SENDETERMIN Mo., 16.08.21 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Wachsam im Wald

mit Oliver Balke, Revierförster und Leiter der Forststation Rheinel

PlayRevierförster Oliver Balke , MOMA-Reporterin Svenja Kellershohn im Wald
Service: Wachsam im Wald | Video verfügbar bis 16.08.2022 | Bild: WDR

Immer mehr Menschen suchen in der Pandemie einen Ausgleich in der Natur. Besonders beliebt: Ausflüge in den Wald. Hier sind ein paar Tipps, wie Sie ihren Waldbesuch zu einem erholsamen Erlebnis machen und was Sie dabei beachten sollten.

Deutschland zählt zu den waldreichsten Ländern Europas. Hierzulande dürfen fast alle heimischen Wälder zum Zwecke der Erholung betreten werden. Das Waldbetretungsrecht ist eines der großzügigsten in Europa und wird im Bundeswaldgesetz geregelt. 48 Prozent des deutschen Waldes sind in Privatbesitz. Den Rest besitzt die öffentliche Hand (Bund, Länder und Körperschaften wie Gemeinden oder Kirchen). Was im Wald erlaubt ist, und was nicht, regeln die verschiedenen Landesforstgesetzte der Bundesländer.

Richtiges Verhalten im Wald

Das wichtigste Gebot im Wald lautet: Rücksicht nehmen! Zum Schutz der Natur. Der Wald ist ein empfindliches Ökosystem, in dem viele Tiere leben. Verhalten Sie sich daher ruhig und achtsam. Lautes Geschrei schreckt die Tiere auf. Ein Gespräch in normaler Lautstärke ist für Waldtiere hingegen ein deutliches Zeichen dafür, dass Sie nicht auf der Jagd nach ihnen sind.

Das Sammeln von Ästen, Pilzen, oder Beeren zum Eigenbedarf ist grundsätzlich erlaubt. In NRW, beispielsweise, dürfen Pflanzen als Handstrauß gepflückt werden, soweit es sich nicht um geschützte Pflanzenarten handelt. Allerdings nur in kleinen Mengen. Es ist hingegen verboten Pflanzen auszugraben.

Generell dürfen Sie sich auch abseits der Waldwege frei bewegen. Meiden Sie aber eingezäunte Flächen im Wald, und beachten Sie Warnschilder die ein Betretungsverbot signalisieren. Sperrungen von unsicheren Wegen oder Warnungen aufgrund von Baumfällarbeiten dienen zu Ihrer eigenen Sicherheit. In Naturschutzgebieten ist hingegen das Verlassen der Wege grundsätzlich verboten.

Umgang mit Waldtieren

Von April bis Juli dauert die Brutzeit. Sie gilt als besondere Schonzeit der Waldtiere. In diesen Monaten sollten Sie am besten auf den Waldwegen bleiben, um brütende Vögel nicht zu stören und den Nachwuchs des Wilds nicht aufzuscheuchen. Machen Sie einen großen Bogen um zutrauliche Wildtiere, die nicht weglaufen. Sie könnten krank sein.

Hunde im Wald

Hunde sind je nach Landeswaldgesetz im Wald an der Leine zu führen. In Bremen, und Niedersachen dürfen Hunde nur außerhalb der Schonzeit und in Nordrhein-Westfalen das ganze Jahr über auf vorgesehenen Waldwegen ohne Leine laufen. Im Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen gibt es keinen Leinenzwang. In allen anderen Bundesländern gilt eine generelle Leinenpflicht für Hunde im Wald.

Radfahren und reiten im Wald

Radfahren und Reiten im Wald sind in der Regel nur auf ausgeschilderten Wegen erlaubt. In Nordrhein-Westfalen ist seit 2018 das Reiten im Wald zur Erholung auch auf allen öffentlichen und privaten Straßen und Fahrwegen auf eigene Gefahr gestattet. In der Regel gibt es ausgewiesene Rad- oder Reitwege. Je nach Bundesland sind die Regelungen unterschiedlich. Die 16 Landeswaldgesetze unterscheiden dabei zwischen Pfaden, Wegen und Straßen.
Querfeldeinfahren ist im Wald grundsätzlich verboten, da es Boden und Vegetation schädigen kann.

Grillen, Lagerfeuer und Picknick

Grillen und offenes Feuer sind im Wald aus Bandschutz-Gründen nur an speziellen Grillplätzen erlaubt. Extra dafür ausgewiesene Feuerstellen finden sich in vielen Wäldern Deutschlands.
Das Rauchen im Wald ist in einigen Bundesländern während bestimmter Monate völlig verboten. In anderen Ländern herrscht das ganze Jahr über Rauchverbot.
Ein Picknick im Wald ist außerhalb von Schutzgebieten jederzeit erlaubt. Achten Sie aber darauf keine geschützten Pflanzen zu zertreten und Ihren Müll anschließend wieder mit nach Hause zu nehmen. Liegengebliebene Glasflaschen können nicht nur Tiere verletzen, sondern auch zu Waldbränden führen.

Unwetter im Wald

Bei Sturm und starkem Wind sollten Sie den Wald zu Ihrer eigenen Sicherheit meiden. Ebenso bei Gewitter. Auch einige Tage danach gilt es noch vorsichtig zu sein, da immer noch angeknackste Äste herunterfallen können. Dasselbe gilt für längere Schneefälle. Die schwere Schneelast kann Äste brechen, oder sogar ganze Bäume zum umstürzen bringen.

Weitere Informationen

• Schutzgemeinschaft Deutscher Wald: Waldknigge
https://www.sdw.de/waldwissen/verhalten-im-wald/waldknigge/index.html

• Wald und Holz NRW: Verhalten im Wald
https://www.wald-und-holz.nrw.de/wald-erleben/verhalten-im-wald

• Thüringer WaldKnigge
https://www.thueringenforst.de/waldwissen/verhalten-im-wald/

• Leinenpflicht für Hunde: Wo gilt sie und welche Regelungen gibt es?
https://www.rnd.de/wissen/leinenpflicht-fur-hunde-wo-gilt-die-brut-und-setzzeit-in-deutschland-6RKVBUG6QVA4HPJJNCLMHWEZBU.html

Stand: 17.08.2021 06:28 Uhr