zu übersehen, da sie fast wie eine Sommersprosse aussehen. Zecke nur am „Rüssel“ mit einer Splitterpinzette fassen und vorsichtig herausziehen.

Benutzen Sie auf keinen Fall die Finger zum Entfernen. Auch dann nicht, wenn die Zecke Ihnen dazu groß genug erscheint. Dabei wird die Zecke zu sehr gequetscht und die Erreger werden direkt in die Stichstelle gedrückt!

TIPP

Haben Sie die Zecke entfernt, betupfen Sie die Einstichstelle mit einem Desinfektionsmittel. Auf jeden Fall sollten Sie die Einstichstelle aufmerksam beobachten. Treten Rötungen auf, gehen Sie sofort zum Arzt!

Schutz vor Zecken

Diese Verhaltensregeln helfen Zeckenstiche zu vermeiden

  • Im Wald die Wege benutzen und nicht durch dichtes Unterholz gehen
  • Die Haut einreiben bzw. besprühen mit Zecken abwehrenden Mitteln (Repellents). Auch Schuhe und Hose von beiden Seiten einsprühen – Hose bis mindestens bis in Kniehöhe. Viele reine Antimückenmittel wirken nicht oder nur unzureichend.
  • Nach dem Aufenthalt im Wald, Kleidung und Körper systematisch nach Zecken absuchen bzw. absuchen lassen, weil Zecken auch gerne die weiche Rückenhaut besuchen.

Weitere Informationen

Zeckenschutz und Risikogebiete

Stand: 17.05.2019 11:20 Uhr

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