SENDETERMIN Di., 05.01.21 | 05:30 Uhr | Das Erste

Service: Raus aus der Kränkung

mit Silke Brand, Diplom-Psychologin

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Service: Raus aus der Kränkung  | Video verfügbar bis 05.01.2022 | Bild: WDR

Im Alltag werden wir oft gekränkt, das passiert bewusst oder unbewusst. Kollegen oder Freunde, die einen ausgrenzen; Partner, die einen beleidigen: Kränkungen sind vielfältig. Das Unrecht wird oft persönlich genommen, und bei Manchen wird das Gefühl so stark, dass es ihren Alltag bestimmt; die Enttäuschung ist ständig präsent. Viele Gekränkte ziehen sich zurück. Manche steigern sich derart in ihre Kränkungen hinein, dass sie ernsthaft krank werden können. Psychologen nennen das "Verbitterungssyndrom".

Was ist Verbitterung?

Verbitterung beginnt immer mit einer Auslösesituation, die als ein Unrecht empfunden wird. Die Verbitterungsreaktion auf das wahrgenommene Unrecht, die dann erfolgt, wenn die Kränkung nicht konstruktiv bewältigt wird und sich Groll herausbildet, hat Auswirkungen auf Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und Verhalten, die für das Umfeld "toxisch" sind: Der Verbitterte wird als "Spaßverderber" oder "Griesgram" empfunden. Sowohl die Tendenz zum Rückzug als auch zur Aggressivität belasten oder verhindern sogar Nähe, Spaß und Kommunikation in Beziehungen.

So schützen Sie sich vor Kränkungen und Verbitterung

Diplom-Psychologin Silke Brand hat ein Programm entwickelt, mit dessen Hilfe sich Betroffene aus der Schleife von Kränkung und Verbitterung befreien können. Die zehn Schritte des Programms bauen logisch aufeinander auf.

  • In Schritt 1 "Ich benenne das Unrecht" geht es darum, anzuerkennen, zum Opfer geworden zu sein.
  • In Schritt 2: "Ich nehme meine Verletzung achtsam wahr" wird sich mit der Wunde beschäftigt, die durch das Unrecht entstanden ist.
  • Bei Schritt 3 "Ich praktiziere Selbst-Mitgefühl" geht es darum, auf die innere Verletztheit einzugehen, und zwar mit einer Haltung, bei der alles, was bei sich beobachtet wird, ernst genommen wird.
  • Bei Schritt 4 "Ich praktiziere Selbst-Fürsorge" wird die Verantwortung für das innere Kind übernommen und mithilfe von verschiedenen Übungen für ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit bei sich selbst gesorgt.
  • Schritt 5 "Ich befreie mich aus der Opferrolle": Und zwar mit Hilfe des Konzepts der "kreativen Hoffnungslosigkeit": Das ist der Punkt, an dem wir feststellen, dass wir auf keinen Fall erfolgreich sein werden, wenn wir so weitermachen. Aus "Notwehr" lassen wir los und sind dadurch frei für Lösungsalternativen.
  • Schritt 6 "Ich definiere, was für mich Sinn macht": Auch wenn es auf den ersten Blick irritiert: Menschen sind in der Lage, jeder noch so aussichtslosen Situation einen Sinn zu verleihen. Wenn dies gelingt, scheint es das Wohlbefinden deutlich zu steigern.
  • Mit Schritt 7 "Ich äußere meine Gefühle" wird erlernt, sogenannte Pseudo-Gefühle zu entlarven und sie mithilfe der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) in authentische Gefühle umzuwandeln. Außerdem wird sich darin geübt, wichtige Informationen über eigene Bedürfnisse aus den Gefühlen herauszulesen.
  • Bei Schritt 8 "Ich praktiziere Mitgefühl" geht es um ein Training der psychischen Flexibilität durch Perspektivübernahme, Empathie und Mitgefühl.
  • In Schritt 9 "Ich übernehme Verantwortung für mein Handeln" beschäftigt man sich mit der eigenen Wirkung auf andere. Auch wenn ein Mensch in bestimmter Hinsicht Opfer geworden ist, hat das eigene Verhalten unabhängig davon auch einen Effekt – nach innen und nach außen.
  • Schritt 10: ein Ritual, um die Schritte 1 – 9 zu verstärken. In allen Völkern finden sich Rituale, die Menschen sich ausgedacht haben, um Erfahrungen zu besiegeln, Übergänge zu erleichtern oder zu feiern. Rituale scheinen uns Menschen die Anpassung an äußere Umstände zu erleichtern und Entschlüsse zu bekräftigen. Weitere Übungen sind hilfreich dabei, einer erneuten Kränkung vorzubeugen und dafür zu sorgen, dass das eigene Leben unbeschwert bleibt.

(Quelle: Silke Brand, Unbeschwert leben – Wie Sie sich in 10 Schritten von Verbitterung befreien)

Stand: 06.01.2021 07:33 Uhr

Sendetermin

Di., 05.01.21 | 05:30 Uhr
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